KI-Assistent für Lehrer in NRW | WDR aktuell
WDR. 00:27 Min.. Verfügbar bis 16.06.2028.
Briefe an Eltern, rechtliche Fragen bei Problemen, die geklärt werden müssen, die sichere Vorbereitung von Klassenfahrten: Schulleitungen beklagen sich schon seit Jahren über einen hohen Verwaltungsaufwand. Eine KI soll ihnen jetzt die Arbeit erleichtern. Schulministerin Dorothee Feller (CDU) stellte am Dienstag vier neue KI-Assistenzen vor, die ab sofort nutzbar seien.
AIS.chat heißt das Programm, das im Schulministerium speziell für die Bedürfnisse von Schulleitungen und auf den rechtlichen Grundlagen für NRW entwickelt wurde. Schulleiterinnen können sich damit beispielsweise helfen lassen, einen Brief an Eltern zu formulieren, deren Kind oft nicht zum Unterricht kommt. Wahlweise kann der Text in leichte Sprache oder auf Ukrainisch übersetzt werden.
Prompt-Vorschläge zum Thema Klassenfahrt
"Menschen müssen selber denken": NRW-Schulministerin Feller
Ein anderes Beispiel, das Ministerin Feller bei der Vorstellung der KI-Assistenten zeigte: Ein Kind will oder soll nicht mit auf Klassenfahrt. Schulleitungen bekommen dann ausführliche Prompt-Vorschläge, die auch die rechtlichen Vorschriften zu dem Thema beinhalten - einschließlich freundlicher Formulierungsvorschläge.
"Die KI ersetzt nicht eine Rechtsberatung", erklärte Feller, dazu, "der Mensch muss immer noch selber denken". Dennoch könne diese Anleitung und ein Entwurf für den Brief an die Eltern eine zeitliche Entlastung sein "und Sicherheit geben".
Ein weiterer KI-Assistent zielt auf das Thema "sprachsensibler Unterricht" ab und soll Infos für Arbeitsgruppen oder pädagogische Leitfäden erstellen. Es könnten damit bestehende Medienkonzepte weiterentwickelt und Lehrmaterial analysiert werden.
KI-Assistenten ab sofort abrufbar
AIS.chat arbeitet nach Angaben des Ministeriums mit verschiedenen KI-Quellen - darunter Chat GPT, Open AI, Llama und Mistral. Das System sei aber geschlossen, auch lasse sich die Websuche ausstellen. Sprachmodelle würden nicht trainiert, sagte Birte Güting, Expertin für Digitales Lernen im NRW-Schulministerium. Das diene der Datensicherheit. "Deshalb müssen wir diese Modelle immer mal wieder austauschen, damit sie nicht veralten."
Die neuen KI-Assistenzen seien ab sofort abrufbar, versicherte Feller. Für die Benutzung müssten Schulleitungen und Lehrkräfte allerdings vorher einen Einführungskurs online absolvieren, der etwa eine Stunde Zeit erfordere.
Eine deutschlandweit durchgeführte Studie der Wübben-Stiftung Bildung hatte kürzlich ergeben, dass Schulleitungen mehr als 40 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Verwaltungsaufgaben zubringen müssten. Für Teamkommunikation oder Lehrpläne bliebe zu wenig Zeit.
Die SPD in der Opposition reagierte am Dienstag dennoch prompt mit Kritik: Die vorgestellten Maßnahmen seien "längst überfällig" und "keine Antwort auf die strukturellen Herausforderungen unseres Bildungssystems", erklärte Dilek Engin, schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. Während die Herausforderungen immer größer würden, verliere sich die Landesregierung "im Kleinklein".
Die zentralen Fragen dagegen blieben unbeantwortet, so Engin: "Wie will die Landesregierung den Lehrkräftemangel bekämpfen? Wie sollen Schulleitungen dauerhaft entlastet und die pädagogische Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen gestärkt werden?"
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen KI-Assistenzen für Schulleitungen am 16.06.2026
- "Schulleitungsmonitor Deutschland 2025" der Wübben Stiftung Bildung
- Stellungnahme der SPD-Landtagsfraktion
Sendung: WDR.de, KI-Helfer sollen Lehrkräfte entlasten, 16.06.2026, 12:46 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 16.06.2026, 16:00 Uhr