Computerspiel gegen Islamismus | Aktuelle Stunde

00:27 Min. Verfügbar bis 27.02.2028

"Wer ist Bilal?": Videospiel soll über islamistische Propaganda aufklären

Stand:

Ein neues Videospiel soll Jugendliche dafür sensibilisieren, wie Islamisten neue Anhänger locken. Eine Schule in Meerbusch wurde zum Testlabor. Innenminister Reul wollte Feedback von den Jugendlichen.

Von Nina Magoley

Finn hat sich in letzter Zeit verändert - das sagen alle seine Freunde. Jetzt ist er verschwunden, seine Mutter macht sich Sorgen. Sie chattet mit Finns Mitschülerinnen und bittet um Hilfe. Gleichzeitig ist ein mysteriöser Bilal aufgetaucht, der merkwürdige Dinge postet. Ist Finn zu Bilal geworden?

26 Schülerinnen und Schüler des Mataré-Gymnasiums in Meerbusch sitzen am Freitagmorgen über Tablets gebeugt. Sie spielen das neue Videospiel "Wer ist Bilal" - und sind sozusagen das Testlabor für eine neue Kampagne des Innenministeriums gegen islamistische Radikalisierung und Desinformation.

Ein Chat von Finns Mutter aus dem Mobile Game "Wer ist Bilal?"

"Wer ist Bilal?" Finns Mutter im Chat

Im Mittelpunkt des Spiels steht der Junge Finn. Die Meerbuscher Schüler tauchen ein in fiktive Gruppenchats, Sprachnachichten und Bilder und können dabei selber mit agieren. Auf der Suche nach dem verschwundenen Mitschüler begegnen sie Fake News, machen Screenshots und sammeln Indizien.

Minister Liminski: "Haut alles raus"

Neugierig beobachtet werden die Neuntklässler dabei von NRW-Innenminister Herbert Reul und Medienminister Nathanael Liminski (beide CDU). "Wir wollen Eure Meinung wissen", ruft Liminski den Jugendlichen zu: "Was würdet Ihr noch anders machen? Haut alles raus!"

Schülerinnen schaut auf ihr Tablet

"Wie findet ihr das?": Innenminister Reul

Entstanden sei die Idee nach dem islamistischen Attentat in Solingen. Ziel sei ein Tool gewesen, das möglichst realistisch zeigt, wie sich Menschen unter islamistischem Einfluss verändern können. Professionell agierende Influencer aus der islamistischen Szene seien mittlerweile eine "Riesengefahrenquelle", vor allem für junge Menschen, sagt Innenminister Reul. "Das hat nichts mit Islam zu tun."

"Da kommt vieles auf uns zu, was nicht nur gut gemeint ist", erklärt Liminski der Schulklasse. Allein mit Intelligenz ließe sich nicht mehr erkennen, welche Motive hinter Aktivitäten in den Sozialen Medien stehen. "Das muss man lernen." Und dazu solle das interaktive Videospiel "Wer ist Bilal?" beitragen.

Durch eigene Entscheidungen werde erlebbar, "wie Radikalisierungsprozesse entstehen können und welche Rolle soziale Medien dabei spielen", erklärt das Innenministerium. Mit dem Videospiel informiere man Jugendliche "ohne moralischen Zeigefinger" und fördere "zentrale Kompetenzen wie kritisches Denken, Empathie und verantwortungsvolle Mediennutzung".

App gegen Radikalisierung "Wer ist Bilal"

WDR Studios NRW 27.02.2026 00:38 Min. Verfügbar bis 27.02.2028 WDR Online

"Sehr nah am Leben"

Zwei Schüler sitzen über einem Tablet

Dem verschwundenen Finn auf der Spur

Nach einer Stunde sind die Jugendlichen dem geheimnisvollen Bilal auf der Spur. "Die Chats sind schon sehr nah am Leben", attestiert der 14-jährige Luis dem Spiel. Gerade chattet er fiktiv mit Finns Mutter, die ihm davon erzählt, wie ihr Sohn sich in letzter Zeit verändert habe - während er in der Schule immer schlechter wurde und oft vom Islam sprach.

Ihre Antworten können die Schüler allerdings nicht selber formulieren: Sie haben jeweils die Wahl zwischen mehreren Optionen.

Spielemacher sieht noch Verbesserungsbedarf

Vera und Patrizia sind deshalb jetzt gemeinsam zu Jörg Friedrich gegangen, der ebenfalls unter den Zuschauern steht. Mit seiner Firma Paintbucket hat Friedrich das Spiel entwickelt. Monatelang hätten er und sein Team sich in islamistische Socialmedia-Kanäle vertieft, die Sprache und typischen Chatgewohnheiten von Jugendlichen analysiert.

Zwei Schülerinnen zeigen dem Spieleentwickler Friedrich ihr Tablet

Spielemacher Jörg Friedrich nimmt Kritik von Vera und Patrizia entgegen

Insgesamt finde sie das Spiel sehr gut, sagt Vera. "Man bekommt mit, wie Finn seine ganzen Interessen und alten Hobbies verliert", sagt sie. Wie er plötzlich über den richtigen Umgang mit Frauen redet, "das ist schon sehr realistisch gemacht". An einem Punkt aber haben sich die beiden Mädchen geärgert: Als Finns Freundin im Chat berichtet, dass er ihr gegenüber übergriffig geworden sei, laufen die möglichen Antworten alle darauf hinaus, Verständnis für Finn zu haben, sein Verhalten zu tolerieren. "Er ist plötzlich das Opfer", kritisiert Vera.

Spielemacher Friedrich hört zu, sieht sich den Chat an. "Das ist ein Punkt", räumt er sofort ein, "da müssen wir nocheinmal ran."

Warum Meerbusch?

Aus eigener Erfahrung - das sagen die Neuntklässler übereinstimmend - kennen sie solche Situationen allerdings nicht. Die bilinguale Europaschule im überwiegend gut situierten Meerbusch wirkt beschaulich. Wie sie sich verhalten würden, wenn ein Mitschüler tatsächlich so verändert wirke, fragt ein Lehrer. Ihn ansprechen? Ein Junge zuckt ratlos mit den Schultern: "Eher nicht."

Innenminister Reul im Interview

Vorstellung in Meerbusch: Innenminister Reul

Warum das Videospiel gegen Islamischen Extremismus ausgerechnet an dieser Schule vorgestellt wurde - und nicht etwa dort, wo islamistische Propaganda tatsächlich ein Problem im Schulalltag ist -, kann Innenminister Reul auf Nachfrage nicht beantworten. Sie sei eben nahe an Düsseldorf.

Das Spiel kann kostenlos in den App Stores für iOS und Android heruntergeladen werden. Begleitend dazu bietet das Ministerum pädagogische Materialien für den Einsatz im Schulunterricht.

Unsere Quellen:

  • Pressetermin und Vorstellung des Videospiels am Mataré-Gymnasium Meerbusch am 27.02.26

Sendung: WDR 5, Nachrichten, 27.02.2026, 13:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 27.02.2026, 18:45 Uhr

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