13 Millionen Menschen betroffen: Armut steigt

Aktuelle Stunde 02.06.2026 36:03 Min. Verfügbar bis 02.06.2028 WDR Von Nils Rode

Bericht von Sozialverband

Immer mehr Menschen in NRW leiden unter Armut

Stand:

Rund 18 Prozent der Menschen in NRW sind laut eines aktuellen Berichts des Paritätischen Wohlfahrtsverbands von Armut betroffen - Tendenz steigend. Eine Region in NRW ist demnach besonders betroffen.

Von Vera Köplin und Sebastian Moritz

NRW rangiert in dem aktuellen Armutsbericht auf Platz fünf und findet sich damit im breiten Mittelfeld der Statistik wieder: NRW, Thüringen, Niedersachen, Hessen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern liegen dort nah beieinander. Spitzenreiter in der Statistik ist Bremen. Mehr als jeder Vierte lebt dort unterhalb der Armutsgrenze. In Bayern ist es nur jeder Achte. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen jeder Sechste.

13,3 Millionen Menschen sind laut Bericht in Deutschland von Armut betroffen, das entspricht gut 16 Prozent der Bevölkerung. Der Wert liegt damit auf dem Höchststand der vergangenen fünf Jahre. Auch in NRW ist die Armutsquote nach einem Rückgang im Jahr 2023 auf einem Fünfjahreshöchststand.

"In Nordrhein-Westfalen ist Armut längst kein Randphänomen mehr." Christian Woltering, Vorstand Paritätischer Wohlfahrtsverband

Nach Daten des Statistikamtes IT.NRW waren landesweit im vergangenen Jahr 3,2 Millionen Menschen von Armut gefährdet.

Hohe Armutsgefährdung im Regierungsbezirk Arnsberg

Der Bericht bietet keinen flächendeckenden Überblick für die Armutssitution in den NRW-Regionen, nennt aber Beispiele: Demnach ist die Armutsquote im Regierungsbezirk Arnsberg mit nahezu 20 Prozent besonders hoch.

Der Grund: Dort träfen Strukturwandel, geringe Einkommen und schwache Kommunalfinanzen zusammen. Der Regierungsbezirk umfasst mit Bochum, Herne und Dortmund auch ehemalige Industrieregionen des Ruhrgebiets. Köln und Düsseldorf liegen mit 17 und 16,5 Prozent recht nah am NRW-Durchschnitt.

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Absolute Armut und relative Einkommensarmut

  • Der Paritätische Wohlfahrtsverband bezieht sich im Armutsbericht auf relative Einkommensarmut. Das sind die Unterschiede:
  • Absolute Armut beschreibt existenzielle Notlagen wie Obdachlosigkeit oder Nahrungsmangel. Laut Weltbank sind Menschen von absoluter Armut betroffen, die über weniger als drei Dollar pro Tag verfügen.
  • In relativer Einkommensarmut lebt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat; das entspricht weniger als 1400 Euro pro Monat für einen Einzelverdiener. Das Einkommen reicht dann kaum, um angemessen am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Am häufigsten betrifft das in Deutschland Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss und Ausländerinnen und Ausländer.

Aus den Zahlen geht hervor, dass wirtschaftsstarke Regionen generell geringere Armutsrisiken aufweisen als strukturschwächere Regionen. Ein deutliches Gefälle gebe es auch zwischen Süddeutschland - mit relativ geringen Armutsquoten - und bestimmten Regionen in West- und Ostdeutschland zu erkennen - mit relativ hohen, schreibt "Der Paritätische".

Paritätischer Wohlfahrtsverband fordert starken Sozialstaat

Die neue Armutsstatistik fällt in die Zeit der politischen Debatte um die Reform der Sozialversicherungssysteme. Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnt vor Kürzungen und fordert zum Beispiel einen Mindestlohn von 15 Euro pro Stunde auch bei Vollzeittätigkeiten, den Ausbau des Wohngeldes und der familienpolitischen Leistungen sowie eine zukunftsfeste gesetzliche Rentenversicherung.

"Wer jetzt beim Wohngeld, beim Unterhaltsvorschuss oder in der sozialen Infrastruktur kürzt, verschärft nicht nur individuelle Not, sondern gefährdet auch den sozialen Zusammenhalt", sagt Christian Woltering vom Paritätischen Wohlfahrtsverband NRW.

Armutsquote in Deutschland steigt

WDR 02.06.2026 00:22 Min. Verfügbar bis 01.06.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

Sendung: WDR 2, WDR aktuell, 02.06.2026, 06:30 Uhr 
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 02.06.2026, 18:45 Uhr