Ministerin zum Start ins Schuljahr optimistisch: Alles wird besser

Stand:

Mehr Lehrkräfte, besserer Unterricht, Schulkinder, die sich wohlfühlen sollen: Schulministerin Feller ist zum Schulstart optimistisch. Lehrerverbände dagegen weniger.

Von Nina Magoley

Nächsten Mittwoch geht es für Schülerinnen und Schüler in NRW wieder los: Das neue Schuljahr beginnt. NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) stellte dafür am Freitag den "Schulkompass NRW 2030" vor.

Das Ziel: Mehr Schulkinder auf ein Leistungsniveau zu bringen, "das ihnen beste Zukunftschancen eröffnet". Gleichzeitig sollen weniger "an den grundlegenden Anforderungen scheitern". Auch "sozial-emotionale Kompetenzen" sollen gestärkt werden.

Ministerin Feller zählte auf, was der "Schulkompass" beinhalte. Wer die Schulpolitik des Landes NRW schon länger beobachtet, dem kam dabei allerdings einiges längst bekannt vor. So seien die "wichtigen Navigationspunkte" vor allem die "gezielte" Stärkung der Basiskompetenzen Lesen, Schreiben, Zuhören und Rechnen.

Richtige Rechtschreibung von Anfang an

Unter dem Titel "Richtig gut schreiben" sollen eine leserliche Handschrift und richtige Rechtschreibung von Anfang an geübt werden. Mit dem digitalen Tool "Skribi" sollen Kinder ab der 2. Klasse lernen, eigene Texte zu verfassen und Rechtschreibung einzuüben. Ab Herbst werde das Programm zunächst an 100 Grundschulen getestet, danach soll es - laut Feller noch im laufenden Schuljahr - allen Schulen kostenlos zur Verfügung stehen.

Alphabetisierung für Zuwanderer

Ein weiteres digitales Programm heißt "Mein Anfang auf Deutsch" und richtet sich an neu zugewanderte Kinder: Auch Gruppen mit gemischten Nationalitäten könnten damit Lesen und Sprechen lernen. "Viele Kinder müssen zunächst das lateinische Alphabet lernen, bevor sie überhaupt auf Deutsch lesen und schreiben können", so Feller. Das Programm werde erst in weiterführenden Schulen, dann in Grundschulen eingeführt.

Ministerin Feller: Feedback ohne Lehrerkritik | Bildquelle: WDR

Feller erläuterte auch noch einmal das Modell des "Schülerfeedbacks": Um einzelne Schulen besser zu machen, sollen Schülerinnen und Schüler mittels einer digitalen Abfrage Rückmeldungen geben vor allem zur Atmosphäre an ihrer Schule, zu Umgangsformen und Respektfragen: "Schüler sollen sich wohl fühlen und einen friedvollen Meinungsaustausch erleben." Kritik zu einzelnen Lehrkräften sei dabei ausdrücklich nicht vorgesehen.

Das Programm hatte die Ministerin bereits vor den Sommerferien vorgestellt:

So viele neue Kräfte wie Tecklenburg Einwohner hat

Zum Dauerthema Lehrermangel erklärte Feller, NRW sei "auf einem sehr guten Weg". Immerhin seien heute rund 9.500 "Menschen" mehr im Schulsystem als Ende 2022. Die Schulministerin zog einen kuriosen Vergleich zu ihrem Heimatort Tecklenburg - mit für Feller offenbar eindrucksvollen rund 9.100 Einwohnern: "So viele Menschen" - diese Zahl dürfe man nicht "kleinschätzen".

Kritik kam anschließend direkt vom Verband Lehrer NRW: Das Problem des Lehrkräftemangels werde sich künftig "noch erheblich verschärfen": Über 2.500 Lehrkräfte würden im Sommer 2026 von Grundschulen und weiterführenden Schulen abgezogen, um an Gymnasien versetzt zu werden. Das entspricht dem Plan des Schulministeriums, um die Umstellung auf das G9-Abitur zu schaffen: Im Frühjahr 2027 wird der erste G9-Jahrgang Abi machen. Dafür hat die Landesregierung derzeit 3.000 Lehrkräfte an Grundschulen "geparkt", um sie dann im Schuljahr 2026/27 an Gymnasien zu verschieben.

