Erster Herbststurm

Aktuelle Stunde 23.10.2025 20:14 Min. UT Verfügbar bis 23.10.2027 WDR Von Kristina Klusen

Wetter in NRW: Schauer, Gewitter und Sturmböen bis in die Nacht

Stand:

Das Sturmtief "Joshua" bringt Regen, Gewitter und Sturmböen nach NRW. Einige Bäume sind bereits umgestürzt, die Bahn rechnet mit Einschränkungen. Auch andernorts in Europa ist das Wetter ungemütlich: Auf Korsika starb ein deutscher Tourist.

Der erste Herbststurm des Jahres zieht über NRW. Bis in die Nacht fällt teils kräftiger Regen, teilt die WDR-Wetterredaktion mit, örtlich können sich einzelne Gewitter bilden.

Dazu gibt es verbreitet Sturmböen - vor allem in Schauer- und Gewitternähe sind teils schwere Sturmböen möglich. Auch vereinzelte orkanartige Böen bis 110 km/h sind nicht ganz ausgeschlossen. Die Temperaturen liegen am Abend bei 6 bis 14 Grad, in der Nacht fallen die Werte auf 10 bis 3 Grad.

Meteorologe rät trotz "normalem Herbststurm" zur Vorsicht

Zwar spricht ARD-Meteorologe Karsten Schwanke von einem "ganz normalen Herbststurm". Doch dadurch, dass die Bäume noch immer viel Laub tragen, reichten auch nicht ganz so hohe Windgeschwindigkeiten aus, dass größere Äste abbrechen können.

"Vorsicht ist auf jeden Fall geboten. Vorsicht ist ein Gebot der Stunde für die nächsten beiden Tage." ARD-Meteorologe Karsten Schwanke

Wälder zu meiden, rät auch Diana Göke vom Regionalforstamt Arnsberger Wald. Denn herabstürzenden Ästen und Bäumen könne gar nicht so schnell ausgewichen werden, wie man denkt. "Das ist wie eine Fliegenklatsche, die dann kommt. Da kann man nicht mehr reagieren", sagte Göke dem WDR.

Feuerwehreinsätze im Rheinland, Ruhrgebiet und Münsterland

Eine Drehleiter reicht hinauf zum Werbebanner

Ein Werbebanner forderte in Dortmund den Einsatz der Feuerwehr.

Erste Ausläufer des Sturmtiefs hatten am Nachmittag das Ruhrgebiet erreicht. In der Nähe des Dortmunder Hauptbahnhofs erfassten Böen ein riesiges Werbebanner - es sah aus, als mache sich dieses selbständig. Die Feuerwehr musste anrücken und den Bereich sowie das Banner absichern. Nach Angaben der Einsatzkräfte wird die Firma, die es befestigt hatte, das Werbebanner nun vollständig abmontieren.

Die Feuerwehr steht am Unfallort

Die Feuerwehr rückte in Köln aus.

Auch im Rheinland hatten die Windböen nachmittags erste Auswirkungen. In Köln-Vingst fiel ein abgeknickter Baum auf ein Haus und mehrere Autos. Hier musste die Feuerwehr ausrücken, ein Kran kam zum Einsatz.

Einsatzkräfte zersägen einen umgekippten Baum

Einsatz in Düsseldorf

In Düsseldorf stürzte ein rund 50 Meter hoher Baum auf die Fahrbahn und begrub neun geparkte Pkw unter sich. Durch die Wucht beschädigte der Baum drei Fenster einer nahegelegenen Wohnhauses.

Der Herbststurm zog auch über die Stadt Remscheid und beschäftigte die Feuerwehr seit den Mittagsstunden. Umgestürzte Bäume und herabgefallene Äste führten zu mehreren kleinen Einsätzen - insgesamt verzeichnete die Feuerwehr hier acht Sturmeinsätze. Ein Baum stürzte auf die Solinger Straße, die zwischenzeitig voll gesperrt werden musste. Verletzt wurde durch den Sturm zum Glück niemand.

In Krefeld wurden ebenfalls umgestürzte Bäume gemeldet - laut der Feuerwehr waren es den Tag über lediglich drei Stück, einer davon fiel auf ein Auto. Für Sturmverhältnisse sei es "wirklich eine ruhige Lage", so die Feuerwehr Krefeld. Auch in Mönchengladbach war es den Angaben zufolge "eher ruhig".

Besonders viele Einsätze gab es dagegen im Rhein-Sieg-Kreis. Hier kam es zu 41 Einsätzen wegen umgestürzter Bäume. Allerdings ohne gravierende Folgen: Es wurde niemand verletzt, Häuser und Autos wurden nicht beschädigt und es gab keine Sperrungen.

