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Tricks beim Mietspiegel? Mieterhöhungen bei der LEG werfen Fragen auf

Stand:

Der Wohnungskonzern versucht in mehreren NRW-Städten den bestehenden Mietspiegel zu umgehen. Für den Mieterbund hat das Methode.

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Laura Glawion wohnt mit ihrer Tochter in einer 54 Quadratmeter großen Wohnung in Bielefeld. Ende Oktober bekam sie Post von ihrem Vermieter, dem Wohnungsunternehmen LEG. Es ging um eine Mieterhöhung, Laura Glawion war schockiert, denn schon jetzt liegt ihre Miete (449 Euro) über dem oberen Wert, den der örtliche Mietspiegel vorsieht (411,73 Euro). Ab Januar sollte sie nochmal knapp 25 Euro mehr pro Monat zahlen.

Laura Glawion, Mieterin bei der LEG

Laura Glawion, Mieterin bei der LEG

Als Argument listet die LEG in dem Schreiben drei Vergleichswohnungen auf, ebenfalls aus LEG-Bestand, die deutlich teurer sind. Wenn Laura Glawion der höheren Miete nicht zustimme, könne die LEG eine Zustimmungsklage in Betracht ziehen, heißt es weiter. Glawion ließ sich davon nicht einschüchtern, holte eine Rechtsberatung ein und widersprach der Mieterhöhung. Die angesprochene Klage kam bis heute nicht.

Mieterbund kritisiert "dreiste Methode" der LEG

Doch Laura Glawions Fall ist nur einer von vielen Fällen, die dem Mieterbund aus elf Städten in NRW gemeldet wurden. Dazu zählen neben Bielefeld Köln, Düsseldorf. Münster, Gelsenkirchen, Herten, Hamm, Lünen, der Kreis Unna, Gütersloh und Stolberg. Maximilian Fuhrmann kümmert sich beim Mieterbund um Beschwerden, die große Wohnungsunternehmen betreffen. Er fürchtet, dass viele Menschen einfach zugestimmt haben, weil sie Sorge vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung hatten.

Maximilian Fuhrmann, Mieterbund NRW

Maximilian Fuhrmann vom Mieterbund NRW

Dabei ist sich Fuhrmann sicher, dass die von der LEG vorgeschlagenen Mieterhöhungen vor Gericht keinen Erfolg hätten. Sein Hauptargument: In allen ihm bekannten Fällen liege schon die bisherige Miete oberhalb des Mietspiegels. Der gilt zwischen Eigentümern und Vermietern als wichtigster Wert für die Berechnung von fairen Mietpreisen, werde aber von der LEG in diesen Fällen ignoriert. Fuhrmann spricht von einer "dreisten und sehr unschönen Methode."

Teure Vergleichswohungen

Denn mit dem Verweis auf eigene, teurere Vergleichswohnungen nutzt die LEG für die Ermittlung einer angeblichen ortsüblichen Vergleichsmiete aus Sicht des Mieterbundes absolute Ausreißer nach oben. Deren Mietpreise liegen teilweise über 20 Prozent über dem Mietspiegel der jeweiligen Stadt.

Das gilt auch für eine zweite Methode: Dabei bietet die LEG Mietern eine freiwillige Mieterhöhung an. Angeblicher Vorteil für die Adressaten: Nehmen sie das Angebot an, erklärt sich die LEG bereit, auf eine noch größere, angeblich mögliche Mieterhöhung zu verzichten. Letzere entspricht aber in mehreren Fällen einer Mietsteigerung von mehr als 20 Prozent. Das wäre ein Verstoß gegen die gesetzlich vorgeschriebene Kappungsgrenze.

