Hitze-Sommer

Wird das Trinkwasser in NRW jetzt knapp?

Stand:

In mehreren Städten und Gemeinden in NRW soll Trinkwasser gespart werden. Steuern wir auf eine Dürre zu?

Von Lena Sterz, Niko Wiedemann

Es ist heiß. Seit Tagen schwitzen wir und die Temperaturen von über 30 Grad sollen noch bis Sonntag anhalten. Mit den Temperaturen ist auch der Wasserbedarf sprunghaft angestiegen. Laut Wasserbeschaffungsverband "Am Wiehen" liegt der Mehrverbrauch je Kommune aktuell bei bis zu 40 Prozent.

"Ausnahmezustand" im Kreis Minden-Lübbecke

Vor allem im Kreis Minden-Lübbecke hat das Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung. Schon Ende Mai rief der Wasserbeschaffungsverband in Hüllhorst, Bad Oeynhausen, Löhne und Hille dazu auf, Wasser zu sparen. Pools sollten nicht mehr befüllt, Gärten nicht mehr bewässert werden.

Wenn alle Gartenbesitzer gleichzeitig ihren Rasen wässern, kann es zu Problemen kommen. | Bildquelle: dpa/Silas Stein

Seitdem hat sich die Situation weiter zugespitzt. Deshalb wurde gestern beschlossen, dass die Trinkwasserampel am Mittwoch von "rot" auf "Ausnahmezustand" geschaltet wird: Nicht notwendige Arten der Trinkwassernutzung sollen dann verboten werden. Verstöße können dann von den Ordnungsämtern mit einem Bußgeld geahndet werden.

Netzproblem in Ostwestfalen

Die Gründe für die angespannte Lage liegen vor allem im Versorgungsnetz, erklärte Gelsenwasser-Sprecherin Heidrun Becker. Das Problem sei nicht, dass es generell zu wenig Trinkwasser gibt, sondern dass vor allem abends alle gleichzeitig den Hahn aufdrehen und das Netz nicht darauf ausgelegt ist: "Abends duschen viele und bewässern ihre Gärten", so Becker.

Oliver Krischer, Umwelt- und Verkehrsminister | Bildquelle: WDR

Ähnlich äußerte sich auch NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne): "Einige wenige Wasserwerke in NRW kommen aufgrund technischer Restriktionen bei Speichern und Leitungen an Grenzen, diese sprunghaft gestiegene Nachfrage kurzfristig zu decken."

Kommunen schränken Wasserentnahme ein

Neben dem Kreis Minden-Lübbecke rufen auch Bielefeld, Rheda-Wiedenbrück, Rietberg und der Kreis Siegen-Wittgenstein zum Wassersparen auf. In Köln und Bonn ist die Wasserentnahme aus Bächen bis voraussichtlich Ende Oktober verboten, weil die Pegelstände so niedrig sind.

Ähnlich sieht es im Kreis Euskirchen aus: Dort ist es bis Ende September verboten, Wasser aus Flüssen und Bächen mit Pumpen abzuschöpfen.

Trinkwassersituation in Jülich wieder entspannt

In Jülich hat sich die Trinkwassersituation dagegen entspannt. Auch hier gab es Ende Mai Versorgungsprobleme, weil der Wasserverbrauch so hoch war: "Besonders in den Nachtstunden, in denen sich die Wasserspeicher normalerweise nachfüllen, hat sich der Verbrauch mehr als verdoppelt", erklärte damals Uwe Macharey, Technischer Leiter der Stadtwerke Jülich.

Das benachbarte Wasserwerk in Aldenhoven konnte inzwischen aber Abhilfe schaffen. Um in Zukunft Versorgungsengpässe zu vermeiden, soll Jülich bald ein neues Wasserwerk bekommen, das deutlich höhere Aufbereitungskapazitäten und Abgabemengen ermöglicht.

Immer mehr Pools in NRW

Offenbar immer beliebter: ein Pool im Garten. | Bildquelle: WDR / picture alliance / dpa Themendienst / Nestor Bachmann

Parallel zu den Temperaturen ist offenbar auch die Zahl der privaten Pools in Gärten in den letzten Jahren gestiegen: Laut einer Datenanalyse von Immobilienscout 24 hat sich die Zahl der angebotenen Häuser mit Pool zum Kauf in der Zeit zwischen 2014 und 2024 verdreifacht. Bei den Mietangeboten gab es 2024 doppelt so viele Pools wie zehn Jahre zuvor.

Wasserknappheit beschäftigt Land und Kommunen

Die Einschätzung des Städte- und Gemeindebunds NRW ist, dass aktuell eher Gegenden von Wasserknappheit betroffen sind, in denen Grundwasser für die Versorgung mit Trinkwasser entscheidend ist: "Grundwasserkörper füllen sich nur über sehr lange Zeiträume wieder auf und stehen durch den Klimawandel zusätzlich unter Druck", sagte ein Sprecher dem WDR.

"Auch wenn Wasserknappheit momentan kein Thema in ganz NRW ist, sind die Vorsorge hinsichtlich Mangellagen und der Umgang mit ihnen etwas, womit sich das Land und die Kommunen intensiv beschäftigen", so der Verband.

Durch längere Trockenzeiten werde es in der Zukunft voraussichtlich öfter zu Engpässen kommen. Im Notfall müsse immer erst dafür gesorgt werden, dass genug Trinkwasser da ist.

Kreis Euskirchen schränkt Wasserentnahme ein

WDR 23.06.2026 00:35 Min. Verfügbar bis 22.06.2028

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Unsere Quellen:

Sendung: WDR 2 Köln, Lokalzeit, 23.06.2026, 06:32 Uhr