Hände eines Mannes liegen auf seinem Schoß. Im Hintergrund ist ein Spielautomat zu sehen.

Wie NRW das Glücksspiel stärker regulieren will

Stand:

Sportwetten, Onlinespiele, Automaten - Glücksspiele gibt es viele. Die Politik ringt (wieder einmal) um neue Regeln und Verbote. Die SPD im Landtag warnt vor Lockerungen beim Schutz von Kindern und Jugendlichen in NRW.

Am bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht wird über eine stärkere Regulierung von Sportwetten und Automatenspielen debattiert. "An einigen Stellen" weise der geltende Glücksspielstaatsvertrag "Lücken auf", sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete Simon Rock am Mittwoch. Er befürwortet härtere Maßnahmen gegen illegale Onlineangebote.

Seit einem Grundsatzurteil des Bundesverfassungsgerichts von 2006 ringen die Bundesländer regelmäßig mit dem Thema. Denn die Gesetzgebung für Sportwetten, Spielautomaten und kostenpflichtige Online-Daddelei ist in Deutschland weitgehend Ländersache. Bundesweit gilt Paragraf 284 des Strafgesetzbuchs: "Wer ohne behördliche Erlaubnis öffentlich ein Glücksspiel veranstaltet oder hält oder die Einrichtungen hierzu bereitstellt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft."

Glücksspiel in NRW: Anstieg der unerlaubten Webangebote

2021 hatte der NRW-Landtag einem Kompromiss der Bundesländer zugestimmt. In dem Glücksspielstaatsvertrag definierten die Länder ein Regelwerk. Durch die Reform sollte es zum Beispiel nicht mehr möglich sein, anonym zu wetten. Geschaffen wurde auch eine zentrale Glücksspiel-Behörde für alle Länder.

Politischer Umgang mit Glücksspiel

WDR 5 Westblick - aktuell 24.09.2025 05:19 Min. Verfügbar bis 24.09.2026 WDR 5

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Die staatlichen Regulierungsversuche sind nicht durchweg erfolgreich. Der Deutsche Sportwettenverband (DSWV), also der Lobbyverband der legalen Anbieter, warnte bereits im Sommer, der Zuwachs unerlaubter Angebote im Netz sei ein "Warnsignal". Die Glücksspielbehörde der Länder wiederum verbreitete vermeintliche Erfolgsmeldungen über Netzsperren gegen illegale Seiten. Doch zugleich musste die Behörde einräumen, dass die Zahl der unerlaubten Onlineanbieter im letzten Jahr bundesweit zugenommen hat.

Die Innenminister der Länder wollen mit einem reformierten Staatsvertrag nun unter anderem erreichen, dass illegale Glücksspiel-Internetseiten zügiger geblockt und entfernt werden können. "Dass es Veränderungen am Glücksspielstaatsvertrag geben muss, ist grundsätzlich Konsens, aber bei 16 verschiedenen Bundesländern gibt es unterschiedliche Auffassungen über Detailregeln", sagte der Grünen-Politiker Rock.

Laut einem Sprecher des NRW-Innenministeriums soll noch die Meinung der Länder-Datenschutzbeauftragten eingeholt werden. Eine Einordnung der Innenminister-Pläne findet sich auf dem Blog des Instituts für Glücksspiel und Gesellschaft der Ruhr-Universität Bochum.

Kritik an NRW-Plänen zum Thema Glücksspiel

Im NRW-Landtag liegt schon seit 2024 ein Gesetzentwurf des Innenministeriums, der die Ausführungsregeln für das Glücksspiel in Nordrhein-Westfalen aktualisieren soll. Dabei geht es zum Beispiel darum, wie groß die Distanz von Wettbüros und Spielhallen zu Schulen sein muss. Die Bundesländer haben hier im Detail unterschiedliche Regeln - mal messen sie von "Tür zu Tür", mal gilt die Luftlinie. Das geltende NRW-Gesetz gibt es hier.

Am Änderungsentwurf in NRW gibt es Kritik. Die SPD im Landtag warnt vor Lockerungen des Mindestabstands zwischen Wettbüros und Sportstätten. Auch eine geplante Ausnahmeregelung beim Abstand zu Schulen sehen die Sozialdemokraten kritisch. "Die stetige Aufweichung restriktiver Regelungen macht uns große Sorgen. Man darf nicht nur den wirtschaftlichen Faktor berücksichtigen, sondern muss auch die Gesundheit der Menschen im Blick behalten." Die SPD will zudem mehr Suchtprävention bei Ingaming und Lootboxen – kostenpflichtige Schatzkisten bei Onlinegames –, um Kinder und Jugendliche zu schützen.

Die Novelle des Ausführungsgesetzes in NRW stehe in keinem Zusammenhang mit der Beschlussfassung über den Änderungsstaatsvertrag, betonte ein Sprecher des Landesinnenministeriums. Beim Staatsvertrag gehe es um Kompetenzen der Glücksspielbehörde der Länder, beim NRW-Gesetz um Änderungen "vereinzelter Ausführungsbestimmungen".

Leichter Rückgang bei den Spielhallen

Während junge Menschen eher online spielen, bevorzugen ältere Spieler stationäre Wettbüros und Spielstätten. In NRW verzeichnete die Landesfachstelle Glücksspielsucht 2024 einen leichten Rückgang der Spielhallenstandorte. Insgesamt sind demnach landesweit in Spielhallen und Gastronomiebetrieben rund 35.800 Geldspielgeräte gemeldet. Die Anzahl der Geldspielgeräte pro Standort in Spielhallen blieb weitgehend konstant.

Das Thema hat noch viele weitere Aspekte. Bei den Sportwetten gibt es beispielsweise Kritik an Profi-Fußballclubs, die sich von asiatischen Wettanbietern sponsern lassen. Anbieter, die teilweise keine gültige Sportwetten-Lizenz in ihrem Land besitzen.

Der legale deutsche Glücksspielmarkt erzielte 2024 laut Glücksspielbehörde ein Bruttospielertragsvolumen (diese Zahl entspricht den Verlusten der Spieler) von etwa 14,4 Milliarden Euro – ein Plus von rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die staatlichen Steuer- und Abgabeneinnahmen aus Glücksspielen betrugen rund sieben Milliarden Euro.

Aktionstag gegen Glücksspielsucht

WDR 5 Mittagsecho 24.09.2025 10:40 Min. Verfügbar bis 24.09.2026 WDR 5

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Mitarbeit: Lena Berghaus, Marcel Müller

Über dieses Thema berichten wir am 24.09.2025 auch im Westblick auf WDR 5

Unsere Quellen:

  • Rock im WDR-Interview
  • SPD-Landtagsfraktion und Innenministerium auf Anfrage
  • eigene Recherchen
  • Mitteilungen der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder
  • DSWV laut Mitteilung

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