Wie konkret sind die Pläne von Ministerin Gorißen? | Aktuelle Stunde

WDR 02:32 Min. Verfügbar bis 23.04.2028

Waldstrategie NRW Wie konkret sind die Pläne von Ministerin Gorißen?

Stand:

Hitze, Dürre, Sturm und Starkregen. Die Klimakrise hat unseren Wäldern ordentlich zugesetzt. Drei Jahre lang hat die Landesregierung eine neue Waldstrategie erarbeitet. Landwirtschaftsministerin Gorißen stellte sie nun vor.

Förster Philip Dahme schaut genau hin, wenn er sich um den Nachwuchs kümmert. Hier in Siegen, wo der Borkenkäfer den Fichtenwald zerstört hat, sind jetzt viele neue kleine Bäume zu sehen. Manche Lärchen wachsen ganz von selbst.

Exotische Bäume aus Afrika

Philip Dahme vom Forstamt Siegen-Wittgenstein steht in einer Waldlandschaft.

Philip Dahme vom Forstamt Siegen-Wittgenstein

Philip Dahme hat aber sogar Bäume aus Afrika im Siegerland angepflanzt. „Die exotische Atlas-Zeder kommt mit der Trockenheit im Sommer sehr gut klar. Genau das ist ein wichtiger Bestandteil der neuen Waldstrategie“, so der Förster aus Siegen.

"Der Wald wird auf jeden Fall deutlich diverser und bunter mit vielen verschiedenen Baumarten, die dann auch mit den neuen Gegebenheiten wunderbar zurecht kommen werden." Philip Dahme, Regional-Forstamt Siegen-Wittgenstein

Gorißen zu Zielen der Waldstrategie für NRW

Drei Jahre lang wurde die "Waldstrategie für Nordrhein-Westfalen" von rund 50 Expertinnen und Experten entwickelt. Am Donnerstag stellte Silke Gorißen (CDU), Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, die Strategie in Düsseldorf vor.

Ziel sei es, die Vitalität des Waldes in Nordrhein-Westfalen zu verbessern, seine Stabilität und Widerstandsfähigkeit zu stärken und den Wald auch für künftige Generationen zu erhalten. Silke Gorißen sagte:

"Unsere zentrale Botschaft der Waldstrategie lautet: Für die Anpassung an den Klimawandel ist aktives Handeln erforderlich." Silke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Deshalb liege der Schwerpunkt der Waldstrategie auf einer klimaangepassten Waldbewirtschaftung. Aber auch die Anpassung der Wildbestände, die Verringerung von Schad- und Nährstoffeinträgen aus der Luft und ein "deutlich verstärkter Klimaschutz" seien nötig. Die "bereits spürbaren Folgen des Klimawandels" setzten dem Wald stark zu, dazu gehörten neben Stürmen und Trockenheit auch Schädlinge wie der Borkenkäfer.

Welche Maßnahmen enthält die Waldstrategie?

Die Waldstrategie enthält 17 Themenfelder, 98 Ziele und 129 Maßnahmen. Zu den Themenfeldern gehören unter anderem Erhalt und Vermehrung der Waldfläche, Jagd- und Wildtiermanagement, Ausbau der Datengrundlagen, Besonderheiten urbaner Wälder oder auch Biodiversität und Freizeitnutzung.

Silke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, stellt bei einer Pressekonferenz auf einer Bühne an einem Rednerpult die Waldstrategie NRW vor.

Ministerin Gorißen stellt Waldstrategie vor

Das, was im Bericht jedoch zu den einzelnen Themenfeldern als "konkrete Umsetzungen und Planungen" bezeichnet wird, bleibt immer wieder im Ungefähren. Im zentralen Themenfeld "Waldbewirtschaftung" wird zum Beispiel als erste Maßnahme genannt: "Vermittlung der Konzepte und Instrumente gegenüber dem Waldbesitz sowie vernetztes Angebot." Die Waldbesitzer sind übrigens wichtige Akteure für die Umsetzung der Waldstrategie, denn ein Großteil des Walds in NRW ist in Privatbesitz.

Im Strategie-Papier des Ministeriums werden immer bestehende Maßnahmen und Instrumente "erweitert", "vertieft", "aktualisiert" oder schlicht aufgelistet. Und erst noch zu erstellende Konzepte (beispielsweise zur "Waldarbeit und Forsttechnik im Klimawandel") werden als "konkrete Umsetzung" bezeichnet.

Wie konkret ist die Waldstrategie für NRW?

WDR 5 Westblick - aktuell 23.04.2026 03:56 Min. Verfügbar bis 23.04.2027 WDR 5

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NABU NRW: Zu starker Fokus auf Waldwirtschaft

Der NABU NRW kritisiert, dass der Fokus der Strategie "zu deutlich weiter auf die wirtschaftliche Nutzung und die Holzproduktion gerichtet" ist. Das erklärte die Vorsitzende des Verbands, Heide Naderer, anlässlich der Veröffentlichung. Das Land setze in seiner Strategie vorrangig auf waldbauliche Maßnahmen zur Regeneration des Waldes.

"Die natürliche Wiederbewaldung als ein entscheidender Motor für Erholung und Stabilität unserer Wälder kommt jedoch deutlich zu kurz", erklärte Naderer. Wo sich der Wald selbst entwickeln dürfe "entstehen stabile, artenreiche Mischwälder, die Hitze, Schädlingen und Extremwetter besser standhalten". Diese natürlichen Prozesse zuzulassen würde für den NABU NRW "einen echten Neustart in der Forstpolitik" bedeuten.

Positiv sieht der NABU hingegen, dass die Waldstrategie zur rechten Zeit komme, weil parallel an einem neuen Landesentwicklungsplan gearbeitet werde. Er sehe vor, die Umwandlung von Waldflächen für Infrastrukturprojekte zu erleichtern. "Die Waldstrategie spricht die drohende Einschränkung der bestehenden Waldflächen durch eine weitere Fragmentierung der Landschaft deutlich an, die Biodiversität wie Klimaschutz gefährdet", so Naderer. Sie erwarte nun, dass diese Erkenntnisse in den Landesentwicklungsplan einfließen.

Unsere Quellen:

  • "Waldstrategie für Nordrhein-Westfalen"
  • Pressemitteilung des NRW-Landwirtschaftsministeriums
  • Veranstaltung zur Präsentation der Waldstrategie in Düsseldorf
  • Pressemitteilung des NABU NRW

Sendung: WDR 5, Der Tag um Zwölf / Du schöner Wald ... Landesregierung stellt Waldstrategie vor, 23.04.2026, 12 Uhr
WDR 5 Westblick, Wie konkret ist die Waldstrategie für NRW?, 23.04.2026, 17:05 Uhr

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