Eine Fahrerin hebt ihren E-Scooter über einen umgekippten Baum. Ein Auto bleibt vor diesem stehen.

In Solingen knickten Bäume um.

Im Bergischen Land verzeichnete die Feuerwehr gegen 19.30 Uhr einen Peak für Wuppertal und Solingen. Insgesamt habe es 15 sturmbedingte Einsätze gegeben, zehn davon in der entsprechenden halben Stunde. Allerdings sei nichts dabei gewesen, was die Feuerwehr nicht hätte händeln können. Auch dort werde es jetzt ruhiger.

Im Münsterland sorgte der Herbststurm "Joshua" am Abend für zahlreiche Feuerwehreinsätze, etwa wegen umgestürzter Bäume und loser Dachziegel. Besonders betroffen war der Middendorfer Damm in Saerbeck. Mehrere Bäume stürzten dort auf die Fahrbahn und blockierten die Straße vollständig. Die Feuerwehr zerkleinerte die Bäume mit Kettensägen und räumten die Strecke wieder frei. Nach rund einer Stunde war sie wieder befahrbar.

Autobahn- und Bahnverkehr witterungsbedingt beeinträchtigt

Auf der A1 zwischen Volmarstein und Wuppertal-Ronsdorf stürzte am Nachmittag in Fahrtrichtung Köln ein Baum auf die Straße, zwischenzeitlich war nur eine Spur befahrbar. Die Folge: mehr als 15 km Stau im Feierabendverkehr. Autofahrer mussten vorübergehend über eineinhalb Stunden mehr Zeit einplanen.

Auf der Strecke zwischen Nottuln-Appelhülsen und Münster-Albachten ein umgestürzter Baum beseitigt werden. Das führte zu Beeinträchtigungen auf der Linie RE42 von Mönchengladbach nach Münster. Am frühen Abend war die Strecke wieder frei.

Im Mönchengladbacher Stadtteil Rheindalen drohte ein Teil eines 30 Meter hoher Baums abzubrechen. Weil darunter ein Gleisbett verläuft war die Bahnstrecke zeitweise gesperrt - betroffen war die RB34. Inzwischen konnte der Baum mit Spanngurten gesichert werden und die Strecke ist erstmal wieder frei.

Die Deutsche Bahn rechnet von Donnerstag bis Freitagmittag mit "Netzeinschränkungen insbesondere durch starke Sturmböen", sie schreibt: "Vorbereitende Maßnahmen sind zentral und regional getroffen."

Welche Strecken genau von unwetterbedingten Einschränkungen betroffen sind, seht ihr hier:

Flüge und Züge in den Niederlanden annulliert - ein Toter auf Korsika

Auch andere europäische Länder spüren das stürmische Wetter. In Amsterdam mussten am Flughafen Schiphol mehr als 70 Flüge gestrichen werden, zudem ist der Schienenverkehr beeinträchtigt. In der Küstenprovinz Zeeland wurden Züge annulliert. Auch Fußballspiele könnten möglicherweise abgesagt werden, hieß es. Der niederländische Wetterdienst rechnet mit Sturmböen und Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 km/h.

Ein Tragödie ereignete sich derweil auf der französischen Mittelmeerinsel Korsika. Dort kam ein deutscher Tourist ums Leben. Er wurde in einem Fluss vom steigenden Wasser mitgerissen und ertrank. Seine Frau und die zwei Kinder wurden gerettet. Woher genau die Familie stammt, ist derzeit noch unklar.

Auch am Freitag weiter ungemütlich

In der Nacht zum Freitag verlagert sich das Sturmfeld in NRW langsam nach Norden. Dann besteht vor allem im Münsterland und in Teilen von Ostwestfalen Gefahr von Sturmböen bis 80 km/h aus West. Vereinzelt kann es hier auch zu Sturmböen um 100 km/h kommen.

Am Freitagabend und in der Nacht zum Samstag lassen die Sturmböen allmählich nach. Im Bergland sind aber auch dann noch anhaltende starke bis stürmische Böen zwischen 55 und 65 km/h möglich.

Am Samstag ist es immer noch windig, dazu viele Wolken, gebietsweise Regen und nur noch 4 bis 12 Grad. Am Sonntag ähnlich grau und teilweise nass bei ähnlichen Temperaturen.

Das waren die Entwicklungen am Donnerstag. Aktuelle Informationen zum Herbststurm findet ihr hier:

Unsere Quellen:

  • WDR-Wetterredaktion
  • ARD-Meteorologe Karsten Schwanke
  • Nachrichtenagentur dpa
  • NonstopNews, tv7news
  • WDR-Interview mit Diana Göke
  • WDR-Reporter vor Ort
  • Feuerwehren und Leitstellen der Kreise in NRW

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