Ex-AfD-Politiker in Windeck zusammengeschlagen
Lokalzeit aus Bonn. 17.12.2025. 02:47 Min.. Verfügbar bis 17.12.2027. Von Tobias al Shomer.
Rainer Tüschenbönner (55) war über die Liste der AfD in den Stadtrat eingezogen, aber noch vor der Kommunalwahl im September aus der Partei ausgetreten.
Auf Distanz zur AfD gegangen
Er und seine Ehefrau standen als AfD-Kandidaten in Windeck auf dem Wahlzettel. Noch im Wahlkampf hatten sich beide aber von der Partei distanziert. Sie hatten sogar selbst Flyer verteilt, um zu betonen, dass sie - sollten sie gewählt werden - nicht der Fraktion der AfD angehören würden.
Beide waren da bereits aus der Partei ausgetreten. Rainer Tüschenbönner erklärt, er habe bemerkt, dass einige Parteikameraden die Nähe von Rechtsextremisten suchten - der Wendepunkt für ihn.
Nachdem er im Internet und per Flyer seinen Austritt bekannt gegeben habe, seien Drohungen gekommen.
"Linke Ratte"
Rainer Tüschenbönner direkt nach dem Angriff
Dass es allerdings so schlimm kommen würde wie am Mittwoch vor einer Woche, damit habe er nicht gerechnet. Nach einer Betriebsausschuss-Sitzung sei er vor seinem Haus in einem kleinen Ortsteil von Windeck von zwei Vermummten brutal zusammengeschlagen worden.
Einer habe ihn festgehalten, der andere immer wieder auf seinen Kopf eingeschlagen. Die Angreifer hätten ihn als "linke Ratte“ und "Verräter“ bezeichnet, erinnert sich Tüschenbönner. Formulierungen, die oft von Rechtsextremisten verwendet werden.
Ärger wegen Ratsmandat
Der AfD Windeck erklärt auf WDR-Anfrage, dass sie den Überfall aufs Schärfste verurteile. Gewalt in jeder Form lehne die Partei ab. Auch die berichteten Beleidigungen "Linke Ratte" oder "Verräter" seien abstoßend.
"Eine derartige Wortwahl widerspricht unserem Werteverständnis und dem respektvollen Umgang miteinander", schreibt der stellvertretende Sprecher der Windecker AfD, Kym Irsch.
Rückzug kam zu spät
Tüschenbönner hatte noch versucht, bei der Wahl als Parteiloser anzutreten. Dafür war es aber zu spät. Deshalb bekam er sein Ratsmandat über die AfD-Liste.
Streit habe es aber nicht gegeben, erklärt Irsch: "Seine Entscheidung, sich kurz vor der Kommunalwahl zurückzuziehen, kam für uns überraschend. (...) Wir haben seine Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis genommen, sie jedoch respektiert."
Zum Auftakt der Sitzung des Stadtrats am Dienstagabend hat Bürgermeisterin Alexandra Gauß (Die Grünen) den Überfall auf Ratsmitglied Tüschenbönner bekannt gemacht. Alle Parteien verurteilten die Tat.
Staatsschutz ermittelt
Die Bürgermeisterin zeigte sich entsetzt. Das zeige, dass die zunehmende Verrohung aus den sozialen Medien in eine wirkliche Tat überschlage. Jedem müsse bewusst sein, so Gauß, dass unsere Werte wie Demokratie auch in Windeck auf der lokalen Ebene in den Parlamenten verteidigt werden müssen.
Die Polizei ermittelt. Weil der Überfall eine politische Dimension hat, ist auch der Staatsschutz eingebunden.
Im Windecker Stadtrat haben sie eigene Vorkehrungen getroffen. Ratsmitglieder wollen Tüschenbönner künftig zu Sitzungen abholen und nach Hause bringen, um einen weiteren Überfall zu verhindern.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Polizei Bonn
- Rainer Tüschenbönner (parteilos)
- Gert-Willi Moses (AfD)
- Stellungnahme Kym Irsch (AfD)
- Bürgermeisterin Windeck Alexandra Gauß (Die Grünen)
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Bonn, 17.12.2025, 19:30 Uhr