Bilanz der Silvesternacht

Aktuelle Stunde 01.01.2026 33:50 Min. UT Verfügbar bis 01.01.2028 WDR Von Jochen Hilgers

Silvester-Nacht in NRW: Brände, tödliche Unfälle und viel Polizei

Stand:

Die Menschen in NRW feierten den Jahreswechsel. Die Silvester-Nacht verlief zwar überwiegend friedlich, mancherorts hatten die Einsatzkräfte allerdings einiges zu tun. In Bielefeld sind zwei 18-Jährige durch selbstgebaute Pyrotechnik gestorben.

Ausgelassene Stimmung in NRW zum Jahreswechsel 2025/2026: Vielerorts gab es große und kleine Partys. Auf dem Friedensplatz in Dortmund zum Beispiel feierten tausende Menschen unter dem Motto: "Miteinander. Für Dortmund." Anderswo hatten Polizei und Feuerwehr jedoch einiges zu tun.

WDR aktuell, 6 Uhr - Silvesternacht NRW Überblick

WDR Studios NRW 01.01.2026 00:49 Min. Verfügbar bis 01.01.2028 WDR Online

Insgesamt zählte die Polizei in ganz NRW 4.079 Einsätze, ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Außerdem wurden 30 Mal Polizisten und Polizistinnen angegriffen, meistens wurden sie aus einer Gruppe heraus mit Pyrotechnik beworfen. 22 der Einsatzkräfte erlitten Verletzungen.

1.396 Platzverweise wurden erteilt (plus 16 Prozent), 154 Personen in Gewahrsam genommen (minus neun Prozent) und sieben Personen vorläufig festgenommen (13 ein Jahr zuvor). Körperverletzungsdelikte wurden in 263 Fällen (minus 27 Prozent) zur Anzeige gebracht. In 168 Fällen kam es zu gefährlichen Körperverletzungen.

Zwei tödliche Unfälle durch Pyrotechnik in Bielefeld

In Bielefeld kam es am Silvesterabend zu zwei tödlichen Unfällen zweier 18-Jähriger, wie die Polizei in der Nacht mitteilte. Grund dafür sei eine "unsachgemäße Handhabung von Pyrotechnik".

Die beiden jungen Männer brachten an unterschiedlichen Orten ihre selbstgebaute Pyrotechnik unkontrolliert zur Explosion. Dabei erlitten sie tödliche Gesichtsverletzungen. Nach derzeitigem Ermittlungsstand liegen in beiden Fällen keine Hinweise auf Fremdverschulden vor. Ein weiterer junger Mann erlitt nach Angaben der Polizei leichte Verbrennungen und wurde in ein Krankenhaus gebracht. 

Die Todesfälle in Bielefeld sind tragisch, weil sie sinnloser kaum sein könnten. Landesinnenminister Herbert Reul (CDU)

Polizei hatte einiges zu tun - zum Teil Angriffe auf Einsatzkräfte

Während auf dem Friedensplatz in Dortmund friedlich gefeiert wurde, musste die Polizei in der Nähe davon, auf dem Platz von Leeds, mehrmals einschreiten. Unter anderem beschossen sich Gruppen junger Leute gegenseitig mit Raketen, wie WDR-Reporter Michael Westerhoff beobachtete.

Am Philosophenweg in Essen wurden Mülltonnen angezündet und Polizei sowie Feuerwehr vereinzelt mit Raketen beschossen. Auch an anderen Orten in Essen sei es in Einzelfällen zu gezieltem Beschuss von Einsatzkräften gekommen.

In Bonn war der Einsatzschwerpunkt der Polizei in den Stadtteilen Tannenbusch und Dransdorf. Zusammengefundene Personengruppen behinderten die Arbeit der Feuerwehr erheblich, hieß es. Fahrzeuge und Einsatzkräfte wurden gezielt mit Feuerwerkskörpern beschossen und mit Böllern beworfen.

In Duisburg wurden ein Feuerwehrfahrzeug sowie ein Gerätehaus mit Raketen beschossen. Ein Feuerwehrmann sei während eines Einsatzes durch einen gezielten Böllerwurf verletzt worden und habe ein Knalltrauma erlitten, hieß es. 

In einem Quartier in Solingen, in dem vor zwei Jahren randaliert wurde, hat es offenbar wieder Versuche gegeben, Barrikaden zu errichten. Müllcontainer wurden auf die Straße gezogen und angezündet. Die Feuerwehr hatte diese aber schnell wieder gelöscht.

