Carfreitag - Wie aggressiv ist die Tunerszene? | Aktuelle Stunde

WDR 03:08 Min. Verfügbar bis 03.04.2028

Carfreitag in NRW: Polizei kontrollierte landesweit

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Für viele Autofans in Nordrhein-Westfalen ist der Karfreitag längst mehr als ein stiller Feiertag: Als "Carfreitag" gilt er als inoffizieller Start in die Tuning-Saison. Doch während sich zahlreiche Autofans auf Treffen freuten, kontrollierte die Polizei im ganzen Land verstärkt.

Von Marvin H. Konrad

In mehreren Regionen von NRW gab es gezielte Einsätze: Im Ruhrgebiet - etwa in Dortmund - ist die Polizei besonders gegen zu schnelles Fahren und illegale Rennen vorgegangen. In der Städteregion Aachen standen vor allem technische Kontrollen im Mittelpunkt. Beamte prüften dort verstärkt, ob die Umbauten an Fahrzeugen erlaubt sind und ob Autos zu laut unterwegs waren.

Bei der "Car Freitag"-Kontrolle in Düsseldorf wurden über 130 Fahrzeuge überprüft. Die Polizei stellte fünf Fahrzeuge sicher, die nun überprüft werden. Demnach gab es 1.462 Tempoverstöße und es wurden 39 Ordnungswidrigkeiten angezeigt. Die meisten Verkehrsteilnehmer reagierten gelassen auf ihre Kontrolle und begrüßten die Arbeit der Polizei.

In Gelsenkirchen führte die Polizei Kontrollen im gesamten Stadtgebiet durch. Dabei lag der Fokus auf bekannten Treffpunkten der Tuning-Szene. Laut Polizei kam es dabei zu keinen größeren Ansammlungen von Fahrzeugen oder Personen. Nur vereinzelt stellten die Einsatzkräfte Verstöße fest. Insgesamt bewertet die Polizei Gelsenkirchen den Einsatz positiv. Durch die frühe Präsenz der Beamten seien größere Treffen ausgeblieben, heißt es.

Im Kreis Viersen legten die Einsatzkräfte den Fokus auf sogenannte Tuner und Poser. Insgesamt wurden 150 Fahrzeuge überprüft. Dabei stellte die Polizei 82 Geschwindigkeitsverstöße und 25 weitere Verkehrsordnungswidrigkeiten fest, fünf davon mit direktem Bezug zur Tuningszene. Sieben Strafanzeigen wurden geschrieben, darunter wegen Fahrens unter Alkohol- oder Drogeneinfluss.

Der Leiter der Direktion Verkehr, Martin Peiffer, zeigte sich insgesamt zufrieden mit dem Einsatz: "Durch unsere sichtbare Präsenz konnten wir nicht angemeldete Treffen verhindern. Angesichts der festgestellten Verstöße zeigt sich, wie wichtig solche Kontrollen sind."

Fahrerflucht in Willich

Für Aufsehen sorgte ein Vorfall in Willich: Als Polizisten einen 20-Jährigen anhalten wollten, flüchtete der Fahrer zunächst, konnte aber wenig später gestellt werden. Der junge Mann soll keine gültige Fahrerlaubnis besessen und das Auto seines Vaters genutzt haben - ohne dass der davon wusste.

Auch im Rhein-Kreis Neuss führte die Polizei umfassende Maßnahmen durch. 67 Fahrzeuge und 82 Personen wurden kontrolliert, vorrangig im Stadtgebiet Jüchen. Das Ergebnis: 48 Verkehrsverstöße, darunter 39 wegen technischer Veränderungen. Zwölf Autos wurden bei Verdacht auf unzulässige Umbauten sichergestellt und sollen nun von Sachverständigen überprüft werden.

Paderborn verbietet Tuning-Treffern

Auch in Ostwestfalen wurde genau hingeschaut. In Paderborn wurden Treffen der Tuningszene am Carfreitag teilweise sogar verboten. Die Ankündigung: Verstöße könnten dort schnell Konsequenzen haben - von Bußgeldern bis hin zur Stilllegung von Fahrzeugen.

Hintergrund ist unter anderem die Entwicklung der vergangenen Jahre: Illegale Autorennen bleiben ein Problem. Im vergangenen Jahr kamen in Nordrhein-Westfalen 19 Menschen bei solchen Rennen ums Leben.

