Welttag der Handschrift: Tod einer Kulturtechnik?

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Stirbt das klassische Schreiben mit Stiften aus? Der heutige Welttag der Handschrift soll das verhindern. Fragen an eine Sprachdidaktikerin.

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Im Alltag ist sie immer noch wichtig: Notizen, Einkaufszettel, To-Do-Listen, die Unterschrift im Arbeitsvertrag, der Liebesbrief, das Kondolenzschreiben - all das wird meist noch mit Hand geschrieben. Denn jeder Mensch hat eine unverwechselbare Schrift. Aber reicht das, um diese alte Kulturtechnik in Zeiten allgegenwärtiger Digitalisierung zu erhalten?

Fragen an die Sprachdidaktikerin Necle Bulut. Sie promovierte zur Rechtschreibentwicklung von Grundschulkindern und lehrt derzeit an der Universität Münster.

Welttag der Handschrift

WDR Studios NRW 23.01.2026 05:21 Min. Verfügbar bis 23.01.2028 WDR Online

WDR: Frau Bulut, braucht man heutzutage überhaupt noch die Handschrift?

Necle Bulut: Das Handschreiben ist einfach, leise und überall verfügbar. Wir müssen davon ausgehen, dass es ein unverzichtbares Werkzeug der Menschen ist. Es ist ökonomisch und außerdem förderlich für andere Prozesse - zum Beispiel unser Denk- oder Erinnerungsvermögen.

WDR: Schreiben ist Denken mit der Hand, sagt man. Warum geht das denn nicht digital?

Bulut: Wenn wir mit den Händen über die Tastatur flitzen, dann lernen wir nicht. Wenn man beide Prozesse miteinander vergleicht, Hand- und Tastaturschreiben, dann fällt auf, dass wir per Tastatur nahezu wörtlich mitschreiben können. Das ist eine ganz andere Geschwindigkeit als beim Handschreiben. Deswegen müssen wir beim Handschreiben manchmal auswählen, welche Information wir festhalten. Es liegt also an dem verlangsamten Prozess, dass wir einige Dinge nachhaltiger aufbewahren.

Der andere Grund ist, dass die Bewegungen völlig unterschiedlich sind. Beim Handschreiben muss ich jeden einzelnen Buchstaben nachziehen. Diese Bewegungen sind Spuren, die im Gehirn hinterlassen werden. Studien zeigen ja auch, dass Grundschulkinder sich Buchstaben besser merken können, wenn sie mit der Hand geschrieben wurden.

WDR: Dennoch setzt sich das digitale Schreiben immer mehr durch. Ist das denn so schlimm?

Bulut: Es ist eine völlig normale Entwicklung. Je mehr Werkzeuge uns zur Verfügung stehen, desto besser. Es geht gar nicht darum, das eine gegen das andere auszuspielen. Sondern man sollte sich die Frage stellen, welche Technik besser zu einer bestimmten Situation passt.

Zum Beispiel im schulischem Rahmen: Möchte ich den Prozess so verlangsamen, dass nachhaltig gelernt wird? Oder geht es mir nur darum, dass etwas so schnell wie möglich dokumentiert ist?

Es geht gar nicht darum, welche Technik besser ist. Sondern in welcher Situation ist das eine nützlicher als das andere. Necle Bulut, Sprachdidaktikerin

WDR: Stichwort Tablets an Schulen: Da schreiben Kinder mit der Hand auf ein digitales Medium. Ist das die perfekte Symbiose?

Bulut: Schüler und Schülerinnen verwenden dabei sogenannte Smartpens. Und da zeigen einzelne Studien, dass die Oberfläche des Tablets glatter als Papier ist und deshalb muss das Ganze kontrollierter ausgeführt werden. Schüler, bei denen die Handschrift weitestgehend automatisiert ist, stellt das gewöhnlich kein großes Problem dar. Wenn sie sich noch im Entwicklungsprozess befinden, ist es sinnvoll, das zunächst zu automatisieren.

Das Interview führte Andrea Oster.

Das Gespräch wurde für die Online-Version gekürzt und sprachlich bearbeitet.

Unsere Quellen:

  • Interview mit Necle Bulut im WDR 5-Morgenecho

Sendung: wdr.de, Interview mit Necle Bulut, 23.01.2026, 6.03 Uhr

Kommentare zum Thema

  • Bernd 24.01.2026, 21:21 Uhr

    Bei so einem Thema mehr als 10% gesperrte Kommentare, ich bin ehrlich gesagt entsetzt, wo ich lebe und die bekannten Störer sind noch gar nicht dabei. *kopfschüttel*

  • Franziska 1 24.01.2026, 20:21 Uhr

    Die Handschrift ist wichtig. Das Hirn bleibt in Bewegung und das Handgelenk bringt manche ökonomiesche, talentierte Fantasie aufs Papier. Der Spleen der KI sie könnte alles übernehmen und der Betreuer der Kinder und Erwachsene zu sein, da liegt die KI falsch mit der Annahme. Jeder Mensch führt seine Finger anders bei der Handschrift. Der eine kritzelt lustlos Blöcke an Buchstaben hin, der andere schreibt geschmeidig seine Sätze mit eleganten Schwung. Wer ist dümmer, keiner! Der Computer bietet eine Menge an verschiedene Handschriften an. Wozu eigentlich, für was, wenn angeblich die Handschrift der Kinder in der Schule nicht mehr gefragt sein soll? Für Leistungs-Urkunden?Es gab Mal eine Software, man konnte seine Handschrift speichern. Ich dachte mir wozu den Brief ausdrucken, er kommt beim Empfänger unpersönlich an, weil ich habe den Brief geschrieben und nicht der Computer. Einen gedruckten Brief an Freunde, Bekannte senden ist unhöflich, geschmacklos, ein No Go! Der Welttag ist OK!

  • Hubert k. 24.01.2026, 18:27 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er sich nicht auf das Thema der Diskussion bezieht. (die Redaktion)