Symbolbild: Deutschlandticket

Bürgergeldempfänger CDU will Deutschlandticket als Sachleistung

Stand:

Die CDU will das Deutschlandticket für Bürgergeldempfänger künftig als Sachleistung statt als Geldbetrag ausgeben. Sozialverbände sind empört.

Von Nina Magoley

Die CDU-Fraktion im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat vorgeschlagen, das Deutschlandticket für Bürgergeldempfänger künftig als Sachleistung auszugeben – nicht mehr, wie bislang, als Teil der monatlichen Überweisung.

Derzeit sind 50,49 Euro des Regelsatzes von 563 Euro als "Mobilitätszuschuss" deklariert. Ob Bürgergeldempfänger diesen Anteil wirklich für das Deutschlandticket ausgeben, können sie selbst entscheiden. Aus Sicht der CDU ist das ungerecht. "Wir möchten, dass die Gelder der Steuerzahler möglichst zielgerichtet für das verwendet werden, wofür sie ursprünglich vorgesehen sind — nämlich für die tatsächliche Mobilität", sagt Frank Heidenreich, Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion im VRR.

CDU in NRW: Deutschlandticket als Bürgergeld-Sachleistung

Frank Heidenreich, CDU Duisburg, im Porträt

CDU-Mitglied im VRR: Frank Heidenreich

Zudem, meint Heidenreich, würde diese Lösung zur gesellschaftlichen Teilhabe von Bürgergeldempfängern beitragen. "Wer Arbeitsaufnahme und Integration ermöglichen will, muss Mobilität praktisch sicherstellen."

Zum Verständnis: Weil der VRR ein politisch gesteuerter Zweckverband ist, sitzen CDU-Vertreter, genau wie Vertreter anderer Parteien auch, mit in den Verbandsversammlungen.

Rückhalt bekommt die VRR-CDU auch auf Landesebene. Er halte den Vorschlag für sinnvoll, sagt Marco Schmitz, Sprecher für Arbeit und Soziales in der CDU-Landtagsfraktion. "Ein Deutschlandticket als Sachleistung kann dazu beitragen, Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe besser abzusichern." Die Ausgabe als Sachleistung sorge dafür, "dass Unterstützungsleistungen gezielt für ihren eigentlichen Zweck eingesetzt werden".

"Sozialverbände in NRW: Deutschlandticket-Pflicht fürs Bürgergeld unfair

Michael Spörke im Porträt

Michael Spörke: "Leute gucken in die Röhre"

Sozialverbände sehen den Vorstoß kritisch: "Das Geld für das Deutschlandticket würde dann ja zwangsweise vom Bürgergeld abgezogen", stellt Michael Spörke vom Sozialverband Deutschland NRW fest. Es gebe aber viele Menschen, die den ÖPNV gar nicht nutzen. Entweder, weil sie an ihrem Wohnort schlecht angebunden sind oder aber, weil der ÖPNV dort nicht barrierefrei ist. "Diese Leute gucken dann in die Röhre", sagt Spörke, der selbst auf den Rollstuhl angewiesen ist.

Argument der CDU: Mehr Deutschlandtickets, mehr Geld für den ÖPNV

Frank Heidenreich, Urheber des Vorstoßes und CDU-Ratsmitglied in Duisburg, hält dagegen: Würden mehr Deutschlandtickets verkauft, könnten diese Mehreinnahmen in den Ausbau des ÖPNV auch im ländlichen Raum fließen, sagt er auf WDR-Anfrage. Für die Stadt Duisburg hat er eine Rechnung aufgestellt: Bekäme jeder Bürgergeldempfänger ein Deutschlandticket, würden sich die Einnahmen des VRR "mehr als verdoppeln". Geld, das in "mehr Leistungen" gesteckt werden könnte - klimaneutrale Busse und Fahrer, mehr Angebote.

