Baustellenstrecke vom Beispielpendler | Video
WDR. 02:17 Min.. Verfügbar bis 28.05.2028.
1 Stunde und 51 Minuten. So viel länger brauchen NRWs Autofahrer im Durchschnitt auf den meist genutzten Pendlerrouten. Auf der viel befahrenen Strecke Köln-Bonn sind es jede Arbeitswoche sogar mehr als drei Stunden, die Pendler länger im Verkehr stecken. Das sind die Ergebnisse der Analyse des WDR-Datenteams zu den größten Pendlerrouten um Köln, Düsseldorf und im Ruhrgebiet.
Die Auswertung basiert auf GPS-Daten des Navigationssystem-Anbieters Tomtom, die dem WDR exklusiv vorliegen. Das Datenteam hat verglichen, wie lange man braucht, wenn man nachts bei freier Fahrt fährt - und wie lange, wenn die Fahrt morgens oder nachmittags im Berufsverkehr stattfindet.
Pendler zwischen Köln und Bonn verlieren die meiste Zeit
Etwa 300.000 Menschen pendeln allein auf den 20 größten Pendlerstrecken NRWs morgens zur Arbeit und nachmittags wieder zurück. Der Großteil davon ist im Auto unterwegs - und findet sich oft mit anderen Pendlern im Stau wieder.
Je nach Pendelstrecke sind die Unterschiede groß. Am meisten Zeit verlieren Pendler, die von Köln nach Bonn und wieder zurückfahren. Um 3 Stunden und 5 Minuten verlängert sich ihr Arbeitsweg pro Woche. Zum Vergleich: Pendler zwischen Bochum und Dortmund verlieren nur 41 Minuten an Fahrtzeit.
Lange Staus wegen Unfällen und Großbaustellen
Auf Autobahnen können Unfälle und Großbaustellen viel Zeit kosten. Ein Beispiel dafür ist die A52 zwischen Essen und Düsseldorf. Sie gilt seit Jahren als eine der staureichsten Strecken Deutschlands. In der aktuellen ADAC-Staubilanz erreichte sie bei der Anzahl der Staustunden je Autobahnkilometer bundesweit den dritthöchsten Wert.
Auch die Analyse von WDR Data zeigt: Pendler verlieren von Essen nach Düsseldorf jede Woche mehr als zwei Stunden durch Stau und Baustellen.
Baustelle auf A555 zwischen Köln und Bonn ist Zeitfresser
Die A555 zwischen Köln und Bonn ist eine der meistgenutzten Pendlerverbindungen in NRW und steckt mitten in einer Großbaustelle. Unter anderem erneuert die Autobahn GmbH Rheinland seit 2022 bei Wesseling Fahrbahnen, Lärmschutzwände und Brückenbauwerke. Ende nächsten Jahres soll die Fahrbahn wieder in beiden Richtungen frei sein.
Generell sind viele Pendlerstrecken aus und nach Köln Zeitfresser. Richtung Düsseldorf verlieren Pendler 2 Stunden und 35 Minuten ihrer Arbeitswoche auf der Straße. Mit Blick auf die unterschiedlichen Entfernungen werden Pendler auf anderen Strecken noch stärker ausgebremst.
Beispiel: Der Weg von Frechen nach Köln. Die Strecke ist nur zehn Kilometer lang und der absolute Zeitverlust deshalb nicht ganz so groß, wie auf anderen Strecken. Allerdings brauchen hier die Pendler im Berufsverkehr im Schnitt 82 Prozent länger als bei freier Fahrt - so viel wie sonst auf keiner der 20 analysierten Strecken. Der dichte Verkehr auf der B264 Richtung Innere Kanalstraße führt dazu, dass Navis teilweise die doppelt so lange Strecke über die A1 vorschlagen.
Einpendler aus Nachbargemeinden der großen Zentren müssen generell mehr Strecke bei stockendem Verkehr fahren - auch wenn sie durch die kürzeren Wege schneller ans Ziel kommen als diejenigen mit einer längeren Anfahrt.
Die nervigsten Baustellen der WDR-User
Wir hatten auch unsere WDR-User gebeten, uns zu erzählen, wie sie täglich durch die vielen Staus in NRW pendeln, welche Baustellen sie auf ihren Strecken zur Arbeit am meisten ausbremsen und was sie gerne einmal Verkehrsexperten und Planer fragen würden. Hier sind ihre Geschichten, Erfahrungen und Fragen:
Pendler zwischen Bochum und Dortmund kommen am besten voran
Auf den analysierten Strecken kommen Pendler zwischen Bochum und Dortmund am besten voran. 40 Minuten in der Woche verlieren sie im Verkehr. Große Teile der Strecke kann über die A40 gefahren werden. Zum Vergleich: Pendler zwischen Bergisch-Gladbach und Köln haben in etwa die dieselbe Streckenlänge. Sie verlieren aber wochentags 2 Stunden und 10 Minuten auf der Straße.
Wer möglichst wenig Zeit verlieren will und flexibel ist, sollte versuchen spätestens um 7 Uhr an seinem Arbeitsplatz zu sein. Danach rollt der Verkehr besonders langsam. Für die Rückfahrt sind die Zeiten vor 15 Uhr und nach 18 Uhr am besten. Freitags sind Autofahrer generell schneller unterwegs.
Tomtom erhebt anonymisierte GPS-Daten. Diese sogenannten Floating-Car-Daten stammen von Fahrzeugen, die Teil des Verkehrs sind oder waren.
Sie berücksichtigen Fahrten von professionellen Kraftfahrern sowie berufliche und private Fahrten. Erhoben werden die Daten durch tragbare oder eingebaute Navigationsgeräte und Smartphones.
Die Daten betrachten den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 30. April 2026, wobei Feiertage ausgeschlossen sind. Als Berufsverkehr am Vormittag ist die Zeit von Montag bis Freitag von 6 bis 10 Uhr definiert. Am Nachmittag ist der Berufsverkehr von Montag bis Donnerstag von 15 bis 19 Uhr und am Freitag aufgrund des veränderten Verkehrs von 13 bis 18 Uhr. Die Vergleichszeit ist die freie Fahrt von 0–5 Uhr unter der Woche.
Die Angaben der Strecken von A nach B sind immer als Hinfahrt am Vormittag und Rückfahrt am Nachmittag definiert. Dabei können die Wege unterschiedlich lang sein. Start- und Zielpunkte sind die jeweiligen geografischen Mittelpunkte der Orte.
Die verlorene Zeit durch den Verkehr beschreibt das Verhältnis der durchschnittlichen Reisezeit im Berufsverkehr zur durchschnittlichen Fahrzeit in den Nachtstunden. Dafür wird die Differenz der gesamten Reisezeit auf Hin- und Rückfahrt zur Fahrzeit auf derselben Strecke in der Nacht gebildet. Die Daten sind nicht nach der Anzahl der zurückgelegten Kilometer mit TomTom-Geräten gewichtet.
Unsere Quellen:
- Eigene Auswertung von Daten des Navigationsdienstes Tomtom
- ADAC Staubilanz 2025
- Baustellenkarte der Autobahn GmbH
- Pendleratlas Deutschland
Sendung: WDR.de, Baustellenstrecke vom Beispielpendler, 28.05.2026, 5:01 Uhr