Interview zur Sperrung der Nordbrücke mit Friederike Schaffrath (Autobahn GmbH)

WDR 04:02 Min. Verfügbar bis 22.06.2028

Nordbrücke in Bonn

Das sagt die Autobahn GmbH zum geplanten Neubau

Stand:

Über zwei Jahre bleibt die Bonner Nordbrücke gesperrt. Warum es nicht anders geht und weshalb sie die Zeitplanung für realistisch hält, erklärt Friederike Schaffrath von der Autobahn GmbH.

Seit Freitag, 19. Juni 2026, steht es fest: Die Bonner Nordbrücke bleibt für Lkw und Pkw vorläufig gesperrt. Die kaputte Vorlandbrücke wird abgerissen und neugebaut.

Die Nordbrücke besteht aus der rechtsrheinischen Vorlandbrücke, der Strombrücke über dem Rhein und der linksrheinischen Vorlandbrücke. Die Schäden wurden an der linksrheinischen Vorlandbrücke festgestellt. Sie ist 660 Meter lang und erstreckt sich bis über die Herseler Straße/Graurheindorfer Straße. Auch die Fahrradauffahrten sind Teil davon.

Auf dem rot markierten Brückenteil, der Vorlandbrücke, sind die Schäden aufgetreten. | Bildquelle: WDR

Nach dem Teilneubau soll die Brücke Ende 2028 wieder für den Verkehr in Bonn freigegeben werden. Fußgänger und Fahrradfahrende können die Brücke aber voraussichtlich schon Ende des Sommers wieder nutzen. Warum die Brücke so lange gesperrt bleiben muss, hat der WDR Friederike Schaffrath von der Autobahn GmbH gefragt.

Frau Schaffrath, gab es wirklich keine Chance, dass vielleicht doch die Pkw noch drüber können?

Friederike Schaffrath im Studio der Lokalzeit aus Bonn | Bildquelle: WDR

Schaffrath: Das muss ich leider mit "nein" beantworten. Wir haben die letzten zwei Wochen genutzt, um wirklich intensiv mit Fachgutachtern, aber auch mit eigenen Fachexperten die Schäden, die aufgetreten sind, zu bewerten, zu begutachten. Und das Ergebnis war recht eindeutig.

Gab es denn eine realistische Chance, dass es hätte klappen können, wenn die Gutachten ein bisschen besser ausgefallen wären?

Schaffrath: Wir haben geprüft, ob vielleicht eine Berechnung möglich ist der Statik, dass Pkw zumindest einspurig über die Brücke fahren können. Aber der statische Nachweis, der für die Sicherheit einer Brücke erbracht werden muss, konnte hier rechnerisch in der Zeit nicht erbracht werden. Dementsprechend: Nein.

Frau Schaffrath was ist denn da jetzt (Anm. der Redaktion: an der Vorlandbrücke) so schlimm kaputt?

Schaffrath: Wir haben an der Brücke schon länger kleine Schäden festgestellt, das heißt Risse, Korrosion, aber auch an den Spanngliedern. Da ist Spannstahl verbaut: Stahl, der zieht. Da haben wir an den Koppelfugen, nennt sich das, Schäden gefunden, Risse gefunden. Und diese Risse haben sich vergrößert. Das heißt, sie werden breiter. Und das haben wir über ein Rissmonitoring rausgefunden. Und das verändert die Statik des Bauwerks.

Wie nah war man an der Katastrophe, wenn man das überhaupt so sagen kann?

Schaffrath: Wir haben ein Monitoring bereits schon vor einiger Zeit installiert, das heißt, wir kennen das Bauwerk, wir wissen, wie sich das Bauwerk verhält und müssen dann natürlich entsprechend reagieren.

660 Meter ist diese Vorlandbrücke lang - und das wollen wir in zweieinhalb Jahren schaffen?

Schaffrath: Das wollen wir in zweieinhalb Jahren schaffen. Wir wollen hier funktional ausschreiben mit allen Innovationen, die die Bauwirtschaft auch anbietet, an der Stelle. Und das halten wir für realistisch.

Normalerweise dauert das alles sehr lange, darf nur keiner klagen. Aber auch da: Gibt es zumindest die Hoffnung, dass das etwas beschleunigt werden könnte, wenn Klagen kämen?

Schaffrath: Das ist ein Bauwerk, was wir in den Grenzen des bestehenden Bauwerks neu machen. Das heißt, das ist eine Erhaltung des Bauwerks, und somit haben wir weniger Eingriffe in umliegende Bereiche beziehungsweise gar keine Eingriffe. Wir haben auch bereits Voruntersuchungen gemacht im Rahmen der Ausbauplanung, was die Umwelttechnik angeht und insofern sehen wir da das Risiko recht gering.

Es gab und es gibt ja weitere Planungen, die Nordbrücke auf sechs Spuren zu erweitern. Wäre das danach überhaupt noch möglich? Oder ist dann mit so einem vorübergehenden Neubau das Thema durch?

Schaffrath: Das ist unabhängig von dem Ersatz-Neubau jetzt zu betrachten. Es ist so, dass wir dieses Verfahren parallel weiterbetreiben werden. Aber diese neue Brücke, die wir jetzt bauen, hat keine Vorteile für vorherige Beurteilung dazu.

Fahrradfahrer und Fußgänger, wie sollen die auf die Brücke kommen? Über eine Ersatzrampe? Wie sind die Chancen, dass das tatsächlich bis nach dem Sommer klappen könnte?

Die Strombrücke über dem Rhein ist unbeschadet | Bildquelle: ddp/Malte Ossowski/Sven Simon

Schaffrath: Auf der Strombrücke ist die Situation unproblematisch. Und wir wollen jetzt versuchen, zum Beispiel über Treppentürme und Rampen, die direkt an die Strombrücke anschließen, die Möglichkeit zu geben, wieder über den Rhein mit Fahrrad und zu Fuß zu kommen.

Wir drücken Ihnen und uns allen feste die Daumen, dass die Zeitplanung und alles, was da jetzt kommt, auch funktioniert. Danke sehr.

Schaffrath: Danke auch.

Das Interview führte Ralf Henscheidt am 19. Juni 2026. Für die Online-Version wurde es sprachlich geglättet und gekürzt ohne den Inhalt zu verändern.

Unsere Quellen:

  • Interview mit Friederike Schaffrath (Autobahn GmbH)
  • WDR.de-Berichte zur Bonner Nordbrücke
  • Deutsche Presse-Agentur

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bonn, 19.06.2026, 19:30 Uhr