Erlebnisse mit der Zeitumstellung

Aktuelle Stunde 25.10.2025 22:11 Min. UT Verfügbar bis 25.10.2027 WDR Von Aida Shakirova

Zeitumstellung: Haben wir die Uhren zum letzten Mal umgestellt?

Stand:

Endlich länger schlafen: Bei der Zeitumstellung am Sonntag wurden die Uhren von 3 auf 2 Uhr um eine Stunde zurückgestellt.

Die einen freut's, können sie doch länger schlafen, die anderen beklagen den durcheinander gewirbelten Biorhythmus. Manche genießen, dass es morgens früher hell wird, vielen schlägt aber auch die abendliche Dunkelheit auf’s Gemüt. Die Reaktionen auf die Zeitumstellung gehen weit auseinander.

In einem Punkt aber herrscht weitgehend Einigkeit: Am liebsten wäre es den meisten Deutschen, wenn die Zeit überhaupt nicht mehr umgestellt wird. Und genau das sollte eigentlich schon längst so sein.

Eselsbrücken für die Zeitumstellung

Zeitumstellung: 84 Prozent stimmten in Umfrage 2018 dagegen

Schon 2018 hatte die EU-Kommission vorgeschlagen, die Zeitumstellung abzuschaffen. In einer von ihr initiierten (nicht repräsentativen) Online-Umfrage stimmten damals 84 Prozent der Teilnehmer dafür. Insgesamt nahmen 4,6 Millionen Menschen daran teil - gut drei Millionen von ihnen kamen aus Deutschland. Als Gründe nannten sie vor allem negative Folgen für die Gesundheit, zunehmende Verkehrsunfälle und nur geringe Energieeinsparungen.

2019 hatte sich dann auch das EU-Parlament mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, den 1980 erneut eingeführten Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit abzuschaffen, verschob aber das für 2019 geplante Ende der Zeitumstellung auf 2021. Doch die Mitgliedstaaten zogen nicht mit und legten die Pläne auf Eis - bis heute.

Zeitumstellung: Spanien ist für die Abschaffung

Mit Spanien hat sich nun aber ein EU-Land für die Abschaffung der Umstellung ausgesprochen. "Offen gesagt sehe ich darin keinen Sinn mehr", sagte Regierungschef Pedro Sánchez in einem Video, das er auf der Plattform X veröffentlichte.

In allen Umfragen habe sich eine Mehrheit der Europäer gegen die Zeitumstellung ausgesprochen, sagte der Sozialist. Mit der Maßnahme werde keine Energie gespart, jedoch der biologische Rhythmus der Menschen zwei Mal im Jahr durcheinander gebracht. Deshalb werde sich sein Land dafür einsetzen, die Zeitumstellung von 2026 an abzuschaffen. 

Zeitumstellung in der EU: Bewegt sich etwas?

WDR Studios NRW 25.10.2025 04:07 Min. Verfügbar bis 25.10.2027 WDR Online

Sommerzeit oder Winterzeit: Was ist sinnvoller?

Ein Problem der EU-Diskussion ist eine Uneinigkeit, welche Zeit sich überhaupt durchsetzen soll - die sogenannte Normalzeit oder die Sommerzeit. Neben gesundheitlichen Aspekten spielt dabei auch die geografische Lage der Länder eine Rolle.

Beispiel: Bei einer dauerhaften Winterzeit ginge etwa in Warschau die Sonne im Sommer schon um kurz nach drei Uhr auf. Einigten sich die EU-Länder aber auf dauerhafte Sommerzeit, wäre es in Madrid zeitweise erst gegen zehn Uhr hell. Ein Flickenteppich mit mehreren Zeitzonen in der EU ist ebenfalls nicht gewünscht.

Zeitumstellung ist wie ein Mini-Jetlag für den Körper

Das ständige Umstellen der Zeit geht allerdings nicht spurlos an uns vorbei. Die Zeitumstellung hat Einfluss auf unseren Körper und spiegelt sich auch in Gesundheitsstatistiken wider, erklärte Christina Sartori aus der WDR-Wissenschaftsredaktion schon im vergangenen Jahr. „Es ist so, dass im Frühjahr nach der Zeitumstellung mehr Menschen als üblich ins Krankenhaus eingewiesen werden.“ Umgekehrt sinke die Zahl der Krankenhauseinweisungen unmittelbar nach der Zeitumstellung im Herbst.

