Jochen Ott (M), Spitzenkandidat der SPD für die Landtagswahl, steht neben Sarah Philipp (l) und Achim Post (r), beide Landesvorsitzende, während einer Pressekonferenz.
Jochen Ott ist keine Überraschung - das wäre aber Sarah Philipp auch nicht gewesen. Beide hatten ihre Ambitionen hinterlegt, vor allem die Duisburgerin. Aber am Ende gab es eine Mehrheit für Ott; ein zunächst völlig normaler und demokratischer Vorgang in einer Partei.
Moderne Bildungspolitik und harte Worte
Damit legt sich die SPD nicht nur auf eine Person, sondern auch auf eine Leitlinie fest. Zumindest in der Ansprache: Ott ist angriffslustig, für manche sogar zu sehr. Aber der gelernte Lehrer steht für ein offenes, hartes Wort. Er repräsentiert auch eine moderne Bildungspolitik. Er wird den populären Amtsinhaber Hendrik Wüst von der CDU nicht mit Kritik verschonen. Vor allem, weil Ott sich so einem breiteren Publikum bekannt machen muss. Auch daran krankt es beim SPD-Spitzenpersonal im Land - man kennt es so gut wie nicht. Das galt auch für Sarah Philipp.
Was jedoch nicht zur Wahl stand: eine inhaltliche Kursbestimmung. Keiner der beiden hätte was am inhaltlichen Kurs geändert: Im Landesvorstand herrscht schon lange Konsens, wieder breitere Schichten in der Bevölkerung ansprechen zu müssen. Bei der Landtagswahl 2022 hat man vor allem ans Lager der Nichtwählerinnen Stimmen verloren. Diese zurückzuholen wird die sehr große Aufgabe sein.
In der von Ott geführten Fraktion im Landtag hat man deshalb unlängst das Leitbild "Family First" ausgegeben. Die sollen entlastet werden, vor allem die Frauen: Von Sorgen vor der geschlossenen Kita, von der Einsamkeit bei der Pflege der Eltern, von analogen Ämtern und von einem zu komplexen Bildungssystem mit zu vielen Schulformen. Und bei den großen Fragen zu Arbeit, Industrie und Energie will die Partei Antworten für die breite Gesellschaft bieten. Ott wie Philipp stehen beide für diesen Kurs, nur halt mit unterschiedliche Stilformen.
Das SPD-Haifischbecken
Allerdings bleibt ein gewisser Beigeschmack: Je näher es auf die Kür zuging, desto mehr war die SPD wieder das, was sie im Negativen nur allzu oft ausgemacht hat: Ein Haifischbecken. Bis zuletzt wurden Namen anderer Kandidaten genannt und zahlreiche Chatnachrichten geschrieben, mit denen Einfluss genommen werden sollte. Es gab gewisse Kreise, die Sarah Philipp auf diese Weise dokumentieren wollten, dass man sie nicht will.
Die vergangenen Tage waren entsprechend unruhiger als erwartet und entfernten sich vom so oft beschworenen Team, welches man seit ein paar Jahren an der SPD-Spitze sein will. Zumindest haben sich Ott wie Philipp daran nicht beteiligt. Beide sind halbwegs fair miteinander umgegangen.
Dennoch hat die Co-Chefin der Partei ein gewisses Misstrauensvotum bekommen. Am Ende ist sie im Amt geschwächt. Und das ist es, was an dieser Nominierung haften bleibt: Wenn die SPD in den Umfragen nicht die Kurve kriegt, wird dieser Umgang mit der Landeschefin sicher noch einmal nachwirken.
Sendung: WDR 5, 24.01.2026 / Morgenecho, 24.01.2026, 06:05 Uhr
