Die schwarz-grüne Landesregierung will mehr ausländische Lkw- und Busfahrer in NRW. "Wir wollen mehr Menschen den Weg in diesen Beruf öffnen - auch und gerade Menschen aus dem Ausland", sagte Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) am Donnerstag im Landtag. So solle die Fahrprüfung in acht Fremdsprachen angeboten werden.
Ein "Engpassberuf"
Berufskraftfahrer ist laut Bundesagentur für Arbeit ein sogenannter Engpassberuf. Ähnlich wie Pflegekräfte werden sie händeringend gesucht. Der Landtag debattierte am Donnerstag über das Thema. In den Fachausschüssen geht die Suche nach Lösungen weiter.
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne)
Der Fahrermangel sei "ein Risiko für Versorgungssicherheit, Mobilität und wirtschaftliche Stabilität", sagte Vize-Ministerpräsidentin Neubaur. NRW setzt sich deshalb auf Bundesebene für eine leichtere Anerkennung von ausländischen Führerscheinen ein. Die Ministerin betonte: "Verkehrssicherheit bleibt unverhandelbar."
Laut einem Antrag der Koalitionsfraktionen soll die Liste der Staaten erweitert werden, deren Fahrerlaubnisse anerkannt werden, um mehr ausländischen Fachkräften die Arbeit in Deutschland zu ermöglichen. Die Ausbildungszeit für Berufskraftfahrer soll außerdem verkürzt werden.
Knapp 80.000 Fahrer fehlen
Bundesweit fehlen rund 70.000 Lkw-Fahrer und etwa 7.700 Busfahrer. Das Durchschnittsalter der Fahrerinnen und Fahrer liegt bei über 50, während zu wenige junge Menschen in den Beruf nachrücken. Viele "Brummi"-Fahrer gehen bald in Rente. Das Problem verschärft sich also.
Um den Beruf attraktiver zu machen, müssten lange Fahrten "menschenwürdiger" werden, sagte die Grünen-Abgeordnete Ina Besche-Krastl. Dazu gehörten besser ausgestattete Rastplätze. Es gehe auch um mehr "Respekt", denn die Fahrer seien "systemrelevant", so Oliver Krauß (CDU).
Termindruck und Beschimpfungen als Teil des Jobs
"Mehr junge Menschen für den Beruf begeistern" will Julia Kahle-Hausmann (SPD). Als Gründe für fehlende Azubis führte sie die (oftmals zu schlechte) Bezahlung, Termindruck und mangelnde Familienfreundlichkeit des Jobs an. Hinzu kämen Stress durch fehlende Parkplätze und Beschimpfungen wegen "Elefantenrennen" auf den Straßen.
Einen Ausbau der Verkehrs-Infrastruktur forderte der Abgeordnete Christof Rasche (FDP), denn der Güterverkehr auf den Straßen nehme weiter zu. Der AfD-Abgeordnete Klaus Esser warnte vor "Crashkursen" bei der Ausbildung von Lkw-Fahrern.
Was die Gewerkschaft fordert
Die Vorschläge von Schwarz-Grün "gehen in die richtige Richtung", sagte Thomas Großstück, Logistik-Bereichsleiter bei der Gewerkschaft Verdi in NRW. Entscheidend seien "gute Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung". Der Gewerkschafter forderte unter anderem, dass öffentliche Aufträge nur an tarifgebundene Unternehmen vergeben werden, "um den Beruf langfristig attraktiver zu machen".
Auch die schwarz-rote Bundesregierung hat das Thema im Blick. In ihrem Koalitionsvertrag kündigten CDU/CSU und SPD an: "Dem Fahrermangel wirken wir entgegen durch eine Reform der Berufskraftfahrerqualifikation und attraktivere Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel gut ausgestatteten Lkw-Stellplätzen und besseren Kontrollen von Sozialstandards."
Unsere Quellen:
- Landtags-Debatte im Livestream
- Bundesagentur für Arbeit
- Verdi auf WDR-Anfrage
- Nachrichtenagentur dpa
- eigene Recherchen
