Hitze in Städten: Begrünung und hitzresistente Bäume

Aktuelle Stunde 12.06.2025 34:31 Min. UT Verfügbar bis 12.06.2027 WDR

Bauministerium erleichtert: "Keine hohe Hitzebetroffenheit" in NRW

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Das NRW-Bauministerium sieht sich durch den "Hitze-Check" der Umwelthilfe entlastet: Es gebe "keine hohe Hitzebetroffenheit" in NRW. Notwendigkeit für eine Änderung der Landesbauordnung sieht man hier nicht.

Von Nina Magoley

Tatsächlich kommt NRW beim "Hitze-Check" der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ganz gut weg: Erst auf Platz 37 der am meisten benachteiligten Städte taucht mit Euskirchen die erste NRW-Kommune auf. Der "Hitzebetroffenheitsindex" liegt hier bei 16,06, das gilt im Gesamtranking als "durchschnittlich".

Die grünsten Städte bundesweit sind demnach Witten, Gummersbach und Hattingen. Köln liegt mit einem Index von 15,98 in der Werte-Ampel der DUH im gelben Bereich.

Sämtliche Ergebnisse des "Hitze-Checks" mit NRW-Karte könnt Ihr hier nachlesen:

Von der DUH bekommt NRW sogar Lob: Viele Kommunen seien dabei, eigene Konzepte zu entwickeln, um ihre Bewohner vor den Gesundheitsbelastungen durch extreme Hitzesommer zu schützen. So will etwa Düsseldorf die Zahl der Trinkwasserbrunnen mehr als verdoppeln. Die Standorte der Brunnen werden über eine digitale Karte angezeigt, die auch den Weg zu kühlen Orten wie Kirchen, klimatisierten Museen oder Bademöglichkeiten weist.

Außerdem gibt es in Düsseldorf Entsiegelungsprojekte und ein Förderprogramm für Dach-, Fassaden- und Innenhofbegrünung.

Städte entwickeln Hitzeaktionspläne

Nach Angaben des Landeszentrums Gesundheit NRW haben inzwischen 14 Städte in NRW eigene Hitzeaktionspläne. Darunter Dortmund, Köln, Hilden oder Münster, aber auch kleinere Kommunen wie Attendorn, Leichlingen, Werl oder Bad Lippspringe.

Eine vertrocknete Wiese im Sommer

Köln: Ausgedörrte Parkwiesen im Sommer

Im August 2022 hatte das Land zwei Millionen Euro zur Förderung solcher Hitzeaktionspläne bereitgestellt. Wenig später legte das Umweltministerum weitere fünf Millionen Euro auf zur Förderung der Klimawandel-Vorsorge in Kommunen. Damit sollten beispielsweise Dach- und Fassadenbegrünungen gefördert werden oder die Entsiegelung und Bepflanzung von Schul- und Kitageländen.

"Die Mittel wurden gänzlich abgerufen", sagte das NRW-Umweltministerium am Donnerstag auf Nachfrage.

Teils Info, teils konkrete Maßnahmen

Der Umfang der Hitzeaktionspläne ist von Kommune zu Kommune sehr unterschiedlich: So steht auch den Dortmundern eine "Kühle Orte Karte" mit Schattenplätzen und aktuell 33 Trinkbrunnen bereits zur Verfügung. Außerdem gibt es die Informationsbroschüre "Der Hitzehelfer" und Infoveranstaltungen für Senioren.

Zusammen mit der Ruhruni Bochum entwickelt die Stadt das Projekt "Data2Resilience": Messdaten aus dem gesamten Stadtgebiet werden zur Beobachtung und Vorhersage von Hitze ausgewertet. Damit soll die Stadt besser planen und Bürger mit einbeziehen können.

Kölsche Band singt "Drinke"

In Köln fokussiert sich der Hitzeaktionsplan bislang auf die älteren Einwohner: Ganz oben auf der Internetseite zum "Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter" hat die Stadt ein Video platziert, in dem eine kölsche Band das Lied "Drinke" performt. Darin werden in kölscher Sprache Maßnahmen zum Schutz vor sommerlicher Hitze beschrieben.