Laut Bundesagentur für Arbeit erhielten im Januar 2026 knapp 1,5 Millionen Menschen in NRW-Bürgergeld.

Behindertengerechte Ausstattung im Nahverkehr, sagt Heidenreich außerdem, würde "zu hundert Prozent vom VRR und vom Land gefördert". Das Budget sei vorhanden, "aber die Städte rufen es nicht ab". Härtefallregeln müssten bei dem Konzept aber möglich sein, räumt er ein.

Duisburgs OB Link: Weniger Schwarzfahrer

Oberbürgermeister Sören Link im Duisburger Rathaus

Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link

Zuspruch bekommt Heidenreich auch von der SPD: Sein Kollege im Duisburger Stadtrat, Oberbürgermeister Sören Link (SPD), steht ebenfalls hinter der Idee. Er finde den Vorstoß richtig, zitiert ihn ein Sprecher im Rathaus. Und schickt noch ein Zitat des Oberbürgermeisters hinterher: "Wer Geld fürs Ticket bekommt und trotzdem schwarzfährt, lässt am Ende andere zahlen. Das ist unfair gegenüber allen, die sich ihren Fahrschein ehrlich kaufen, auch wenn das Geld knapp ist." Die Zahl der Schwarzfahrer, so der Schluss des OB, würde mit einem Deutschlandticket als obligatorische Sachleistung sinken.

Michael Spörke vom Sozialverband Deutschland ist empört: "Das klingt nach einer pauschalen Kriminalisierung von Bürgergeldempfängern", sagte er: "Eine steile These."

Kein Geld fürs Rad oder für Sprit?

Auch der Sozialverband VdK NRW sieht die Idee kritisch. Leistungsempfänger würden damit "bevormundet", sagt Benedikt Lechtenberg. Bislang könnten sie selbst entscheiden, welches Ticket zu ihrem Alltag passt: "Wer nur lokal unterwegs ist, fährt mit einem auf Stadt oder Landkreis begrenzten Sozialticket für 43,80 Euro im VRR günstiger. Wer Bus und Bahn nur selten nutzt, kann die Mobilitätspauschale flexibel für Einzeltickets einsetzen und übriges Geld für Reparaturen am Fahrrad oder für Spritgeld bei Fahrgemeinschaften nutzen." Im Zweifel, so Lechtenberg, sollte ein Wahlrecht eingeräumt werden: Deutschlandticket-Sozial als Sachleistung oder freie Nutzbarkeit der Mobilitätspauschale.

"Bezahlbares Sozialticket"

Statt Leistungen umzuwandeln, sollte Politik Mobilität bezahlbarer machen, sagt er für den VdK: Der Bund solle Geld für ein günstigeres Deutschlandticket und ein Sozialticket für 25 Euro bereitstellen. "Dass Geld da ist, zeigt der Tankrabatt", meint Lechtenberg. Der koste für zwei Monate 1,6 Milliarden Euro - der Zuschuss zum Deutschlandticket dagegen beliefe sich auf 1,5 Milliarden Euro für ein ganzes Jahr.

CDU-Vorschlag zum Deutschlandticket

WDR Studios NRW 26.05.2026 00:48 Min. Verfügbar bis 25.05.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Pressemitteilung der CDU-Fraktion im VRR
  • Statement Marco Schmitz, Sprecher für Arbeit und Soziales in der CDU-Landtagsfraktion
  • WDR-Gespräch mit Michael Spörke, Abteilungsleiter Sozialpolitik und Kommunales beim Sozialverband Deutschland NRW
  • Statement Benedikt Lechtenberg, Sozialverband VdK NRW
  • Gespräch mit Frank Heidenreich, CDU-Mitglied im VRR und im Duisburger Stadtrat
  • Statement Sören Link, Oberbürgermeister in Duisburg
  • Bundesagentur für Arbeit

Sendung: WDR.de, CDU-Vorschlag zum Deutschlandticket, 26.05.2026, 15:50 Uhr

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