Hendrik Wüst verleiht Sabine Leutheusser-Schnarrenberger den Landesverdienstorden

Wüst verleiht höchste Auszeichung des Landes NRW

Stand:

Ministerpräsident Wüst hat wieder eine der höchsten Auszeichnungen verliehen, die es in NRW gibt: 15 Bürgerinnen und Bürger bekommen für ihren Einsatz in der Gesellschaft den Landesverdienstorden.

Von Antje Passenheim

Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) würdigt die Bürgerinnen und Bürger, für die ehrenamtliches Engagement eine Herzensangelegenheit sei: "Sie geben Zeit, sie geben Kraft. Manchmal, wenn Sie ehrlich sind, lassen Sie auch Nerven - ohne etwas zurückzuverlangen." Sie hätten nicht gefragt, was jemand anderes tun könne. Sondern sie hätten gefragt: "Was kann ich tun?" und dann angepackt, lobt der Ministerpräsident die engagierten Ehrenamtler, die die Welt nicht nur an unterschiedlichen Stellen ein Stück besser machten, sondern die auch die Demokratie stärkten.

"Ganz gleich, ob sie stille Säule im gesellschaftlichen Miteinander sind oder laute Stimme für diejenigen, die nicht mehr die Kraft haben, ihre Stimme selbst zu erheben: Sie machen ganz vielen Menschen damit ein Geschenk und sie machen unsere Gesellschaft damit stärker." Hendrik Wüst, Ministerpräsident NRW

Mit dem Orden ehrt die Landesregierung gesellschaftlich besonders engagierte Bürgerinnen und Bürger für ihre herausragenden Verdienste am Gemeinwohl und am Land NRW. Er wurde 1986 vom damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau (SPD) gestiftet. Die höchste Auszeichnung des Landes ist auf 2.500 Ordensträger begrenzt. Bislang haben sie 1783 Menschen erhalten. Jeder Bürger kann übrigens vorschlagen, wer den Orden noch erhalten soll.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger: "Angetrieben vom Wertekompass"

Zu den Prominentesten gehört diesmal Ex-Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Die FDP-Politikerin sei stets angetrieben von ihrem Wertekompass, so Wüst: "Freiheit, Grundrechte, Toleranz." Auch als erste Antisemitismusbeauftragte des Landes NRW von 2018 bis 2024.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, ehem. Bundesjustizministerin

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Sie habe Menschen jüdischen Glaubens eine starke Stimme in NRW gegeben, würdigt der Ministerpräsident. "Die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements gegen Antisemitismus, die Unterstützung des jüdischen Lebens in unserem Land, die Schaffung notwendiger Aufmerksamkeit für das Thema und das Anstoßen von Debatten." All das sei Leutheusser-Schnarrenbergers großes Verdienst in dieser Funktion. Sie habe Probleme beim Namen genannt, habe Initiativen angestoßen und gestartet und sei neue Wege bei der Präventionsarbeit gegangen.

Karl-Rudolf Korte: Impuls- und Ideengeber

Einen, der "schon immer sehr umtriebig" gewesen sei und vielen sehr bekannt, ehrt Ministerpräsident Wüst: Der Politik-Professor Karl-Rudolf Korte ist Gründer der „NRW School of Governance“ an der Universität Duisburg-Essen. Wüst würdigte sie als herausragendes Beispiel der Vision des Wormsers Korte, der dort bis 2025 Direktor des Kompetenzzentrums für praxisorientierte Lehre war. Schwerpunkt ist die Qualifizierung von Fachkräften in den Bereichen Verwaltung, Politik und Regierungsführung.

Karl-Rudolf Korte, Gründer der "NRW School of Governance"

Prof. Karl-Rudolf Korte

Aber auch die Weiterbildung, Forschung und der Wissenstransfer gehören dazu. Karl-Rudolf Korte sei nicht nur Impuls- und Ideengeber, sondern auch Netzwerker: von internationalen und nationalen Kooperationen aber auch von der Zusammenarbeit mit dem Landtag, der Landeszentrale für politische Bildung und verschiedenen Stiftungen. Korte habe den Politik und Gesellschaftsunterricht in NRW bereichert mit dem Projekt "Politik geht an die Schulen". Er selbst war bis zu diesem Jahr Inhaber des Lehrstuhls "Politisches System der Bundesrepublik Deutschland". Korte ist vielen durch seine politischen Analysen in verschiedenen Medien - auch im WDR - bekannt.

