Der Trikottag ist eigentlich eine gute Idee des Landessportbundes. Einmal im Jahr ruft dieser auf, die Vielfalt im Sport zu zeigen - indem möglichst viele Menschen die Trikots ihrer Heimatvereine tragen. Dass damit wahrscheinlich der Breitensport gemeint ist, lassen wir mal außer Acht. Am Ende ist es dann doch wieder der alte Mix aus Bundesliga-Trikots.
Besonders am Tag vor dem Tag ist das im Landtag sichtbar. Bereits liefen da viele Parlamentarier im Trikot rum. Die reichweitenarmen Reels für die eigenen Insta-Kanäle müssen ja vorbereitet werden. Ehrlicherweise gilt dabei schon das Alemannia-Aachen-Trikot einer Grünen Parlamentarierin als exotisch. Selbst wenn diese noch vor Monaten auf die bekannten Probleme des Clubs verwies - die Aachener Fanszene gilt als sehr rechtsoffen, auch der Verein selber gibt in der Sache nicht immer ein gutes Bild ab.
Aber ansonsten regieren Gladbach, Schalke, Dortmund mit nem Schuss Bochum. Ich find‘s langweilig.
"Nicht das Leibchen des Feindes!"
Absurd wird es aber, wenn die oberste Regel des politischen Fußballs gebrochen wird. Die lautet nämlich: "Du sollst nicht tragen des Feindes Leibchen!" Wenn Politiker bei ihren Clubs nicht so moralisch flexibel sind, wie einst Ex-Kanzler Gerhard Schröder (Hannover, Dortmund, Cottbus - egal, Hauptsache Fußball), dann sollte man zu seinem Club stehen. Punkt!
Erinnert sei da nur an Hannelore Kraft, die niemals auch nur einen Zweifel daran lässt, dass Borussia Mönchengladbach mit Recht der beste Verein in NRW ist. Im Leben nicht wäre sie in ihrer Zeit als Ministerpräsidentin im Trikot dieses komischen Vereins mit Geißbock rumgelaufen. Auch einer ihrer Amtsvorgänger, Wolfgang Clement, war in seiner Haltung klar: Nur der VfL Bochum! Das dann halt um den Preis, dass notfalls der MP auch mal in die Kabine stürmte.
Jetzt ist das in NRW aber natürlich auch so heikel wie fast nirgendwo mit der fragilen Fußballseele. Es gibt ein fein verästeltes Konstrukt von Freund- und Feindschaften. So kuscheln zum Beispiel diese komischen Geißbock-Fans aus der vermeintlichen Olympia-Stadt halt gerne mit den Dortmundern. Und auf halbem Weg mag man dann zusammen Rot-Weiss-Essen. Zumindest ein wenig. Und dann ist klar: Man mag Schalke schon mal überhaupt nicht und erst Recht nicht Gladbach. Beruht übrigens auf Gegenseitigkeit, keine Sorge. (Bitte nicht fragen, was dieses "Fortuna" sein soll…)
Das empört Menschen!
Trotzdem gibt es jedes Jahr am Trikottag diese eine Person, welche die Fanseele maximal reizt. In diesem Jahr geht der Preis an SPD-Fraktionschef Jochen Ott. Der ist - wie Ministerpräsident Hendrik Wüst - Anhänger dieses seltsamen Clubs aus Köln-Müngersdorf. Und ja, man darf sich freuen, dass Schalke aufgestiegen ist. So als Gegner.
Was jedoch nicht geht: Sich dann im Schalke-Trikot auf den eigenen Social-Media-Kanälen präsentieren. Das empört Menschen und ist ein klarer Bruch der oben genannten Regel.
Aber gut: Jochen Otts Bekanntheitswerte als SPD-Spitzenkandidat sind noch gering. Vielleicht kennen ihn jetzt ein paar wütende Schalker (und Gladbacher) mehr… Immerhin.
Unsere Quellen:
- Instagram der SPD-Fraktion im Landtag
- Eigene Recherche
Sendung: WDR 5, Westblick, Der Schalke-Skandal um Jochen Ott, 13.05.2026, 17:05 Uhr