LEG rechtfertigt Berechnungen

Die LEG schreibt uns dazu, dass die aufgeführte mögliche Erhöhung "keine Forderung" darstelle, sondern nur "eine theoretische Einordnung der ortsüblichen Vergleichsmiete".  Sie beruft sich bei ihrem Vorgehen auf zwei Paragafen im bürgerlichen Gesetzbuch: Paragraf 557 für die freiwillige Mieterhöhung und Paragraf 558 für die Mieterhöhung bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete. Beide Paragrafen erlauben tatsächlich alternativ die Ermittlung der ortsüblichen Miete durch drei Vergleichswohnungen.

Das Bild zeigt die Zentrale des Immobilienkonzerns LEG.

Die Zentrale des Immobilienkonzerns LEG

In den Schreiben, die dem WDR vorliegen, führt das Unternehmen wie gesetzlich vorgeschrieben zum Vergleich auch den jeweiligen Mietspiegel auf. Aus Sicht des Unternehmens liefern die eigenen Vergleichswohnungen jedoch "valide und geprüfte Daten". Bei den als Möglichkeit erwähnten Zustimmungsklagen habe man "eine überaus hohe Erfolgsquote" heißt es auf WDR Anfrage pauschal.

Insider: "Kunstgriff" um Renditeerwartungen zu erfüllen

Eine Person, die mit den internen Vorgängen vertraut ist, zeichnet ein anderes Bild. Man habe im Unternehmen schon vor einigen Jahren festgestellt, dass die Renditen, die man den Investoren zugesagt hat, mit normalen Mieterhöhungen "ohne Kunstgriffe" nicht zu halten seien. Mietern, bei denen eine reguläre Mieterhöhung in absehbarer Zeit nicht möglich gewesen wäre, habe man die Schreiben zur freiwilligen Mieterhöhung geschickt. Immer mit Verweis auf drei teure Vergleichswohnungen.

Dabei wisse man in der LEG "sehr wohl, dass eine der schwächsten Begründungen für Mieterhöhungen die Vergleichswohnungen sind". Das gelte auch für die Fälle, bei denen die LEG selbst Mieterhöhungen ankündige und bei Nichtzustimmung auf die Klagemöglichkeit hinweise. Man sei sich im Unternehmen bewusst gewesen, dass eine solche Klage eigentlich keine Erfolgsaussichten habe, denn gerichtliche Gutachter ziehen in solchen Fällen meist den Mietspiegel vor. Die angedrohten Klagen seien demnach meist nur ein Druckmittel.

Dubiose Mieterhöhungen der LEG | Westpol

WDR 06:27 Min. Verfügbar bis 27.04.2028

Die LEG weißt diese Vorwürfe "entschieden zurück". Maximilian Fuhrmann vom Mieterbund warnt trotzdem ausdrücklich davor, sich von den Schreiben einschüchtern zu lassen. Denn: Hat ein Mieter der Mieterhöhung einmal zugestimmt, sei dies nachträglich schwer anfechtbar, sagt Fuhrmann.

Dagegen sei Mietern, die nicht reagiert, oder wie Laura Glawion sogar widersprochen haben, in den bisher bekannten Fällen nichts passiert. Eine Zustimmungsklage sei ausgeblieben. Die LEG begründet das auf WDR-Nachfrage damit, dass solche Klagen in manchen Fällen nicht wirtschaftlich seien.

Mieterbund: LEG treibt Mietspiegel in die Höhe

Der Mieterbund fordert angesichts des Vorgehens der LEG Nachbesserungen im Mietrecht: Die Paragrafen mit denen die LEG ihre Mieterhöhungen durchsetzen will, sollten gestrichen werden. Das Vorgehen des Konzerns habe für die Gesellschaft teure Folgen: Zum einen, bekommt die LEG über jede Zustimmung zu einer Mieterhöhung mehr mögliche teure Vergleichswohnungen, mit denen sie weitere Mieterhöhungen rechtfertigen kann.