Auch künftig will die Polizei mit gezielten Maßnahmen an "Carfreitag" und darüber hinaus für mehr Sicherheit und weniger Lärm auf den Straßen sorgen.

Carfreitag - zwischen Hobby und Problem

Dabei ist die Szene selbst längst nicht so einheitlich, wie sie oft wahrgenommen wird. Viele Auto-Fans legen Wert darauf, sich klar von Rasern abzugrenzen. "Man macht sein Auto zum Unikat - aber nicht, um zu zeigen, wer der lauteste oder schnellste ist", sagt etwa ein Tuner aus Wuppertal.

"Ich selber habe einen VW Bora von 2003 (...). Den habe ich selber foliert in einer Farbe und der ist mit einem Luftfahrwerk tieferlegbar, andere Felgen sind drauf, die Frontstangen sind komplett geändert. 90 Prozent der Schrauben von dem Auto hatte ich schon in der Hand." Autotuner Matthias aus Wuppertal im Interview mit 1LIVE

Für ihn und viele andere steht die Leidenschaft für Technik, Design und Gemeinschaft im Vordergrund. Auch in der Szene wird unterschieden: Während sich viele einfach treffen wollen, um ihre Fahrzeuge zu zeigen, gibt es auch Gruppen, die durch riskantes Fahrverhalten oder gezielte Provokation auffallen. Gerade diese sorgen immer wieder für Probleme - und prägen das Bild nach außen.

Polizei: "Straßen sind keine Rennstrecken"

Aus Sicht der Polizei ist die Lage klar: Öffentliche Straßen seien kein Ort für Rennen oder Selbstdarstellung.

"Ich glaube, das Neue daran ist, dass es eine Szene dazu gibt. Also es gab immer einzelne Menschen, die zu schnell fuhren. Aber dass sich Menschen verabreden, um schnell zu rasen, um Straßenrennen zu machen, weil sie sich auch in den Sozialen Medien präsentieren wollen, was sie für tolle Hechte sind, das ist neu", sagt NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) im Interview mit dem WDR-Magazin Westpol.

Kontrolliert wurde neben der Geschwindigkeit auch Lärmbelästigung und technische Veränderungen an Fahrzeugen. Schon kleinere Verstöße können dabei Folgen haben - im schlimmsten Fall wird ein Auto direkt stillgelegt.

Tuning: Was ist erlaubt - und wo liegen die Grenzen?

Grundsätzlich gilt: Tuning ist erlaubt, solange alle Veränderungen eingetragen sind und die Verkehrssicherheit nicht gefährdet wird. Problematisch wird es, wenn Autos zu laut sind, Fahrer unnötig provozieren oder andere gefährden.

Gerade am Carfreitag kommt dabei eine besondere Situation hinzu: Viele Menschen sind unterwegs, Treffpunkte ziehen größere Gruppen an - und nicht immer lässt sich kontrollieren, wer sich wie verhält.

Szene fordert differenzierten Blick

Viele Autofans wünschen sich deshalb eine differenziertere Betrachtung. Nicht jeder, der sein Auto umbaut, sei automatisch ein "Poser" oder "Raser", heißt es aus der Community.

Für sie bleibt der Carfreitag vor allem eines: Ein Tag, um die gemeinsame Leidenschaft zu teilen. Für die Polizei dagegen war es ein Einsatzschwerpunkt, bei dem sie besonders genau hingeschaut hat.

Carfreitag: Polizei in NRW zieht Bilanz

WDR 04.04.2026 00:53 Min. Verfügbar bis 03.04.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • 1LIVE-Interview mit Autotuner Matthias aus Wuppertal
  • Interview mit Yann M. aus Troisdorf von der Tuning-Gruppe "Shifted"
  • Polizei Düsseldorf
  • Kreispolizeibehörde Rhein-Kreis Neuss
  • Kreispolizeibehörde Viersen
  • Pressemitteilung der Polizei Aachen
  • Telefongespräch mit der Polizei Düsseldorf
  • Telefongespräch mit der Polizei Köln
  • WDR-Archiv
  • Westpol-Interview mit NRW-Innenminister Herbert Reul

Sendung: WDR 5, Der Tag um 6, 02.04.2026, 18:00 Uhr
Sendung: WDR 5, Echo des Tages, 02.04.2026, 18:30 Uhr

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