Während uns im Frühjahr eine Stunde Schlaf genommen wird, bekommen wir im Herbst eine zusätzliche Stunde Schlaf. Das ist positiv für den Körper. „Der innere Rhythmus der meisten Menschen hat die Tendenz, länger als 24 Stunden zu sein“, sagte die Schlafforscherin Christine Blume von der Uni Basel im WDR vor einem Jahr. Eine Verlängerung des Tages komme unserem Rhythmus entgegen – wir sind erholter.

Die Zeitumstellung hat zumindest kurzfristig Einfluss auf unsere Gesundheit. Wie die langfristigen Folgen der Zeitumstellung auf unseren Körper sind, dazu fehlen eindeutige wissenschaftliche Untersuchungen. Die wirkungsvollste Methode mit dem Mini-Jetlag umzugehen, sind frische Luft und Tageslicht. Damit gewöhnt sich der Körper am schnellsten an die neue Zeit.

Ukraine hat keine Zeitumstellung mehr

Während wir hier also diskutieren, hat man woanders längst gehandelt: Die Ukraine hat als erstes europäisches Land die Umstellung auf die Sommerzeit im vergangenen Jahr abgeschafft - auch aus gesundheitlichen Gründen. "Nach der Umstellung der Stundenzeiger fühlen sich die Bürger schlechter, ihre Arbeitsfähigkeit sinkt, es wird eine deutliche Verschlechterung bei chronischen Krankheiten beobachtet", hieß es in der Begründung zum Gesetz.

Auch seien mit der Sommerzeit keine Energieeinsparungen feststellbar. Zudem wurde die Entscheidung mit der Abgrenzung zu Russland begründet. Bislang fiel die ukrainische Sommerzeit mit der ganzjährigen Moskauer Zeit, die seit 2012 besteht, zusammen.

Wer hat keine Zeitumstellung?

Die Ukraine ist mit der Entscheidung gegen eine Zeitumstellung nicht alleine. So wird unter anderem auch in folgenden Ländern nicht mehr an der Uhr gedreht:

  • Ägypten
  • Brasilien
  • Island
  • Namibia
  • Grönland
  • Türkei

In anderen Ländern wie Afghanistan oder Thailand wurde die Zeit noch nie umgestellt.

Ein Blick nach Nordamerika zeigt sogar, dass die Zeit nicht stehen bleibt, wenn eine entsprechende Entscheidung nicht für ganze Länder getroffen wird: So stellen sowohl einzelne Provinzen Kanadas als auch Arizona (USA) und Sonora (Mexiko) ihre Uhren nicht mehr um.

Island hat die Zeitumstellung als einziges europäisches Land gar nicht erst eingeführt. Seit 1968 gilt hier die sogenannte "Einheitszeit". Diese liegt zwei Stunden hinter der deutschen Sommerzeit.

Alle anderen müssen wohl weiter auf Tipps und Tricks vertrauen, um gut mit der Zeitumstellung fertig zu werden. Zu den verbreitetsten gehören: Viel frische Luft, damit es abends mit dem Schlafen klappt, nicht zu viele Gedanken machen und schon im Vorfeld jeden Tag ein paar Minuten früher ins Bett gehen.

Zeitumstellung bringt Gefahr für Wildtiere

Mit dem Beginn der dunklen Jahreszeit steigt auch die Gefahr von Wildunfällen, warnt zum Beispiel die Polizei Euskirchen. Der Grund: Mit der Zeitumstellung fällt der morgendliche und abendliche Berufsverkehr wieder verstärkt in die Dämmerungszeiten, in denen Rehe, Wildschweine und anderes Wild besonders aktiv sind. Da erfahrungsgemäß die Zahl der Unfälle in der Zeit deutlich ansteige, rät die Polizei dazu, umsichtig zu fahren und auf "Wildwechsel"-Warnschilder zu achten.

Unsere Quellen:


  • Quarks
  • Webseite der Europäischen Kommission
  • Nachrichtenagenturen KNA und dpa
  • Polizei Euskirchen

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