Weiterbau des Radschnellwegs Ruhr | Aktuelle Stunde

00:25 Min. Verfügbar bis 30.07.2027

Weiter kein leichter Umstieg aufs Rad in NRW

Stand:

Verkehrsminister Oliver Krischer hat einen neuen Bauabschnitt im Radschnellwege-Netz eröffnet. Befahrbar ist hier aber noch lange nichts.

Als NRW "ein neues Kapitel der Verkehrsplanung” aufschlagen wollte, hieß der Verkehrsminister noch Michael Groschek (SPD). 2013 war das. NRW wollte damals "als treibende Kraft" eine "Vorreiterrolle" einnehmen.

Radschnellwege, so die Vorstellung Groscheks, sollten die Verkehrswende vorantreiben: Vier Meter breit, kaum Kreuzungen oder Ampeln, dazu eine Fahrbahn mit guter Asphalt-Qualität und nahezu ohne Steigung - diese hohen Standards der "Fahrrad-Autobahnen" sollten mehr Menschen aufs Rad umsteigen lassen.

Über 100 Kilometer durchs Ruhrgebiet

Insgesamt sieben Radschnellwege sollten in NRW entstehen, die Gesamtlänge 275 Kilometer betragen. Allein der Radschnellweg 1 (RS1) sollte einmal auf über hundert Kilometern zehn Zentren im Ruhrgebiet verbinden. Eine damalige Forsa-Umfrage ergab, dass mit dem Ausbau des RS1 in Zukunft täglich 52.000 Wege vom Pkw aufs Rad verlagert werden könnten.

Geplant sind diese Radschnellwege noch immer, doch inzwischen weiß man: Ganz so schnell und einfach, wie damals gedacht, ist das Ganze nicht umsetzbar. Heute heißt der Nach-Nach-Nachfolger von Michael Groschek Oliver Krischer. Seit drei Jahren ist der Grüne Verkehrsminister in NRW - und erklärt heute: "Das Projekt RS1 ist vor zehn Jahren gestartet, als die großen Herausforderungen noch nicht offensichtlich waren."

Krischer eröffnet neuen Bauabschnitt

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Mitte) bei der Eröffnung eines neuen Bauabschnitts des RS1

Verkehrsminister Krischer (Mitte) eröffnet neuen Bauabschnitt

In Gelsenkirchen eröffnete er am Mittwoch zusammen mit Vertretern des Landesbetriebs Straßen.NRW den Bauabschnitt für ein neues Teilstück des RS1, das die Stadtgrenze von Gelsenkirchen mit dem Bahnhof Essen-Kray Nord verbinden soll. 1,5 Kilometer ist dieser geplante Abschnitt lang.

Insgesamt soll der RS1 mal eine Gesamtlänge von 114 Kilometern aufweisen. Fertig sind davon bislang sieben. Weitere 3,2 Kilometer sollen im August fertiggestellt werden. Hinzu kommt eine "Modellstrecke" von 10 Kilometern. Diese ist zwar bereits befahrbar, entspricht aber noch nicht dem Radschnellwegstandard: Sie ist an vielen Stellen zu schmal, statt aus Asphalt besteht der Belag teils aus Schotter.

Viele Konflikte und Hürden unterschätzt

Und es stockt nicht nur beim RS1 im Ruhrgebiet. Von den anderen sechs geplanten Radschnellwegen sind nur 0,4 Kilometer des RS5 fertiggestellt. Dieser soll einmal auf einer Strecke von 26 Kilometern Neuss, Düsseldorf und Langenfeld verbinden. Von den insgesamt geplanten 275 Kilometern Radschnellwegen in NRW sind bislang also nur 7,4 Kilometer vollständig fertig.

Man habe damals die Konflikte und Hürden unterschätzt, heißt es heute aus dem Verkehrsministerium. Einen Radschnellweg durch die am dichtesten besiedelte Region Deutschlands zu bauen, sei kaum einfacher zu realisieren als der Bau einer neuen Landes- oder Bundesstraße auf dieser Länge.

"Planerische Herausforderungen" beim RS1

Deutlich wird das beim am Mittwoch eröffneten Bauabschnitt. Dafür müssen laut Verkehrsministerium unter anderem drei Brücken saniert werden - auch, weil im Winter Streu- und Räumfahrzeuge darüberfahren sollen.

Die Strecke verläuft teils über alte Bahntrassen. Die aufwändigen Arbeiten umfassen den Ausbau alter Gleise, den Einbau neuer Lastverteilungsplatten und den Korrosionsschutz. "Die Umnutzung bestehender Infrastruktur bringt planerische und bauliche Herausforderungen mit sich, das ist keine leichte Aufgabe", erklärte Petra Beckefeld, Direktorin von Straßen.NRW.

Trotz aller Herausforderungen bezeichnet das Verkehrsministerium den RS1 aber weiter als "Rückgrat des regionalen Radwegenetzes". Dadurch sei er "ein wichtiger Bestandteil der klimafreundlichen Verkehrswende in Nordrhein-Westfalen."

Und man sieht sich nun auf einem gutem Weg: 2022 habe Krischer alle Beteiligten an einen Tisch geholt mit dem Ziel, die Planungen wieder voranzubringen. Diese projektbezogenen, turnusmäßigen Arbeitsgespräche hätten unter anderem dazu geführt. dass der RS3 in Bad Oeynhausen nun zügiger realisiert werden könne.

Auch beim RS1 verlief nach Angaben des Verkehrsministeriums zuletzt der Bau eines Teilstücks in Bochum schneller als erwartet. Dieser Abschnitt könne bereits im August für den Verkehr freigegeben werden.

Über dieses Thema berichten wir am Mittwoch (30.07.) auch im TV: Lokalzeit Ruhr ab 19:30 Uhr.

Unsere Quellen:

  • Pressetermin mit Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne)
  • Verkehrsministerium NRW

Weitere Beiträge zur Politik in NRW

1 / 2