Tarifflucht in NRW: Weniger Geld, mehr Arbeitsstunden

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Jobs in Firmen ohne Tarifvertrag bringen laut einer Studie im Schnitt weniger Geld, dafür müssen die Arbeitnehmer länger arbeiten. Der DGB in NRW fordert Nachbesserungen.

Von Benjamin Sartory

Bereinigte Lohneinbußen von acht Prozent

Beim einfachen Vergleich von Firmen mit und ohne Tarifvertrag kommt die Studie in NRW auf durchnittliche Lohneinbußen von 18 Prozent. Die Zahl ist aber mit Vorsicht zu genießen. Denn sie unterschlägt andere mögliche Faktoren wie Branchenzugehörigkeit oder Größe des Betriebs.

Die Urheber der Studie haben diese Faktoren deshalb herausgerechnet, übrig bleibt immer noch ein Minus von knapp acht Prozent Gehalt. Außerdem würden Arbeitnehmer ohne Tarifvertrag durchschnittlich eine Stunde länger pro Woche arbeiten.

Besonders wenig Tarifbindung im Einzelhandel

Ohne Tarivertrag zu arbeiten ist also oft weniger attraktiv, gleichzeitig müssen das aber immer mehr Arbeitnehmer tun. Laut der Studie werden in NRW noch 57 Prozent der Beschäftigten nach Tarif bezahlt. Das ist zwar deutschlandweit die höchste Quote, sie sinkt aber beständig: 1996 lag sie noch bei 82 Prozent.

Unterschiedliche Branchen sind dabei unterschiedlich stark betroffen. Die Tarifbindung reicht demnach in NRW von 34 Prozent im Einzelhandel bis zu 97 Prozent in der öffentlichen Verwaltung.

Gewerkschaft für Tarifbindung bei öffentlichen Aufträgen

Schulessen ohne Tarivertrag

Mohamed Boudih von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten nennt als Beispiel für öffentliche Aufträge die Verpflegung von Schulkindern. Es könne nicht sein, dass die Schulspeisung von Firmen ohne Tarifbindung organisiert werde. Der Gewerkschaft seien mehrerer solcher Fälle bekannt.

"Damit wird nicht nur Lohndumping mit Steuermillionen gefördert, sondern auch Tarifflucht gestärkt", so Boudih.

Was will die mögliche neue Landesregierung tun?

Im Sondierungspapier von CDU und Grünen finden sich zu dem Thema übrigens gerade einmal drei Sätze. Man wolle bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen tarifgebundene Firmen bevorzugen, heißt es da unter anderem. Wo nötig werde man neue Regeln schaffen.

"Der Ansatz ist gut", sagt dazu Anja Weber vom DGB. "Aber er darf konkretisiert werden."

Kritik kommt aus der Wirtschaft

Kritik an dem DGB-Vorstoß kommt dagegen aus der Wirtschaft. So warnt die Landesvereinigung der Unternehmensverbände NRW vor einem "Bürokratiemonster". Schon das frühere Tariftreuegesetz unter der rot-grünen Landesregierung hätte überflüssige Kosten und einen erheblichen Mehraufwand für Unternehmen und öffentliche Hand verursacht.

Die schwarz-gelbe Nachfolgeregierung hatte das Gesetz 2018 dann wieder deutlich verschlankt.

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