Die geplante Strukturreform im Schienen-Personennahverkehr (SPNV) wird konkret: Nach der Zusammenlegung der bislang drei Aufgabenträger soll es nur noch eine landesweite Gesellschaft geben, die von den Kreisen und kreisfreien Städten getragen wird. Ihr Arbeitstitel lautet "Schiene.NRW". Das sagte Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) im Interview mit dem WDR5-Magazin Westblick.
Künftig "Fahrgäste immer im Mittelpunkt"
Eine entsprechende Änderung des ÖPNV-Gesetzes will die Landesregierung nach dem Ende der Parlamentarischen Sommerpause im September im Landtag beschließen lassen. In Zukunft sollten "die Fahrgäste immer im Mittelpunkt stehen, das ist der Hauptzweck der neuen Gesellschaft", sagte der Verkehrsminister.
Neue "Schiene.NRW": So wird der Regionalverkehr reformiert
WDR 5 Westblick - aktuell. 03.07.2025. 07:54 Min.. Verfügbar bis 03.07.2026. WDR 5.
Ab 2026 nur noch "Schiene.NRW"
Dabei geht es um Regionalexpresse, Regionalbahnen oder S-Bahnen in Nordrhein-Westfalen. Planung, Ausschreibung, Vergabe und Controlling dieser Verbindungen sollen künftig "aus einem Guss" nur noch von der neuen Gesellschaft gemacht werden. So sieht es eine Einigung zwischen dem Verkehrsministerium und den drei bisherigen Aufgabenträgern sowie den kommunalen Spitzenverbänden vor.
Man habe es mit internationalen Konzernen zu tun wie Deutscher Bahn oder National Express. In Zukunft könne man denen gegenüber "viel deutlicher auftreten und sagen, was unsere Interessen sind und was auch nicht mehr passieren soll", sagte Krischer. Die neuen Strukturen sollen ab Anfang 2026 umgesetzt werden. "Ich glaube, die Fahrgäste werden schon Anfang des Jahres merken, dass die Ansagen 'kurzfristiger Zugausfall wegen Personalausfall', - dass das vorbei ist", prognostizierte der Minister.
Mitarbeiter unter neuem Firmen-Dach
Aktuell sind noch drei Aufgabenträger zuständig: Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und Go.Rheinland. Durch diese Dreiteilung gäbe es jedoch "Ineffizienzen", die er beseitigen wolle, hatte Krischer bereits im Februar angekündigt. "Alle sagen: Wir haben fast nur Linien, die über Verbundgrenzen hinweggehen und es macht eigentlich überhaupt keinen Sinn mehr, dass man das Land dreiteilt", erläuterte Krischer nun.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der drei Verbände sollen in Zukunft unter einem neuen, gemeinsamen Firmen-Dach, der "Schiene.NRW" arbeiten. Die Zentralen der drei bisherigen Verbände in Gelsenkirchen (VRR), Unna (NWL) und Köln (Go.Rheinland) sollen weiter genutzt werden. "Wir haben jetzt schon eine Reihe von verschiedenen Standorten. Und das wird auch erstmal so bleiben", versprach der Minister. "Ob dann in Zukunft einzelne Standorte verändert werden, wird sich in Zukunft zeigen".
Den Angestellten versuchte er, Ängste zu nehmen. "Niemand muss sich Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen", sagte Krischer. Die große, neue Gesellschaft könne sogar attraktivere Karrierechancen bieten. "Niemand wird da seinen Arbeitsplatz verlieren", betonte er.
Ländliche Räume sollen "im Blick" sein
Die Reform habe "besonders auch die ländlichen Räume im Blick", heißt es aus dem Verkehrsministerium: "Wir werden als Landesregierung ein Mindestangebot definieren, das absichert, dass auf allen heute befahrenen Strecken und an allen heute bedienten Bahnhöfen und Haltepunkten auch in Zukunft Züge fahren und halten müssen". Es solle "überhaupt nix stillgelegt werden, ganz im Gegenteil", ergänzte Krischer im Interview. "Es geht gar nicht darum, dass wir irgendetwas einsparen wollen. Wir wollen ja den SPNV ausbauen. Wir wollen in den nächsten Jahren zusätzliche Strecken wieder in Betrieb nehmen."
Mit der neuen Struktur sollen auch die Reiseinformationen in Apps und auf Anzeigetafeln an den Bahnhöfen verlässlicher werden. Dafür sind in NRW gemeinsame technische, digitale und bauliche Standards vorgesehen. Sollten sich die Verkehrsunternehmen hier nicht einigen können, will das Land diese Standards vorgeben. Wenn sich ein Verkehrsunternehmen dann nicht an diese Standards hält, will das Land in Zukunft Mittel kürzen, heißt es aus dem Ministerium.
VRR begrüßt Pläne
Der Chef des größten bisherigen Aufgabenträgers VRR, Oliver Wittke, zeigte sich in einer ersten Reaktion auf die Pläne zufrieden: "Dies ist eine gute Nachricht für die Fahrgäste", teilte er dem WDR mit. "Minister Krischers Idee, die Aufgabenträgerschaft für den Schienenpersonennahverkehr in NRW neu zu organisieren, wird den Bahnverkehr effizienter und einheitlicher machen. Ich unterstütze dies ausdrücklich, denn die Menschen rennen uns wirklich die Fahrzeuge ein. Die Nachfrage im ÖPNV ist enorm." Wittke ist Mitglied der CDU und war von 2005 bis 2009 selbst Verkehrsminister in NRW.
Unsere Quellen:
- Interview Oliver Krischer im WDR5 Westblick
- Eckpunkte Verkehrsministerium
- Stellungnahme VRR
- Eigene Recherche
- Ostwestfalen-Lippe
- Bergisches Land
- Politik in NRW
- Rheinland
- ÖPNV & Streik
- Aachener Raum & Eifel
- Münsterland
- Sauer- & Siegerland
- Ruhrgebiet
- Niederrhein