Von 386 Delegierten sprachen sich in der Duisburger Mercatorhalle 326 für Henning Höne als Landesvorsitzenden aus, 50 stimmten gegen ihn, 10 enthielten sich. Damit bestätigte der Parteitag Höne in seinem Amt, mit einem Anteil von etwa 84 Prozent der Stimmen. Beim letzten Mal hatte Höne 79 Prozent der Stimmen erhalten. Jedes Ergebnis unter diesem Wert hätte seine bundespolitischen Ambitionen in der FDP stark geschwächt.
Ein Jahr nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag und ein Jahr vor der NRW-Landtagswahl möchte Henning Höne die Freien Demokraten zu einem Comeback tragen. Ende Mai kandidiert der Chef der NRW-FDP auf dem Bundesparteitag als Vorsitzender.
Höne gegen Kubicki
Dort erwartet ihn als Herausforderer Wolfgang Kubicki. Das FDP-Urgestein gilt als konservativer und wirtschaftsliberaler Parteipromi, der auf seine Bekanntheit und zugespitzte Parolen setzt. Der 74-jährige Kubicki traut seinem Kontrahenten Höne nicht zu, die FDP schnell wieder aus ihrer existenzbedrohenden Krise zu führen.
Der bundesweit noch unbekannte Höne tritt inhaltlich und im Ton moderater auf, steht eher für eine liberal-bürgerliche FDP, die bodenständiger sein soll. Höne formulierte das Anfang des Jahres so: Die FDP brauche "weniger Sylt, mehr Havixbeck".
Höne wirft Kubicki vor, die FDP und den Liberalismus inhaltlich verengen zu wollen. Diese Verengung drohe, "wenn man ausschließlich nur noch auf wirtschaftliche Freiheit schaue", sagte Höne vor dem Parteitag dem WDR. Wirtschaftliche Freiheit finde er zwar wichtig, ergänzte aber:
"Wir werden langfristig nicht wirtschaftlich erfolgreich sein, wenn wir nicht auch gesellschaftlich frei sind." Henning Höne, Landeschef der NRW-FDP
FDP bereitet sich auch auf Landtagswahl vor
Obwohl der Zweikampf Höne-Kubicki seine Schatten vorauswirft, will sich die FDP in Duisburg vor allem für die kommende Landtagswahl in NRW aufstellen.
Inhaltlich schwört Höne seine Partei auf wenige Inhalte ein: Bessere Bildung für mehr Aufstiegschancen. Eine werteorientierte Integrationspolitik, die Probleme benennt. Fortschritt durch Technologie und Innovation. Einen entschlackten Staat mit weniger Bürokratie. Eine starke Wirtschaft durch weniger Steuern und staatliche Eingriffe.
Neuzugänge im Landesvorstand
Personell setzt die NRW-FDP auf Kontinuität. Große Teile des Landesvorstands stellen sich wieder zur Wahl.
Landesparteitag der FDP: Kann NRW die Partei retten?
WDR Studios NRW. 17.04.2026. 02:40 Min.. Verfügbar bis 16.04.2028. WDR Online.
Lediglich der bisherige Schatzmeister Christoph Dammermann und die ehemalige Bundestagsabgeordnete Nicole Westig treten nicht mehr an. Für sie kandidieren der Bielefelder Kreisvorsitzende Jan Maik Schlifter (Schatzmeister) und der ehemalige Vorsitzende der NRW-Jungliberalen Alexander Steffen (stellvertretender Landesvorsitz).
FDP-NRW ist Machtfaktor in Bundespartei
Der NRW-Landesverband stellt auf dem Bundesparteitag Ende Mai voraussichtlich ein knappes Viertel der 662 Delegierten. Ein Stimmgewicht, das Höne potenziell zum Bundesvorsitz tragen könnte. Zunächst muss er aber seinen eigenen Landesverband hinter sich bringen.
Kubickis Stil und sein Bekanntheitsversprechen dürften auch zwischen Münster und Bonn einige Fans haben. Gleichzeitig werden viele Delegierte mit Blick auf die Landtagswahl ihren Spitzenkandidaten nicht beschädigen wollen.
Lindner führte FDP einst zu neuen Wahlerfolgen
In den 2010er Jahren war es Christian Lindner, der die Freien Demokraten aus NRW heraus erneuerte und schließlich zunächst in NRW, dann im Bund zu historischen Wahlerfolgen führte. Höne möchte wiederholen, was Lindner gelang.
Doch die Voraussetzungen sind schlecht: Im März hatte die FDP in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg den Wiedereinzug in den Landtag verpasst. Beide Bundesländer gelten als traditionelle FDP-Stammländer - wie NRW.
Neues Gesicht für neues Vertrauen
"Mein Angebot für den Bundesvorsitz ist vor allem ein neues Gesicht, um neues Vertrauen zu erlangen", begründet Höne seine Kandidatur. "Denn die FDP steckt insbesondere in einer Vertrauenskrise, da müssen wir ansetzen. Dafür sind neue Gesichter notwendig."
Seine Partei wird ihm spätestens Ende Mai zeigen, ob sie das genauso sieht.
Unsere Quellen:
- Pressegespräch mit Henning Höne am 16.04.2026
- NRW-Landesverband der FDP
- Satzung der NRW-FDP
- Eigene Berichterstattung & Recherchen
- WDR-Reporter vor Ort in Duisburg
Sendung: WDR5, Westblick, 17.04.2026, 17:05 Uhr