Förderschulen spielen auch heute noch eine wichtige Rolle in der NRW-Schullandschaft. Im aktuellen Schuljahr haben laut dem Landesstatistikamt IT.NRW ungefähr 172.000 Schülerinnen und Schüler einen diagnostizierten Förderbedarf, im Schuljahr davor waren es noch 166.000. Diese Kinder und Jugendlichen haben einen Anspruch auf sonderpädagogische Förderung, entweder in einer Förderschule oder – im Rahmen der Inklusion – in einer Regelschule. Rund 90.000, das sind etwas mehr als die Hälfte dieser Kinder und Jugendlichen, besuchen eine der knapp 490 Förderschulen im Land. Dabei gibt es deutliche Unterschiede, je nach Art und Grad der Einschränkungen der Kinder.
Warum wir Förderschulen brauchen
18 Millionen. Der Podcast für Politik in NRW. 13.03.2026. 33:17 Min.. Verfügbar bis 12.03.2031. WDR Online.
Hilfen bei körperlichen und geistigen Einschränkungen
Es gibt Schülerinnen und Schüler, die nicht oder nur sehr schlecht sehen oder hören können. Andere haben motorische Probleme, also zum Beispiel Schwierigkeiten beim Laufen, Sitzen oder Festhalten. Sie besuchen mehrheitlich eine Förderschule. Doch ihr Anteil an der Gesamtzahl der Kinder mit Förderbedarf ist relativ gering.
Sehr viel größer ist die Zahl der Schüler mit geistigen Behinderungen, dazu gehören zum Beispiel Kinder mit Down-Syndrom/Trisomie 21 oder mit dem fetalen Alkoholsyndrom (Folgen von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft). Im vergangenen Schuljahr besuchten rund 28.000 Kinder und Jugendliche mit geistigen Entwicklungsstörungen eine Schule in NRW, auch hier geht die deutliche Mehrheit auf eine Förderschule.
Großer Zuwachs bei Lern- und Verhaltensproblemen
Anders ist die Situation bei Kindern mit einer Einschränkung in den Bereichen Sprache, Lernen sowie emotionale und soziale Entwicklung. Dazu gehören Kinder, die nicht gut sprechen können, die große Verhaltensprobleme haben oder erhebliche Lernschwierigkeiten. Insgesamt betraf das im vergangenen Schuljahr rund 110.000 Schülerinnen und Schüler in NRW, also den mit Abstand größten Teil der Kinder mit Förderbedarf. Etwas mehr als die Hälfte von ihnen wird im Rahmen der Inklusion unterrichtet, besucht also eine Regelschule. Knapp 50.000 gehen aber auf eine Förderschule.
Andere Bedingungen als an Regelschulen
An Förderschulen gibt es kleinere Klassen als an Regelschulen, mehr Lehrerinnen und Lehrer pro Kind und vor allem auch viele speziell ausgebildete Sonderpädagogen. Manche Förderschulen bieten eigene Abschlüsse an, viele führen ihre Schülerinnen und Schüler aber auch zu einem regulären Abschluss. Und längst nicht alle Kinder und Jugendlichen bleiben bis zum Ende ihrer Schullaufbahn an einer Förderschule, manche wechseln nach einigen Jahren (zurück) an eine reguläre Schule.
Welche Rolle Förderschulen in der NRW-Schullandschaft spielen sollen, darüber wird in der Politik inzwischen seit Jahrzehnten heftig gestritten. Denn auch wenn Familien einen Rechtsanspruch auf einen Platz an einer Regelschule haben, sind dort die Bedingungen häufig nicht gut genug, um den betroffenen Kindern die bestmögliche Förderung zu bieten. Deshalb entscheiden sich viele Eltern am Ende doch für eine Förderschule.
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung von IT.NRW zur Zahl der Schüler mit Förderbedarf
- Eigene Recherche
- Podcast "18 Millionen" zum Thema Förderschulen
- Interview mit Dirk Krist (VSF - Vereinigung der Schulleitungen der Förderschulen in den Förderschwerpunkten Lernen, Emotionale und soziale Entwicklung und Sprache)
Sendung: WDR.de Podcast "18 Millionen", 13.03.2026, 13:00 Uhr