Mitte der Woche fragte mich ein Kollege, ob ich gern dieses Editorial schreiben möchte. Ist doch die Woche vor dem Schulstart, meinte er, da könnte man doch mal eine virtuelle Schultüte für Dorothee Feller packen, die NRW-Schulministerin. Also mein Themenbereich. Ich habe eine Weile auf der Idee mit der Schultüte rumgedacht – und finde sie eigentlich ganz charmant. Nur etwas anders, als mein Kollege das wohl gemeint hat, der eher an die vielen Baustellen dachte, die die Ministerin mit ins neue Schuljahr nimmt.
Eine Tüte Neugier
Ich möchte diese Schultüte aber nicht für die Schulministerin packen, sondern für die Schülerinnen und Schüler in NRW. Und ganz besonders für die 174.000 Kinder, die jetzt in die erste Klasse kommen.
Ihre Eltern werden wahrscheinlich Spielzeug in die heiß ersehnte Tüte packen, Kuscheltiere, Süßigkeiten oder neue Buntstifte. Und was packe ich in die Zuckertüte (so hieß das in meiner Kindheit)? Vor allem etwas ganz altmodisches: Neugier und Spaß am Lernen! Ein bisschen naiv, meinen Sie? Ja, vielleicht. Aber ich finde, dass diese beiden Dinge mit das Wichtigste sind, was man im Schulleben braucht. Wenn Kinder in die Schule kommen, sind sie fast immer wissbegierig, finden vieles spannend, haben Lust aufs Lernen. Ideale Voraussetzungen also. Leider geht das in den Jahren danach meist verloren.
Herausforderungen für Schüler und Schule
Das liegt vor allem daran, wie Schule heute funktioniert, und wie sie ausgestattet ist. Die Kinder sitzen meist in großen Klassen, sie bringen oft Probleme von zu Hause mit, manche brauchen zusätzliche Hilfe, weil sie nicht gut genug Deutsch sprechen oder aus anderen Gründen dem Unterricht nicht richtig folgen können. Deshalb müssten in den meisten Klassen eigentlich zwei Pädagogen sein. Doch daran ist nicht zu denken, denn es fehlen überall Lehrer. Da bleibt dann wenig Platz und Zeit, sich mal auszuprobieren und Dinge zu entdecken, die einem Spaß machen.
Ich habe mich gerade für unseren Podcast mit Kindern und Jugendlichen befasst, die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr zur Schule gehen wollen. Ich habe von Schicksalen gehört, die mich entsetzt haben und traurig machen. Da geht es um Mobbing, um Leistungsdruck, um psychische Probleme. Nicht selten brechen diese Jugendlichen die Schule ganz ab, haben dann keinen Abschluss und später schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
Was wird das neue Schuljahr bringen?
Das alles möge den so erwartungsvollen Erstklässlern erspart bleiben! Sie sollen Spaß haben und Freude am Lernen, neue Freunde finden - und neugierig bleiben, möglichst lange in ihrer Schulzeit.
Und ja, ein paar tausend zusätzliche Lehrer sind dringend nötig, plus Sozialarbeiter und Sonderpädagogen. Schnelles Internet, eine gute digitale Ausstattung und saubere, moderne Schulgebäude. Darüber werden wir in den kommenden Tagen wieder ausführlich berichten. Und genau schauen, was die Ministerin da schafft und was auf der Strecke bleibt.
Erstmal wünsche ich Ihnen aber ein paar entspannte Stunden am Wochenende, mit Spaß und vielleicht auch ein klein wenig Neugier, worauf auch immer!
Dieser Text erscheint auch als Editorial in "18 Millionen - Der Newsletter für Politik in NRW". Jeden Freitag verschicken wir die Themen, die NRW bewegen - an politisch Interessierte, Aktive, Gewählte, und Politik-Nerds. Hier können Sie den Newsletter kostenlos abonnieren: