Handyverbot an NRW-Schulen?
Aktuelle Stunde . 27.08.2025. 26:47 Min.. Verfügbar bis 27.08.2027. WDR. Von Dorothea Schluttig.
Es ist mal wieder soweit: Ein neues Schuljahr beginnt und damit auch in vielen Schulen die Diskussion ums Handy. In Hessen ist das Geschichte, dort sind Handys an den Schulen seit diesem Schuljahr verboten und müssen in den Taschen bleiben.
In NRW will Schulminister Feller (CDU) kein generelles Handyverbot. Stattdessen soll jede Schule selbst entscheiden, ob und wenn ja, in welchen Situationen Handys gestattet sind.
So wie in der Gesamtschule Wulfen in Dorsten: Dort haben Schüler, Lehrer und Eltern bereits 2022 eigene Regeln aufgestellt und jetzt nochmal überarbeitet.
Handy teilweise erlaubt
Das Handy ist da im Unterricht nur erlaubt, um auf die Uhr und den Stundenplan zu schauen oder Infos zu recherchieren. Außerhalb der Klasse - also in Pausen oder Freistunden - dürfen die Schülerinnen und Schüler mit dem Smartphone Musik hören, um sich zu entspannen - mehr nicht.
Schulleiter Hermann Twittenhoff der Gesamtschule Wulfen in Dorsten
"Nicht erlaubt ist Social Media. Das trägt in die Schule sehr viel Unruhe, davon grenzen wir uns sehr deutlich ab. Die Schule ist ein geschützter Raum. Dazu gehört, dass Jugendliche lernen, bestimmte Dinge sein zu lassen", sagt Schulleiter Hermann Twittenhoff.
Doch wer kontrolliert das? Das obliegt den Lehrerinnen und Lehrer. "Sie müssen ein Augenmaß dafür entwickeln. Vieles ist Erfahrung", sagt Twittenhoff. Es gehe nicht darum, Konflikte zu suchen, sondern im erzieherischen Gespräch auf die Schülerinnen und Schüler einzuwirken, um einen gemeinsamen Weg zu finden.
Es geht nicht um Kontrolle der Kontrolle willen. Hermann Twittenhoff, Leiter der Gesamtschule Wulfen in Dorsten
Nur selten käme es zu Streitigkeiten. Bei deutlichen Verstößen gegen die Regeln, die die Schüler selbst mit aufgestellt haben, wandert das Handy im schlimmsten Fall für den Rest des Tages in seinen Safe. Nach Schulschluss kann es wieder abgeholt werden.
In Frankreich, den Niederlanden, Australien und Belgien gilt bereits ein Smartphone-Verbot an Schulen. Hessen ist erste Bundesland, das ein solches generelles Verbot seit diesem Schuljahr auch in Deutschland umsetzt. Auch in Bremen müssen bis zur 10. Klasse alle Smartphones in der Schule aus bleiben.
Kein striktes Handyverbot in NRW
NRW-Schulministerin Dorothee Feller
So weit will NRW-Schulministerin Dorothee Feller nicht gehen. Schon im Frühjahr hatte sie klargestellt, dass sie ein landesweites Handyverbot - verordnet von ganz oben - für NRW nicht will.
"Wir haben kein Verbot ausgesprochen, weil wir es für wichtig halten, auch in Rücksprache mit Wissenschaftlern einen kooperativen Weg an den Schulen zu gehen", sagte Feller im März.
Dabei können sich die Schulen an der Muster-Handyordnung des Ministeriums orientieren. Darin steht zum Beispiel der Satz: "Während des Unterrichts müssen digitale Geräte ausgeschaltet oder im Flugmodus sein."
An der Europaschule Dortmund bleibt das Handy aus
Schulleiter Jörg Girrulat von der Europaschule in Dortmund
So machen sie es seit einem Jahr bereits an der Europaschule in Dortmund: Dort gibt es seit einem Jahr eigene Handynutzungsregeln, weil die Schülerinnen und Schüler vor allem in den Pausen kaum mehr miteinander gesprochen haben. Jetzt muss das Handy aus sein und in der Tasche verschwinden, sobald sie das Gelände betreten.
Aus Sicht von Schulleiter Jörg Girrulat hat sich eine ganze Menge geändert - vieles zum Vorteil. "Seitdem wir das machen, könnenn sich viele Schülerinnen und Schüler besser auf den Unterricht konzentrieren. Auch die Störfälle sind weniger geworden. Der Unterrichtsalltag hat sich für alle verbessert."
Wann immer seine Kolleginnen und Kollegen jemanden mit Handy erwischen, ziehen sie es zeitweise ein. Das sei laut Schulgesetz erlaubt. "Am Anfang dachten wir, dass das ein Riesenproblem wird", sagt Girrulat. Die Anfangsphase sei auch schwierig gewesen, weil nicht jeder Schüler dachte, dass die Lehrkräfte das wirklich ernst meinen.
"Inzwischen gibt es nahezu kein Problem mehr." Am Tag müssen sie im Schnitt noch etwa fünf Handys einkassieren. "Das ist sehr wenig, wenn man bedenkt, dass wir 1.200 Schüler haben", sagt Jörg Girrulat.
"Handyfreie Schule" in Bielefeld
Etwas anders handhabt es die Gesamtschule Rosenhöhe in Bielefeld. Sie hat sich selbst zur "handyfreien Schule" erklärt. Dafür legen die Schülerinnen und Schüler ihre Handys morgens klassenweise in sogenannte "Handyhotels". Am Ende des Schultages bekommen sie sie wieder.
Solinger Schulen verbannen Social Media
An Solinger Schulen beginnt heute ein Modellprojekt, das bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Fünftklässler sollen auf ihren Handys keine Sozialen Medien wie Instagram, TikTok etc. nutzen. Und das nicht nur in der Schule, sondern auch zuhause.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Schulleiter Jörg Girrulat
- WDR-Interview mit Schulleiter Hermann Twittenhoff
- Schul- und Bildungsministerien der Länder
- Nachrichtenagentur dpa
- WDR-Berichterstattung im März über Handyverbote