Und: Jede Miete, die auf diese Art am Mietspiegel vorbei erhöht werde, fließe dann auch wieder in die Berechnung des nächsten, offiziellen Mietspiegels ein, sagt Fuhrmann. So entstehe ein dauerhafter Schaden für alle Mieterinnen und Mieter.

Unsere Quellen:

  • Eigene Recherchen
  • Mieterbund
  • LEG

Hinweis: in einer früheren Fassung dieses Artikels hieß es, dass es sich bei den von der LEG berechneten, angeblich möglichen Mieterhöhungen von mehr als 20 Prozent um einen Verstoß gegen die Mietpreisbremse handele. Tatsächlich handelt es sich um einen Verstoß gegen die gesetzlich vorgeschriebene Kappungsgrenze. Die Mietpreisbremse gilt nur bei Neuvermietungen. Wir haben das korrigiert. 

 Sendung: WDR Fernsehen, Westpol, 26.04.2026, 19:30 Uhr

Kommentare zum Thema

71 Kommentare

  • 71 Zlatko Klekar 30.04.2026, 15:30 Uhr

    Trust Pilot liefert Tausende Beschwerden zu LEG. Wer dafür verantwortlich ist? Es sind die korrupten Politiker, die die Sozial-Systeme zerstören, die Sozialwohnungen für ein Apel & Ei an Raffgier getriebene Konzerne verscherbelt hatten, statt wie in Österreich die Sozialwohnungen für immer im Staatseigentum zu halten, den Zustand der Wohnungen aufrecht zu erhalten. Deutsche unfähige korrupte Politiker, Kämmerer,...Die nur an sich selbst und ihre Taschen füllen denken.

  • 70 Tanja 30.04.2026, 10:56 Uhr

    Die LEG macht nichts nur Miete erhöhen mehr nicht ich wohne zeit 28.11.24 in Kreis Germersheim in der pfalz in einer 2 zimmer Wohnung Habe mehr Fach aufgefordert denn Boden im Flur zu erneuern auch nach dem mein Kind hängen blieb und sich ne platzwunde zugezogen hat durch denn scheiß Boden . Das interessiert dennen nicht .Abzoge und Schmarotzer ist die LEG

  • 69 R.z.B. 30.04.2026, 10:08 Uhr

    Ich suche jetzt schon seid über einem Jahr eine Wohnung weil ich arbeiten gehen möchte. Keiner versteht das man eine Wohnung braucht um dauerhaft arbeiten gehen zu können. Massenhafte Bewerbungen abgeschickt und nicht eine Antwort. Besichtigungstermin werden meist nur an ausländische "Mitbürger" vergeben weil da die Finanzen abgesichert sind vom Staat. Also deutscher bekommt man 0 eine Wohnung.👍

  • 68 WDR zensiert hier grün ! 30.04.2026, 09:20 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 67 Peter 30.04.2026, 05:42 Uhr

    Die LEG ist der schlimmste Verein! Wir haben gekündigt,weil die Wohnsituation nicht tragbar ist. Schimmel in zwei Räumen ,der Eine von 2024!! Und nichts tut sich!! Bei uns wurde auch erhöht! Da muss doch jemand denen mal das Handwerk legen!! NRW WOHNT LEG! Wohnen kann man Das nicht nennen!

  • 66 Sabrina 29.04.2026, 22:26 Uhr

    Ich wohne seit Mitte März in einer Wohnung von der LEG. Ich habe sie mir im Dezember angeschaut war ok. Drei Monate wurde die Wohnung frei gehalten für mich was gut war. Am Tag der Schlüssel Übergabe wurde mir dann gesagt meine balkon Tür muss repariert werden, das hat man mir im Dezember keiner gesagt. Und kümmern das die reperriert wird tut auch keiner ich mein die Wohnung stand mehr als 3 Monate frei da hätte man das schon erledigen können. Und dann kommt noch hin zu das das Klingel System nicht so funktioniert wie es soll meine klingel von unten an der Tür klingelt in einer anderen Wohnung bei anderen Mietern das gleiche summer geht auch nicht. Ich hat ein Krankenwagen Einsatz und konnte sie nicht rein lassen weil die klingel nichtgeht. Musste Nachbarn bitten unten auf die zu warten damit die rein kommen. Pakete können nicht zugestellt werden weil die klingel nicht geht. Und es interessiert keinen von denn. Mieterkeller gibs auch nicht. Trotz Briefe die sagen man soll dasachen abst

