Die Grundsteuer-Reform sollte eigentlich kein heimlicher Griff in die Kasse von Mietern und Hausbesitzern werden: Städte und Gemeinden sollten nach der Reform ungefähr so viel einnehmen wie vorher, auch wenn sich die Rechnung für einzelne Eigentümer und Mieter ändern kann. Neue Zahlen aus NRW zeigen jetzt: Im Landesschnitt hat das weitgehend geklappt, aber in manchen Kommunen gibt es deutliche Ausreißer.
So sieht es in den Kommunen NRWs aus
Unsere Karte zeigt, wie sich die Einnahmen aus der Grundsteuer B 2025 im Vergleich zu 2024 verändert haben. Werte über 100 Prozent bedeuten: Die Kommune hat mehr eingenommen als vor der Reform. Werte unter 100 Prozent bedeuten: Die Einnahmen sind gesunken.
Vielerorts sind die Grundsteuer-Einnahmen demnach gesunken - teils sehr deutlich. Prozentual gesehen gingen die Einnahmen in Meinerzhagen am deutlichsten zurück, in Monheim sind sie am deutlichsten gestiegen.
Warum es vor allem um die Grundsteuer B geht
Die Grundsteuer ist eine Steuer auf Grundbesitz - also auf Grundstücke, Häuser, Wohnungen und Betriebe der Land- und Forstwirtschaft. Weil nicht jeder Grundbesitz gleichbehandelt wird, wird die Grundsteuer aufgeteilt: Die Grundsteuer A gilt für land- und forstwirtschaftliche Flächen. Die Grundsteuer B betrifft bebaute und unbebaute Grundstücke - also etwa Wohnhäuser, Eigentumswohnungen, Geschäftsgrundstücke oder gemischt genutzte Immobilien. Sie macht den weitaus größten Anteil an den Grundsteuern aus.
Zahlen müssen sie grundsätzlich die Eigentümerinnen und Eigentümer. Bei vermieteten Wohnungen kann sie aber über die Betriebskosten auch bei Mieterinnen und Mietern ankommen. Das Geld fließt direkt an die Städte und Gemeinden, die damit Schulen, Kitas, Straßen, Brücken, Schwimmbäder oder Bibliotheken finanzieren.
Wo die Einnahmen besonders stark gesunken sind
Köln nahm 2025 rund 26,21 Millionen Euro weniger ein. In Mülheim an der Ruhr, Leverkusen und Duisburg waren es jeweils rund 12 Millionen Euro minus. Für manche Eigentümerinnen und Eigentümer kann das niedrigere Bescheide vom Finanzamt bedeuten. Für die Stadtkassen ist es dagegen ein Problem: Dort fehlt Geld, das fest eingeplant war.
Duisburg etwa hatte eigentlich mit höheren Einnahmen aus der Grundsteuer gerechnet. Deshalb hat der Rat der Stadt bereits einen höheren Grundsteuer-Hebesatz für Wohngrundstücke beschlossen. Auch in Leverkusen soll die Grundsteuer ab 2026 wieder steigen. Über entsprechende Pläne will der Rat der Stadt im Juli abstimmen.
Insgesamt beliefen sich im vergangenen Jahr die Einnahmen bzw. Einzahlungen aller Städte und Gemeinden in NRW aus der Grundsteuer auf 4,08 Mrd. Euro. Das ist etwas weniger als 2024. Damals wurden von allen Kommunen 4,28 Mrd. Euro eingezahlt.
Grundsteuer C: Kaum genutzt gegen Bauland-Spekulation
Neben den Grundsteuern A und B wurde 2025 auch die Grundsteuer C eingeführt: Gemeinden können damit für baureife, aber unbebaute Grundstücke einen höheren Hebesatz festlegen. Dadurch sollen Spekulation mit Bauland unattraktiver und Anreize geschaffen werden, dass auf solchen Flächen tatsächlich gebaut wird. 2025 haben nur drei Kommunen Einnahmen aus der Grundsteuer C verbucht: Monheim (591.617 Euro), Brüggen (162.121 Euro) und Hamminkeln (146.817 Euro).
Den größten Anteil an den Grundsteuerarten hat weiter die Grundsteuer B. Landesweit lag ihr Anteil 2025 bei 99 Prozent an allen Grundsteuerarten. In Köln, Herne, Oberhausen, Siegen und Hilden lag ihr Anteil sogar bei 100 Prozent. Nur in vier Kommunen lag der Grundsteuer-B-Anteil unter 90 Prozent: Borgentreich (86,7%), Vettweiß (87%), Titz (87,3%) und Willebadessen (89,6%).
Unsere Quellen:
- Statistikamt IT-NRW
Sendung: WDR.de, Grundsteuer: So haben sich die Einnahmen in NRW entwickelt, 08.05.2026, 10:48 Uhr
