Azubis im Elektrohandwerk erhalten kostenfreies Deutschlandticket | Aktuelle Stunde
00:23 Min.. Verfügbar bis 20.01.2028.
Eine Branche in NRW geht voran und ermöglicht ab Anfang Februar allen Auszubildenden die für sie weitgehend kostenfreie Nutzung des Deutschlandtickets. Das Pilotmodell wurde am Dienstag in Düsseldorf vorgestellt von NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne), dem Vorstandssprecher des VRR, Oliver Wittke und Vertretern der Fachverbände.
Damit erhalten ab Februar rund 11.000 Azubis des Elektrohandwerks ein Deutschlandticket. Alle Beteiligten hoffen, dass weitere Branchen dem Beispiel folgen werden. Insgesamt gibt es in NRW 270.000 Auszubildende. NRW-Verkehrsminister Krischer lobte die deutschlandweit einmalige Regelung, man sei damit "Vorreiter".
So funktioniert das Azubi-Deutschlandticket
Das Ticket wird ähnlich wie an den Unis und Hochschulen über ein Solidarmodell ermöglicht. Das heißt, alle erhalten das Ticket, auch diejenigen, die es kaum oder gar nicht nutzen. Darüber ist ein gewisser Absatz garantiert, der eine Reduzierung der Ticket-Kosten von 63 auf 37,80 Euro, also um 40 Prozent, ermöglicht. Der Differenzbetrag zum Normalpreis wird über Drittmittel finanziert. Die Kosten in Höhe von 37,80 Euro pro Azubi tragen die Arbeitgeber.
Aber so ganz geschenkt ist das Deutschlandticket nicht. Denn die Azubis finanzieren es quasi mit, weil die Einführung der Regelung Teil der Tarifverhandlungen in der Branche war. Ohne Ticket wäre die Tariferhöhung für die Auszubildenden höher gewesen. Ähnlich finanzieren Studierende über ihre Semesterbeiträge das Deutschlandsemesterticket mit. Bund und Land beteiligen sich zudem an den Kosten.
Ziel: Gleichwertigkeit von Ausbildung und Studium
Der Impuls für diese neue Regelung für Azubis ist von den Tarifparteien im Elektrohandwerk ausgegangen, wie Florian Hartmann, Hauptgeschäftsführer des Westdeutschen Handwerkkammertages berichtete. Das Azubi-Ticket sei ein wichtiger Baustein, um eine Gleichwertigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung zu schaffen.
Es sei Schülerinnen und Schülern, die ein Deutschlandticket nutzen, zudem kaum vermittelbar, warum sie in der Ausbildung wieder darauf verzichten müssen, beim Studium aber nicht, findet Hartmann.
Martin Böhm vom Fachverband Elektro- und Informationstechnische Handwerke NRW lobte die gute Zusammenarbeit mit der IG Metall, dem VRR, der die Koordination übernahm, und der Landesregierung, die eine Finanzierungslücke von 1,2 Millionen Euro überbrückt, bis es eine bundeseinheitliche Regelung gibt. Die soll noch in diesem Jahr kommen.
Hoffnung: Impulse für das Deutschlandticket
NRW-Verkehrsminister Krischer lobte das Deutschlandticket als Revolution in der Mobilität. Es werde aktuell von 14 Millionen Menschen in Deutschland genutzt, "aber da ist noch Luft nach oben". Um das volle Potenzial zu nutzen, sei die nun getroffene Vereinbarung wichtig. Sie soll Vorbild sein für weitere Branchen. Oliver Wittke vom VRR sagte, man sei in Geprächen mit dem Tischlerhandwerk, dem Bäckereihandwerk und der DEHOGA, also der Gastronomiebranche.
Wittke räumte aber auch ein, dass ein besseres Angebot seitens der Verkehrsträger nötig sei, um die Attraktivität des Deutschlandtickets zu steigern. Ein "deutlicher Ausbau des Angebots" sei nötig.
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz in Düsseldorf
- Pressemitteilung der am Pilotprojekt Beteiligten
Sendung: WDR 5, Nachrichten / Deutschlandticket für Azubis im Elektrohandwerk in NRW, 20.01.2026, 12:00 Uhr