  • 65 Britta 29.04.2026, 09:09 Uhr

    Ich wohne in Niedersachsen in einer LEG Wohnung. Jedes Jahr steigt die Miete entweder die Basismiete oder die Nebenkosten um ca. 50 €. Auch bei mir werden Hausmeisterkosten abgerechnet aber keine Reaktion, wenn über den Mietverein angefragt wird, wofür er bezahlt wird. Mit dem Mietverein reklamieren wir jedes Jahr die Betriebskosten, da vieles nicht stimmig ist. Die LEG stellt sich hier stur. Pocht auf ihre Nachzahlungen ohne Erklärung, verweist auf Vergleichsfälle, die jedoch nicht nachvollziehbar sind. Oft, dass die Linke nicht weiß, was die Rechte macht. Reparaturen werden auch nur schleppend erledigt. Leider ist es auch in Niedersachsen kaum mehr möglich bezahlbaren Wohnraum zu finden.

  • 64 Anonym 29.04.2026, 07:21 Uhr

    Mal wieder eine einseitige Berichtserstattung. Wie ich Medien heutzutage liebe. Das Gesetz schreibt die Möglichkeit der Erhöhung per Vergleichswohnungen bei einem vorliegenden einfachen Mietspiegel vor. So lange die Städte das Geld nicht in ie Hand nehmen um nach anerkannten wissenschaftlichen Methoden einen qualifizierten Mietspiegel zu erstellen, sind die Städte es selbst schuld. Wie soll die Einnahmeseite eines Wohungsunternehmens bei steigenden Kosten denn angehoben werden, wenn der einfache Mietspiegel seit Jahren unverändert ost und reale Verhältnisse nicht abdeckt

  • 63 Bernd 29.04.2026, 00:34 Uhr

    Ich habe viel Geld durch den Mitpreisdeckel verlohren. Die Aktienkurse sind um 50% eingebrochen. Es wird Zeit, daß auch mal wieder etwas für die Eigentümer übrig bleibt. Die Wohnungen sind unsere Altersvorsorge. wir könne es uns nicht leiste, daß die Aktienkurse fallen.

    Antworten (1)
    • Erik M. 29.04.2026, 17:16 Uhr

      Wenn Sie Ihre Rente erhöhen wollen sollten Sie Arbeiten gegen statt der Arbeitenden Bevölkerung (oder dem Steuerzahler) das Geld aus der Tasche zu ziehen. Eigentlich sollte die Miete an maximal 20% des Nettogehalts gedeckelt sein. Medianbrutto liegt bei 54000€, ca. 2800 Netto pro Monat. 20% wären da 560,-€ vielen Leuten wird mehr als das doppelte aus der Tasche gezogen.

  • 62 M.G 29.04.2026, 00:00 Uhr

    LEG grösste Verbrecher Jedes Jahr unmengen an Nebenkosten Nachzahlung und dauernde heizungsausfälle

    Antworten (1)
    • Anonym 30.04.2026, 09:47 Uhr

      Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 61 Franziska 1 28.04.2026, 23:12 Uhr

    Vielleicht ist es für Leg - Mieter oder noch nicht Leg-Mieter, über Beschwerden von anderen Menschen außerhalb vom Forum wissenswert zu lesen. In die Suchspalte eingeben: Leg Wohnen GmbH NRW Beschwerden ....falls WDR zustimmt? Sehr aufschlussreich, was Leg-Mieter berichten.

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