Lehrerverband fürchtet "neues Loch in der Personaldecke"

Lehrermangel führt zu Unterrichtsausfall | Bildquelle: WDR / Thomas Raupach

"Damit fallen an den Schulen der Sekundarstufe I auf einen Schlag rund 1.500 Lehrerinnen und Lehrer weg", sagte der Lehrer NRW-Vorsitzende Sven Christoffer. "Wir erwarten, dass die Landesregierung die einjährige Vorlaufzeit bis zum Schuljahresbeginn 2026/27 nutzt und rechtzeitig Konzepte vorlegt, wie diese Lücke adäquat geschlossen werden kann". Zu erwarten sei ein "neuerliches Loch in der Personaldecke". Vor dem Hintergrund müsse der "Schulkompass NRW 2030" noch einmal "auf den Prüfstand", fordert der Verband.

Schulministerin Feller klang dagegen ziemlich optimistisch: Vor allem an Grundschulen steige die Zahl der Lehrkräfte, erklärte sie kurzum, die Schere zwischen Bedarf und Bestand werde sich "in den 2030erJahren" schließen: "Wir haben das im Blick."

Studium praxisnäher

Ein weiterer Schwerpunkt im neuen Schuljahr: die Modernisierung der Lehrkräfteausbildung. Praxisnäher soll das Studium werden - "wir wollen, dass die Studierenden nicht nur über Schule reden, sondern Schule von Anfang an erleben". Die Staatsprüfung werde künftig bei der Abschlussnote den Prüfungstag nur mit 40 Prozent gewichten, während die kontinuierliche Langzeitbeurteilung mit 60 Prozent gewertet werden soll. Seiteneinstieger können sich künftig auch nur mit einem Fach statt, wie bisher, mit zwei Fächern bewerben.

Warum fühlen sich Kinder psychisch belastet?

Zur Frage nach einem Handyverbot an Schulen erklärte Feller, dass sie der Meinung sei, bei Kindern müsse vor allem die Medienkompetenz gefördert werden. Das sei "in den nächsten Monaten und Jahren" ein Schwerpunkt - aber nicht nur ein schulisches Thema. Untersuchungen hätten gezeigt, dass Schülerinnen und Schüler sich psychisch belastet fühlten. "Das muss ja irgendwo herkommen", sagte Feller, dem wolle sie auf den Grund gehen: "Wir gehen daran, zu gucken, was unsere Rolle dabei ist".

Verbände: Mehr Lehrkräfte statt mehr digitale Programme

Nicht nur Lehrer NRW, auch andere Fachverbände ärgern sich offenbar über die Darstellungen der Ministerin. Die von Feller gepriesenen digitalen Tools wie Skribi seien als Ergänzung hilfreich, weil sie Lehrkräfte entlasten könnten – aber sie seien "kein Ersatz für mehr Personal, kleinere Klassen und verbindliche Förderstrukturen", kritisierte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) NRW.

Auch der Philologenverband NRW lobt zwar die formulierten Ziele des Ministeriums, kritisiert aber ebenso, dass sich der Schulkompass so stark auf digitale Anwendungen stütze. "Wer im Schulkompass Ansätze zur Unterstützung oder Entlastung derjenigen sucht, die diesen Prozess durchführen, anleiten, auswerten, umsetzen und verantworten müssen, sucht diese bislang vergeblich", kritisierte Verbandsvorsitzende Sabine Mistler.

"Große Reformen und Veränderungen", mahnte Mistler, seien "ohne weitere Unterstützung für Lehrerinnen und Lehrer kaum denkbar".

FDP: "Kein Wort zum Unterrichtsausfall"

Für die FDP-Landtagsfraktion ist der Schulkompass NRW 20230 "mehr PR als Reform". Die schwarz-grüne Landesregierung wolle damit den Start ins neue Schuljahr 2025/2025 "als Aufbruch inszenieren", doch tatsächlich sei es "vor allem ein Zickzackkurs ohne Kompass, aber dafür mit viel Verwaltungslyrik". Das erklärte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Franziska Müller-Rech.

"Während täglich weiterhin hunderte Unterrichtsstunden ausfallen, feiert die Landesregierung die Einführung einer neuen Software zum Schreibenlernen", kritisierte Müller-Rech. "Ohne ausreichend Personal, moderne Ausstattung vor Ort und pädagogischen Freiraum helfen auch die besten Tools nicht weiter."

Warum manche Kinder nicht zur Schule gehen

18 Millionen. Der Podcast für Politik in NRW 22.08.2025 26:01 Min. Verfügbar bis 21.08.2030 WDR Online

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Quellen:

  • Pressekonferenz Schulministerin Feller am 22.08.2025
  • Statement Verband Lehrer NRW
  • Stellungnahme der FDP-Landtagsfraktion
  • Statement Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW (GEW NRW)
  • Statement Philologenverband NRW

Über dieses Thema berichten wir am 22. August 2025 auch im WDR Hörfunk: Westblick, 17.05 Uhr