Hendrik Wüst in Auschwitz

Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau Ein Besuch, der nachwirkt

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Beim Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau trifft Ministerpräsident Wüst auf eine Schulklasse. Eindrücke einer Begegnung.

Für einen kurzen Moment ist fast nur das Rauschen des Windes zu hören. Hendrik Wüst hält eine runde Grablaterne in den Händen, stellt sie vor den kantigen Steinblöcken des Denkmals ab, das hier für die Opfer der Shoah in Auschwitz-Birkenau errichtet wurde. Als er sich umdreht, kommt eine Gruppe auf ihn zu. Es sind Schülerinnen und Schüler, Stufe zehn, sie sind aus Flensburg angereist. Eine kleine Traube bildet sich um den Ministerpräsidenten und der Lehrer erzählt, warum sie hier sind: Sie haben die Geschichte des ehemaligen Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß recherchiert.

Auf den Spuren von Auschwitz-Kommandant

Höß, der das Konzentrationslager aufbaute und zu einem Vernichtungslager machte, in dem 1,1 Millionen Menschen starben. Nach dem Krieg versteckte er sich unter falschem Namen in der Nähe von Flensburg, bis er von einem sogenannten Nazijäger aufgespürt wurde. 1947 wurde er auf dem Gelände von Auschwitz erhängt. Der Galgen steht noch heute dort.

Die Schülerinnen und Schüler stehen unter dem Eindruck des Besuchs. Wüst fragt sie, was das mit ihnen macht. Es sind Bilder, die man nicht vergisst, sagt einer. Bedrückend, eine andere. Etwas ganz anderes, so im real life. "Vor allem die Haare und die Schuhe, weil die zu Menschen gehörten, die hier in Auschwitz waren", sagt Lasse, 16 Jahre alt.

Es ist eine spontane Begegnung, die auch den Ministerpräsidenten emotional werden lässt: "Man weiß viel, aber die Dimension hier, die geht richtig ins Gefühl." Zu sehen, mit welch kalter Präzision das Gelände geplant wurde, darauf ausgelegt zu wachsen: "Das ist im wahrsten Sinne des Wortes erschütternd."

Nachfahren halten Erinnerung wach

Während sie miteinander sprechen, erklingen Stimmen, die sich zu einem gebetsartigen Gesang formen. Nur wenige Meter entfernt hat sich eine Gruppe auf den flachen Stufen des Denkmals aufgestellt. Einige haben israelische Flaggen über die Schultern gehängt. Sie sind Nachfahren von Opfern der Shoah, hierhergereist, um die Geschichte und das Schicksal ihrer Vorfahren zu erzählen und nachzuspüren. 140 Hektar umfasst die Fläche des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau.

Das ist der Ort, an dem die Züge ankamen, die Gefangenen sortiert und zum Teil sofort in Gaskammern gebracht wurden. Von dem Punkt, an dem sie stehen, kann man das Gelände von Auschwitz-Birkenau überblicken. Die stillgelegten Schienen, das breite Ziegelsteintor mit dem Wachturm in der Ferne. Etwa 800 Meter lang ist der Weg, den Besucher vom Tor bis zum Mahnmal gehen, neben den Schienen, mit Blick auf die Überreste der Baracken. Die Gebäude mit den Gaskammern wurden kurz vor Kriegsende von den Nazis gesprengt, um Beweise zu vernichten. Die Ruinen mahnen heute still die Verbrechen.

Zu sehen sind die Bahn-Schienen, die ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau führen

Bahn-Schienen führen ins Konzentrationslager Auschwitz

Wüst sucht die richtigen Worte

Ministerpräsident Wüst steht mit Anderen in Auschwitz unter dem Schriftzug "Arbeit macht frei"

Ministerpräsident Wüst in Auschwitz unter dem Schriftzug "Arbeit macht frei"

Auf 140 Hektar ist Platz für unzählige Fußballfelder und doch konzentriert sich in diesem Moment alles auf ein paar Quadratmeter: Der Ministerpräsident, der nachdenklich wirkt und nach passenden Worten sucht. Ihm ist anzusehen, dass dieser Termin kein leichter ist - sein erster Besuch in Auschwitz. Begleitet wird er von Sylvia Löhrmann, ehemalige Schulministerin und heute Antisemitismusbeauftragte von NRW.

In dem ehemaligen Stammlager, das wenige Kilometer entfernt ist, hat er sich Ausstellungen angeschaut und einen Kranz niedergelegt an der Stelle, wo früher Gefangene an einer Mauer erschossen wurden. Wüst hat sich Zeit für den Besuch der Gedenkstätte genommen und ins Gästebuch geschrieben:


"Auschwitz ist Verpflichtung, alles zu tun, um Hass entgegenzutreten und allen, die Menschen entmenschlichen."
Hendrik Wüst, Eintrag im Gästebuch
Hendrik Wüst läuft neben einem Beamten der Blumen trägt in Auschwitz

Hendrik Wüst in Auschwitz neben einem Beamten der Blumen zum Gedenken trägt


Nach seinem Rundgang betont er, wie wichtig es ihm ist, Erinnerung hochzuhalten und es gerade Schulklassen zu ermöglichen, eine Gedenkstätte zu besuchen. Auch als Reaktion auf wachsenden Antisemitismus. Etwa 19.000 Schüler aus NRW waren im vergangenen Schuljahr zu Besuch in Gedenkstätten. Seit 2018 fördert die Landesregierung solche Fahrten.

Die Schülergruppe aus Flensburg wird mit intensiven Eindrücken zurück nach Hause fahren. Lasse sagt, er möchte anderen von seinen Eindrücken erzählen. Und Wüst ermuntert ihn und seine Mitschüler: "Tun Sie genau das, was er gesagt hat: Mit anderen darüber reden, die nicht hier sein können."

Wüst besucht Auschwitz

WDR Studios NRW 21.05.2026 03:46 Min. Verfügbar bis 20.05.2028 WDR Online

Jeder Schüler soll Gedenkstätten besuchen

WDR 3 Resonanzen 20.05.2026 07:22 Min. Verfügbar bis 20.05.2027 WDR 3

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Unsere Quellen:

  • Eindrücke der Reporterin vor Ort
  • Statement von Ministerpräsident Wüst
  • Pressemitteilung der Staatskanzlei

Sendung: WDR 5, Westblick, 20.05.2026, 17:05 Uhr

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