In einer Befragung in ausgewählten Stadtteilen hatte die Stadt außerdem eruiert, über welchen Weg Menschen über 65 Hitzewarnungen empfangen. 82 Prozent nannten das Radio als Hauptinformationsquelle, nur 13 Prozent suchten Hitzewarnungen über Apps auf dem Smartphone.

Umwelthilfe: "Infos alleine reichen nicht aus"

Der DUH gehen viele dieser Hitzeaktionspläne noch nicht weit genug. Zu oft beschränkten sie sich im Wesentlichen auf Sensibilisierung und Verhaltenstipps. "Doch Informationen allein reichen nicht aus, um die Bevölkerung vor Überhitzung zu schützen", sagt DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz auf WDR-Anfrage. "Wir fordern verbindliche Maßnahmen, die die Städte widerstandsfähiger gegen Hitzeperioden machen."

Dazu gehörten verpflichtende Anteile sogenannter "grüner und blauer Infrastruktur" – etwa schattenspendende Bäume, grüne Dächer und Wasserflächen – die in der Stadtplanung fest verankert werden müssten. "Besonders vulnerable Gruppen wie Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeeinrichtungen, Schülerinnen und Schüler sowie Kinder in Kitas, benötigen gezielten Schutz vor Hitze", so Metz.

An die Politik richtet die DHU eine klare Forderung: Bauministerien sollen "verbindliche Mindestgrünanteile auf jedem Grundstück, Gebäude und im öffentlichen Raum" festlegen und Vorgaben machen "etwa in Form eines Grünflächenfaktors im Baugesetzbuch und in allen Landesbauordnungen".

Bauministerium sieht Landesbauordnungen als ausreichend

Das NRW-Bauministerium verweist auf WDR-Anfrage auf die Landesbauordnung. Dort seien entsprechende Regelungen "bereits umgesetzt", erläutert ein Sprecher. Doch das Gesetz enthält lediglich knappe Vorgaben. Unter Paragraf 8 heißt es, dass "nicht überbaute Flächen der bebauten Grundstücke" als Grünflächen zu gestalten seien - mit wasseraufnahmefähigen Oberflächen und Bepflanzung. Schottergärten oder Kunstrasen sind verboten.

Außerdem weist der Sprecher noch auf die EU-Naturwiederherstellungsverordnung hin. Demnach müssen alle Mitgliedstaaten bis zum 31. Dezember 2030 sicherstellen, dass "kein Nettoverlust an der nationalen Gesamtfläche städtischer Grünflächen und städtischer Baumüberschirmung gegenüber 2024 zu verzeichnen ist".

Statt einem Mehr an Grünplanung geht es also um Erhalt des Ist-Zustands. Deutschland befinde sich "in der Vorbereitung für die Umsetzung", außerdem sollen "EU-weit 3 Milliarden Bäume gepflanzt werden", erklärt der Sprecher des NRW-Bauministeriums.

"Keine hohe Hitzebetroffenheit" in NRW

So wenig Handlungsbedarf in NRW, kein "Grünflächenfaktor" in der Landesbauordnung notwendig? Das Bauministerium unter Ministerin Ina Scharrenbach (CDU) sieht sich offenbar durch die DUH-Analyse sogar entlastet: "In keiner der einbezogenen nordrhein-westfälischen Städte und Gemeinden ergibt sich eine hohe Hitzebetroffenheit", stellt der Sprecher fest. Das sei "auch Ergebnis einer engagierten Stadtentwicklungspolitik, die Anpassungen an den Klimawandel ernst nimmt".

Quellen:

  • DUH Hitze-Check
  • Landeszentrum Gesundheit NRW
  • Infos und Statement aus dem Umweltministerium NRW
  • Statement Deutsche Umwelthilfe
  • Statement Bauministerium NRW
  • Landesbauordnung NRW

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