Mangelhafte Lebensmittelkontrollen

Westpol 16.11.2025 28:31 Min. UT DGS Verfügbar bis 16.11.2030 WDR

Lebensmittelüberwachung in NRW mit Lücken

Stand:

In 48 Prozent der kommunalen Überwachungsämter fehlen Lebensmittelkontrolleure. Das zeigt eine Abfrage des WDR-Magazins Westpol.

Kreise und kreisfreie Städte sind in NRW für die Lebensmittelüberwachung zuständig. Westpol hat alle 50 Ämter angeschrieben und alle haben geantwortet. Danach ist nahezu jede zehnte Stelle für Lebensmittelkontrolleure nicht besetzt. Besonders in Großstädten gibt es Personalprobleme. Dort melden zwei Drittel der Ämter unbesetzte Stellen. In Essen zum Beispiel sind von 13 Planstellen vier vakant.

Weniger Kontrollen als vorgeschrieben

Das hat Folgen für die Kontrolldichte.  Ein Kontrolleur müsse sich um 600  Betriebe kümmern, da gestalte sich eine vollumfängliche Überwachung des gesamten Bezirks als schwierig, teilt ein Stadtsprecher dem WDR mit. Köln hätte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 8010 Routinekontrollen in Lebensmittelbetrieben durchführen müssen. Erfolgt waren aber nur 5718.  Eine Stadtsprecherin verweist darauf, dass seit 2022 neue Kontrollaufgaben hinzugekommen seien. "Die veränderten Rahmenbedingungen gingen nicht mit dem notwendigen Personalzuwachs einher“, so die Begründung aus Köln.

Deshalb fordert der Verband der Lebensmittelkontrolleure mehr Personal: "Für gute und sichere Lebensmittel sowie verbrauchernahe Produkte ist eine in den Behörden personell, finanziell und technisch gut gerüstete Lebensmittelüberwachung unabdingbar. Somit benötigt jede Überwachungsbehörde in NRW mehr Personal“, schreibt Manuel Klein, der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure auf WDR-Anfrage.

Landesweit mehr Verstöße festgestellt

Die Aufsicht über die Lebensmittelüberwachung liegt beim Landesamt für Verbraucherschutz und Ernährung NRW. Von dort heißt es: 2023 wurden 80.000 Betriebe in NRW kontrolliert – zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dabei waren in 7000 Betrieben Verstöße festgestellt worden – ein Zuwachs um 25 Prozent. Die allermeisten Gastrobetriebe würden sauber und ehrlich arbeiten, erklärt auch Martin Winkler von der Verbraucherschutzorganisation foodwatch. Aber "es gibt eben so einen Bodensatz an Schmuddelbetrieben, bei denen es immer wieder zu Verstößen kommt“.

Laboruntersuchungen auf fünf Standorte in NRW konzentriert

Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Rhein-Ruhr-Wupper Krefeld | Bildquelle: Martina Koch / WDR

Bei den Überprüfungen vor Ort nehmen die Lebensmittelkontrolleure regelmäßig Proben. Auch dafür gibt es gesetzliche Vorgaben. Untersucht werden diese dann in einem der fünf Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUA)  im Land, die jedem Regierungsbezirk zugeteilt sind. Nach dem Gammelfleischskandal 2005 hatte die damalige schwarz-gelbe Landesregierung die Zusammenlegung der vielen kleinen Labore veranlasst. Das habe eine Verbesserung gebracht, erklärt Frauke Dennig-Schmitz, Bereichsleiterin beim CVUA in Krefeld. "Einfach deshalb, weil wir jetzt in der Lage waren, in jedem Untersuchungsamt ausreichend Personal und auch Geld zu haben, um entsprechende Untersuchungen durchführen zu können“, so Dennig-Schmitz. Bei den kommunalen Überwachungsämter gebe es dagegen weiter einen Flickenteppich, kritisiert foodwatch. Die Verbraucherschutzorganisation fordert eine zentrale Behörde auf Landesebene.

Salmonelleninfektionen in Düsseldorf

Babu ist seit drei Wochen krankgeschrieben. Die Influencerin, die auch aus dem Realitiy-TV bekannt ist, hatte Ende Oktober im "Haus des Shawarmas“ in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofs gegessen und könnte sich dabei die Salmonelleninfektion geholt haben. Drei Dutzend bestätigte Salmonellenfälle bei Menschen, die im gleichen Zeitraum im gleichen Restaurant gegessen haben, lassen das vermuten. Noch laufen die Untersuchungen, heißt es von der Stadt Düsseldorf. Das Restaurant wurde vorläufig geschlossen. Der Betreiber Basel Madarati bedauert gegenüber dem WDR, dass einige Gäste gesundheitliche Beschwerden hatten. Nach jetztigem Stand vermute er, dass ein einzelner Mitarbeiter etwas Unzulässiges getan haben könnte, so Madarati.

Salmonelleninfektion nach Imbissbesuch: Babu erzählt ihre Geschichte

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Betrieb war bereits durch Hygienemängel aufgefallen

Sein Restaurant war bereits im Mai und September kontrolliert worden. Beide Male waren erhebliche Hygienemängel festgestellt worden, wie Mäusekot und Fliegenbefall oder stark beißender Geruch und verschimmelte Lebensmittel. Das ist nachzulesen auf der Webseite des Landes "lebensmitteltransparenz.nrw.de". Das Problem: Nur wenige kennen die Seite. Influencerin Babu wusste auch nicht, dass man im Internet nachgucken konnte, ob der Laden schon mal auffällig war oder nicht. Sie wünscht sich ein System, bei dem schon an der Tür zu erkennen sei, ob das Restaurant sauber sei.

NRW hat 2017 die Hygiene-Ampel abgeschafft

In NRW hatten 2017 die Grünen in der Landesregierung die Einführung einer Hygieneampel für Restaurants durchgesetzt. Allerdings wurde die nach dem Wahlsieg der CDU bei der Landtagswahl noch im gleichen Jahr wieder abgeschafft. Verbraucherschützer fordern seit Jahren volle Transparenz zum Schutz für Kunden und als Anreiz für Betriebe. Die schaffe man erst, wenn die Ergebnisse nicht irgendwo im Internet versteckt veröffentlicht werden, sondern einfach sofort direkt an der Landentür aushängen, so Andreas Winkler von foodwatch. So wie es in Dänemark der Fall ist. Und auch in New York seit 2010. Dort ist an jedem Gastro-Eingang mit A, B oder C kenntlich gemacht, wie die Behörden die Sauberkeit bewerten.

Die Grünen sind jetzt wieder in der Landesregierung. Die Landtagsfraktion sieht in bestimmten Bereichen, zum Beispiel der Schnellgastronomie, noch Bedarf für Verbesserungen, insbesondere bei der Transparenz. Informationen der Prüfungen müssten Restaurantbesuchern zum Beispiel über eine App zugänglich gemacht werden, teilt die Fraktion auf Anfrage mit. Das CDU-geführte Verbraucherschutzministerium hat Fragen des WDR zu möglichen Problemen bei der Lebensmittelüberwachung nur ausweichend beantwortet. Die oppositionelle SPD-Landtagsfraktion erwartet im nächsten Verbraucherschutzausschuss im Dezember dazu einen Bericht der Landesregierung.

Unsere Quellen:

  • 50 Kreise und kreisfreie Städte
  • Ministerium für Verbraucherschutz und Landwirtschaft NRW
  • foodwatch
  • eigene Recherchen

Darüber berichtet der WDR auch im Hörfunk sowie im Fernsehen, in der Sendung Westpol, am Sonntag, den 16.11.2025, ab 19:30 Uhr.