Muslimin mit Kopftuch steht mit dem Rücken zur Kamera auf einem Bürgersteig

Muslimin

Hass und Hetze gegen Muslime in NRW nehmen zu

Stand:

Muslime sind im Alltag zunehmend rassistischen Anfeindungen ausgesetzt. Laut Innenministerium ist auch die Anzahl von islamfeindlichen Straftaten so hoch wie nie.  

Von Fritz Sprengart

Eine kurze Unterbrechung von anderthalb Minuten in der Partie Schalke 04 gegen Arminia Bielefeld. Um 18.54 Uhr gibt der Schiedsrichter den muslimischen Spielern die Möglichkeit, ihr Fasten im Ramadan zu brechen. Ein Schluck Wasser, ein schneller Biss in eine Banane am Spielfeldrand. Dann geht es weiter.

Rassistische Reaktionen auf Fastenbrechen am Spielfeldrand

Die Szene aus dem Zweitligaspiel vergangene Woche landet im Netz. Darunter zahlreiche Kommentare. "Wir unterwerfen uns dem Islam. Das ist ein Zeichen in die falsche Richtung", schreibt ein User auf Facebook. "Was für‘n Scheiß", ein anderer.

"So etwas wundert mich überhaupt nicht", sagt Heval Akil. Er ist vor 27 Jahren aus Syrien nach Deutschland geflohen. Heute arbeitet er als Koch in Dortmund. "Es geht nicht um Religion. Der Ramadan ist hier nur der Anlass, um Leute anzugreifen", sagt er. Akil war selbst mal Vorsitzender eines kurdischen Fußballvereins im Sauerland. "Wir sind mit Bananen beworfen worden, Leute haben uns beschimpft. Das war richtig schlimm", sagt er.

Hass und Hetze gegen Muslime in NRW nimmt zu | Westpol

WDR 04:29 Min. Verfügbar bis 11.03.2028

Übergriffe nehmen stark zu 

Neben antimuslimischem Rassismus ist auch die Zahl der islamfeindlichen Straftaten in NRW gestiegen. 2021 gab es laut Innenministerium 110 dokumentierte Fälle. 2024 waren es mit 338 schon mehr als dreimal so viele. Für 2025 rechnet das Innenministerium gegenüber Westpol mit ähnlich vielen Fällen wie im Vorjahr. Die Auswertung sei noch nicht endgültig abgeschlossen.

Karima Benbrahim

Karima Benbrahim, Leiterin des Informations- und Dokumentationszentrums für Antirassismusarbeit (IDA) NRW

In der polizeilichen Statistik finden sich allerdings nur die Fälle, die strafrechtlich relevant sind. Diskriminierung fängt aber schon sehr viel früher an. "Opfer berichten vermehrt, dass ihnen Nähe zu Terrororganisationen unterstellt wird", erklärt Karima Benbrahim.

Sie leitet das Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit (IDA) NRW in Düsseldorf. Auch hier werden deutlich mehr Fälle gezählt als noch vor einigen Jahren. "Wir haben auch viele Frauen die berichten, dass sie wegen ihres Kopftuchs beschimpft werden", so Benbrahim.

Anzahl der islamfeindlichen Straftaten so hoch wie nie zuvor

WDR Studios NRW 15.03.2026 00:34 Min. Verfügbar bis 14.03.2028 WDR Online

"Mit Kopftuch wurde ich zum Feindbild"

"Als ich noch kein Kopftuch getragen habe, wurde ich oft für eine Italienerin gehalten. Also für eine angenehme Ausländerin", erzählt Büsra Ocakdan. Wir treffen sie beim gemeinsamen Fastenbrechen in der Abu Bakr Moschee in Dortmund. "Mit dem Kopftuch wurde ich zum Feindbild."

Die junge Frau berichtet gleich von einer ganzen Reihe von Übergriffen. "Es waren sogar körperliche Angriffe dabei", sagt sie. "Ich hatte Glück, dass die Leute drumherum eingegriffen haben."

Mehr Vorfälle seit dem 7. Oktober

Solche Geschichten hört auch Karima Benbrahim regelmäßig von Betroffenen. "Es ist deutlich schlimmer geworden seit dem 7. Oktober", sagt sie. Die Terrorangriffe palästinensischer Hamas-Anhänger auf Israel hätten auch Muslime in Deutschland unter Generalverdacht gestellt. "Die Leute sehen Muslime als Bedrohung", sagt sie.

Das hat auch schon Heval Akil erlebt - und das, obwohl er nicht einmal gläubig ist. Seine Strategie für Situationen, in denen er rassistisch angegangen wird: "Freundlich bleiben, nicht diskutieren und weitergehen."

Unsere Quellen:

  • Innenministerium NRW
  • Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit (IDA) NRW
  • eigene Recherche

Sendung: Westpol, Antimuslimischer Rassismus im Ramadan , 15.03.2026, 19:30 Uhr

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