Ein Mann betankt an einer Tankstelle sein Auto.

Ölpreise sinken: Wird Tanken jetzt günstiger?

Stand:

Gute Nachrichten für alle Autofahrer: Die Preise für Benzin und Diesel an den Zapfsäulen sind im April wieder etwas gesunken. Wie kommt das? Und gibt es Chancen, dass der Sprit vielleicht bald noch billiger wird?

Von Ute Scheyns

Tanken ist im April wieder etwas günstiger geworden. Das zeigt eine Auswertung des Automobilclubs ADAC für April. Danach hat der Liter Super E10 im April bundesweit durchschnittlich 1,68 Euro gekostet. Diesel lag bei 1,57 Euro pro Liter. Seit Februar sind die Spritpreise in Deutschland allmählich gesunken und haben seit dem Wochenende nochmals nachgegeben. Doch im Verhältnis zu den aktuellen Rohölpreisen seien sie immer noch zu hoch, kritisiert der ADAC.

Warum sinken die Spritpreise jetzt?

Das liegt vor allem daran, dass Rohöl billiger geworden ist. Benzin und Diesel werden aus Rohöl hergestellt. Deswegen ziehen sinkende Ölpreise auch die Spritpreise nach unten. Die Preise für Öl sowie für Benzin und Diesel bilden sich durch Angebot und Nachfrage an speziellen Rohstoffbörsen.

Der Hintergrund für die aktuelle Preisentwicklung: Das Ölkartell OPEC+ hat am Wochenende angekündigt, mehr Öl zu fördern. Das Kartell will die Fördermenge deutlich stärker ausweiten, als ursprünglich erwartet worden war. Das lässt den Ölpreis sinken.

Warum sorgt ausgerechnet das Ölkartell für sinkende Ölpreise?

Eigentlich verstößt das Kartell mit seiner Entscheidung gegen sein ureigenes Interesse, den Ölpreis möglichst hoch zu halten. Doch innerhalb des Kartells hatte es Zoff unter den Mitgliedern gegeben. Der Grund: Einige Förderländer hatten mehr gefördert, als vereinbart war. Darüber war vor allem Saudi-Arabien als größter Öl-Produzent verärgert und hat dafür gesorgt, dass nun die Fördermenge insgesamt erhöht wird.

Als Reaktion darauf ist der Ölpreis abgestürzt - auf unter 60 US-Dollar pro Barrel - und hat damit ein Vierjahrestief erreicht. Diese Entwicklung nimmt das Kartell offenbar in Kauf, um die aus seiner Sicht "uneinsichtigen Förderländer" unter Druck zu setzen. Damit sie sich wieder an die "Spielregeln" halten.

Ein Kalkül dabei könnte aber auch sein, durch den Preissturz die Schieferölproduzenten in den USA aus dem Markt zu drängen. Aus Sicht des Kartells sind sie eine unliebsame Konkurrenz. Schieferöl wird durch sogenanntes Fracking gefördert. Das Verfahren ist teuer und lohnt sich erst, wenn der Ölpreis hoch genug ist.

Welche Rolle spielen die Zollkonflikte für Öl- und Spritpreise?

Der Rohölpreis ist bereits seit Jahresanfang kontinuierlich gesunken. Die Zollkonflikte, die US-Präsident Trump vom Zaun gebrochen hat, spielen dabei eine wesentliche Rolle. Denn Zölle sind schlecht für den Handel. Die Investoren erwarten, dass die Weltwirtschaft deswegen in diesem Jahr weniger stark wachsen wird. Die Folge ist, dass die Unternehmen weniger Öl nachfragen. An den Börsen spiegeln sich die pessimistischen Erwartungen in Form sinkender Ölpreise wider. Das Ergebnis kommt zeitverzögert an der Zapfsäule und im Heizkeller an.

Wie entwickeln sich die Spritpreise über den Sommer weiter?

Ob die Spritpreise weiter sinken, lässt sich schwer vorhersagen. Das hängt auch davon ab, wie sich der Ölpreis entwickelt. Und der wird zu einem Großteil von wirtschaftlichen Aussichten bestimmt, die sich allerdings schnell ändern können.

Zurzeit gibt es viele Unsicherheiten - Stichwort: US-Zölle. Wenn sich die USA und China einig werden, dürfte das den Ölpreis tendenziell wieder aufwärts treiben. Unklar ist auch, wie sich die Lage im Nahen Osten entwickelt, wo viele Ölproduzenten sitzen. Deswegen lässt sich die Entwicklung von Öl- und Spritpreisen kaum vorhersagen. Was sich jedoch sicher sagen lässt: Wenn die OPEC das Angebot an Öl erhöht, dann drückt das tendenziell den Preis nach unten. Für Verbraucher ist der Zoff im Kartell deshalb eine gute Nachricht.

Wie kann ich beim Tanken am besten Sprit sparen?

Die Preisunterschiede im Tagesverlauf an ein- und derselben Tankstelle sind groß. Der ADAC rät, abends zwischen 19 und 20 Uhr sowie zwischen 21 und 22 Uhr zu tanken. Der Automobilclub hat ausgewertet, dass Benzin morgens kurz nach sieben Uhr im Schnitt 6,4 Cent teurer ist und Diesel 7,3 Cent. Wer sparen möchte, nutzt am besten eine der Preisvergleichs-Apps und meidet Autobahn-Tankstellen.

Benzinpreisrutsch: Unter Fahrern

WDR Studios NRW 07.05.2025 02:43 Min. Verfügbar bis 07.05.2027 WDR Online

Quellen:

  • Agenturmaterial
  • Tagesschau.de
  • ARD-Börse
  • Automobilclub ADAC
  • Bundeskartellamt: https://www.bundeskartellamt.de/DE/Aufgaben/MarkttransparenzstelleFuerKraftstoffe/TankApps/tankapps_node.html

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