Eine rote S-Bahn steht an einem Bahnsteig. Menschen steigen ein und aus.

S-Bahnen wieder im Einsatz

Bahn-Verkehr in NRW Was für Bahnfahrer ab 2027 besser werden soll

Stand:

Regional- und S-Bahnen in NRW sollen besser werden. Im Landtag ist dafür die letzte politische Hürde genommen worden. Das sind die Änderungen für die Fahrgäste.

Der Landtag hat am Mittwoch die Strukturreform für den Schienen-Personennahverkehr (SPNV) in Nordrhein-Westfalen beschlossen. Damit wird die seit gut einem Jahr angekündigte Neu-Organisation Realität. Dadurch soll das Fahren mit Regionalexpress, Regionalbahn oder S-Bahn in NRW besser werden.

Bislang sind drei so genannte Aufgabenträger dafür zuständig, den SPNV zu organisieren: Verkehrsverbund Rhein-​Ruhr (VRR), Nahverkehr Westfalen-​Lippe (NWL) und "Go Rheinland". Diese drei Zweckverbände machen Planung, Ausschreibung, Vergabe und Controlling der Regionalexpresse, Regionalbahnen und S-Bahnen in NRW.

Dabei legen sie zum Beispiel fest, wo wann wie viele Züge fahren sollten, damit die Menschen in NRW gut angebunden sind. Auf diese Bahnverbindungen können sich Verkehrsunternehmen wie DB Regio oder National Express bewerben. Die lassen dann, nachdem darüber Verträge geschlossen wurden, die Züge fahren - im Auftrag der drei Aufgabenträger. Sie kontrollieren den Fahrbetrieb und bezahlen die Verkehrsunternehmen auch dafür.

In Zukunft soll das alles von einer landesweiten Anstalt gemacht werden. Aus drei wird eins - das ist der Kernstück der SPNV-Reform. Die drei bisherigen Zweckverbände werden beauftragt, diese landesweite Behörde zu gründen. Als Aufgabenträger wird es VRR, NWL und "Go Rheinland" dann nicht mehr geben. Der vorläufige Arbeitstitel der künftigen, landesweiten Anstalt lautet "Schiene NRW".

Dadurch, dass die Organisation des SPNV in Zukunft aus einer Hand kommt, soll sich das Angebot verbessern. Die Fahrgäste sollten sogar "immer im Mittelpunkt stehen, das ist der Hauptzweck der neuen Gesellschaft", versprach Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) im vergangenen Jahr. Er hat die Reform umgesetzt, die CDU und Grüne in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart hatten.

Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen spricht bei der Feier 50 Jahre S-Bahn: Köln feiert das Rückgrat des Nahverkehrs

Oliver Krischer (Grüne)

Konkret erhofft sich die Landesregierung, dass ein großer Verband - es wäre dann der größte SPNV-Aufgabenträger in ganz Deutschland - in den Verhandlungen mit den Verkehrsunternehmen viel mehr Gewicht hat, als drei kleinere bislang. In Zukunft könne man gegenüber diesen internationalen Konzernen "viel deutlicher auftreten und sagen, was unsere Interessen sind und was auch nicht mehr passieren soll". Denkbar ist als Ergebnis Vieles: Von zuverlässigeren Bahnverbindungen bis hin zu besseren Preisen.

Außerdem soll ganz viel vereinheitlicht werden, was in NRW von den drei bisherigen Aufgabenträgern unterschiedlich gehandhabt wird. Das betrifft zum Beispiel Informationen in Apps und auf Anzeigetafeln. Hierfür soll es NRW-weite Standards geben. Auch Bahnsteige sollen in Zukunft überall die gleiche Höhe haben - das ist wichtig für die Barrierefreiheit und für die Auswahl der Züge.

Das Argument: Die allermeisten Regionalexpresse, Regionalbahnen und S-Bahnen fahren schon jetzt über die Grenzen der drei bisherigen Aufgabenträger hinweg - da seien gemeinsame Standards nur folgerichtig.

Auch die Fahrpläne könnten durch die neue Struktur besser werden. Bislang erkenne man "noch immer in einigen Fahrplänen die genauen Verbundgrenzen", heißt es vom Fahrgastverband Pro Bahn NRW. Zum Beispiel, weil "am Wochenende der Halbstundentakt von Köln Richtung Mönchengladbach in Rommerskirchen endet".

Im Gesetzentwurf der Landesregierung heißt es, durch die Reform würden "keine Kosten für den Landeshaushalt ausgelöst." Auch Fachverbände erkannten in einer Anhörung im Landtag an, dass die Reform die Möglichkeit bietet, Geld zu sparen: Zum Beispiel, indem Mehrfach-Strukturen der bislang drei Aufgabenträger abgebaut werden - oder beim Beschaffen von Fahrzeugen und Verkehrsleistungen. Ob es so kommt, muss die Praxis zeigen.

Mit dem Jahreswechsel soll "Schiene NRW" in den Betrieb gehen. Bis dahin müssen die drei bisherigen Zweckverbände alles dafür organisieren: Die neue Anstalt braucht Satzung und Geschäftsordnung, auch einen Vorstand und einen endgültigen Namen. Auch ein juristischer Sitz muss gefunden werden. "Wir sind froh, dass mit dem Gesetz Rechtssicherheit da ist. Die Arbeit beginnt jetzt erst richtig", sagte Oliver Wittke, der Vorstandssprecher des VRR, dem WDR am Mittwoch.

Bis die neue, landesweite Anstalt in der Praxis auch wirklich alle Aufgaben von den drei Vorläufer-Organisationen übernommen hat, dürfte es dem Vernehmen nach 2028 werden. So ein Übergangszeitraum ist auch im Gesetz vorgesehen. Wann genau welche konkrete Veränderung für die Fahrgäste spürbar wird, ist nicht genauer zu prognostizieren.

Nein. Die vier Verkehrsverbünde in NRW bleiben wie bisher erhalten, das sind: VRS, AVV, VRR und Westfalentarif.

Diese Verkehrsverbünde sind Zusammenschlüsse der kommunalen Verkehrsunternehmen. Sie sind unter anderem verantwortlich für die Tarife der Tickets. Ihre Logos sind deshalb von Fahrkarten-Automaten und Apps bekannt.

Unsere Quellen:

  • Gesetzentwurf der Landesregierung
  • Zitate Oliver Krischer, Pro Bahn, Oliver Wittke
  • Eigene Recherche

Landtag beschließt SPNV-Reform

WDR Studios NRW 06.05.2026 00:46 Min. Verfügbar bis 05.05.2028 WDR Online

Sendung: WDR.de, Landtag beschließt SPNV-Reform, 06.05.2026, 17:19 Uhr

Weitere Beiträge zur Politik in NRW

1 / 2