Ehrenamtlicher Einsatz für Bedürftige

Geehrt wurden weitere Persönlichkeiten, die sich für wohnungslose oder von Armut betroffene Menschen einsetzen, für Senioren, sozial benachteiligte Kinder oder Behinderte:

Holger Brandenburg aus Ennepetal gründete 2015 den Verein „unsichtbar e.V.“. Mit seinem Team kümmert er sich um wohnungslose Menschen und bedürftige Familien. Sie werden mit einer Mahlzeit, Bekleidung, Schlafsäcken und Decken versorgt. Außerdem haben die Engagierten ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte.

Wicze Braun und Wolfgang Brudes aus Leichlingen haben ein kulturelles Kleinod auf ihrem Grundstück geschaffen. 1996 begannen sie mit ersten Veranstaltungen. Daraus entstand der Skulpturenpark „Sinneswald“. Die Open-Air-Ausstellung mit jährlich wechselnden Kunstschaffenden ist ganzjährig geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos. 

Max Haberland aus Aachen vertritt seit über zwanzig Jahren in zahlreichen Gremien die Belange von Menschen mit Behinderungen. Seit 2001 ist er Vorsitzender des Werkstattrats der Aachener Werkstätten. Seit 2009 ist er im Vorstand der Lebenshilfe Aachen, 2015 hat er das Amt des zweiten Vorsitzenden übernommen. Außerdem ist er Mitglied des Inklusionsbeirats der Städteregion Aachen.

Christel Höink aus Vreden ist seit 25 Jahren Gründungsmitglied und Vorsitzende des Heimatvereins Lünte. Seit 2018 ist sie als Kreisheimatpflegerin aktiv. Außerdem engagiert sie sich im plattdeutschen Theater „De Lünske Theaterspöllers“.

Marion Kohlhoff aus Kevelaer gründete 2014 den Verein „Senioren aktiv“ und ist seitdem Vorsitzende. Die wöchentlichen Treffen und Ausflüge bewahren viele alte Menschen davor, zu vereinsamen.

Inge Losch-Engler aus Meerbusch hat die Landesvereinigung für Kindertagesbetreuung mitgegründet. Sie war über viele Jahre im Vorstand des Bundesverbands für Kindertagespflege e.V. Von 2016 bis 2024 war sie die Bundesvorsitzende.

Darinka und Peter Norff aus Dormagen führen seit fast 20 Jahren den Eselpark Zons e.V., einen Gnadenhof für notleidende und verstoßene Esel, Ponys, Schafe und Ziegen. Der privat geführte Park ist zu einem beliebten Lernort für Kindergärten und Schulen geworden – aber auch zum Ausflugsziel für Behinderten-Einrichtungen.

Eselpark Zons e.V., privat geführter Gnadenhof

Der Eselpark Zons

Paul Pavel Ribbeck aus Dinslaken hat sich als Schulleiter viele Jahre um sozial benachteiligte Kinder gekümmert. Vielen verhalf er später zu einer Ausbildungsstelle. Auch Jahre nach seiner Pensionierung engagierte er sich als ehrenamtlicher Lehrer für Kinder und Jugendliche mit Sprachproblemen.

Karl-Heinz Sandbaumhüter aus Greven ist seit 1957 ist er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Reckenfeld – 33 Jahre davon als aktiver Feuerwehrmann. Seit 2008 gehört er der Ehrenabteilung an. Bis heute unterstützt er außerdem die Seniorinnen und Senioren der Häuser „Matthias-Claudius-Haus“ und „Haus Marienfried“.

Jörg Sartor aus Essen ist seit 2006 Vorstandsvorsitzender der Essener Tafel – eine der ersten Tafeln in Deutschland. Außerdem hat er als Mitglied des Landesvorstands der „Tafel Nordrhein-Westfalen e.V.“ die Professionalisierung der Landesorganisation mitgestaltet.

Jörg Sartor, Vorstandsvorsitzender der Essener Tafel

Jörg Sator

Hanne Watty aus Düsseldorf  gründete 2009 die „Benrather Tüte“. Dabei geht es um mehr als die Versorgung mit Lebensmitteln. Das Team kümmert sich um die Probleme der bedürftigen Gäste. Bei Bedarf vermitteln sie auch an professionelle Hilfsangebote.

Unsere Quellen:

  • Mitteilung der Staatskanzlei NRW
  • Feierstunde zur Preisverleihung

Landesverdienstorden verliehen

WDR 5 Westblick - aktuell 21.08.2025 02:14 Min. Verfügbar bis 21.08.2026 WDR 5

Download

"Bin froh, wenn es Spenden bringt" - Verdienstorden für Tafelchef aus Essen

00:34 Min. Verfügbar bis 21.08.2027

Weitere Beiträge zur Politik in NRW

1 / 2