In der Innenstadt von Recklinghausen richtete ein 17-Jähriger eine Feuerwerksbatterie in Richtung eines unbesetzten Streifenwagens, wie die Polizei in der Nacht mitteilte.

In Dormagen-Hackenbroich eskalierte die Situation bei einer Versammlung von mehreren Hundert Personen. Als die Einsatzkräfte eintrafen, wurden sie mit Pyrotechnik beworfen.

Hagen: Schüsse aus Schreckschusspistolen - versuchtes Tötungsdelikt in Düsseldorf

In Hagen feierten auf mehreren Plätzen große Menschengruppen. Die Polizei sprach Platzverweise gegen Personen aus, die missbräuchlich Feuerwerkskörper entzündeten. Zudem stellten die Einsatzkräfte mehrere Personen fest, die Schreckschusspistolen abfeuerten. Die Beamten stellten die Waffen sicher.

In Düsseldorf kam es in der Altstadt am frühen Neujahrsmorgen zu einem versuchten Tötungsdelikt. Nähere Angaben zu Verletzten machte ein Polizeisprecher zunächst nicht. Ein 17 Jahre alter Tatverdächtiger wurde festgenommen, außerdem zwei seiner Begleiter. Eine Mordkommission sei gebildet worden und ermittle.

Menschenmenge an der Rheintreppe am Burgplatz in Düsseldorf

Menschenmenge an der Rheintreppe am Burgplatz in Düsseldorf

An der Rheintreppe am Burgplatz waren zuvor mitten in die Menschenmenge immer wieder Böller und Raketen geworfen worden, obwohl dort ein Böllerverbot gilt. Etwa 500 bis 600 Menschen hatten sich versammelt. Die Polizei musste immer wieder dazwischengehen, berichtet WDR-Reporter Joerg-Peter Wirth. Insgesamt verlief die Silvesternacht in der NRW-Landeshauptstadt jedoch ruhiger als im Vorjahr, so die Polizei.

Bei einem Streit in einer Kneipe in Leverkusen hat ein 33-Jähriger Stichverletzungen erlitten. Der Mann liegt auf der Intensivstation, Lebensgefahr besteht offenbar nicht. Nach den beiden Unbekannten, die für den Angriff verantwortlich sein sollen, wird gefahndet.

In Krefeld, Mönchengladbach, im Kreis Mettmann und im Kreis Viersen gab es keine besondere Vorkommnisse, wie die Leitstellen der Polizei auf WDR-Anfrage mitteilten.

In Köln gab es nach der vorläufigen Bilanz der Polizei - wie in den früheren Jahren auch - eine erhöhte Anzahl an Einsätzen. Gründe seien etwa illegales Abbrennen von Pyrotechnik gewesen, aber auch Körperverletzungsdelikte, die meist mit Alkoholkonsum zusammenhingen. Die Polizei habe mehrere Personen in Gewahrsam genommen und Strafanzeigen wegen Widerstandes gegen Polizeibeamte gestellt. 

Streit auf Silvesterfeier: Mann fährt Fußgänger an

Nach einem Streit auf einer privaten Silvesterfeier soll ein 60-Jähriger in Kreuztal-Bockenbach (Kreis Siegen-Wittgenstein) drei Fußgänger vorsätzlich angefahren haben. Ein 22-jähriger Mann habe schwere Verletzungen erlitten, teilte die Polizei mit. Zwei 23 und 25 Jahre alte Männer seien leicht verletzt worden. 

Größere Brände unter anderem in Hagen, Köln und Wuppertal

Mehrere größere Brände forderten die Feuerwehren in NRW in der Silvesternacht - unter anderem im Osten von Wuppertal gab es einen Großeinsatz. Der Keller eines Supermarktes stand auf einer Fläche von rund 450 Quadratmetern in Vollbrand. Die Feuerwehr kämpfte unter schwierigen Bedingungen gegen die Flammen.

In Hagen brannten mehrere Dachstühle. Das Feuer habe von einem brennenden Baum zunächst auf ein Haus übergegriffen, sagt ein Polizeisprecher. Von dort hätten die Flammen die Dächer zweier weiterer Objekte eines Gebäudekomplexes in Brand gesetzt. Die Gebäude brannten vollständig aus. Ob die Brandursache auf Feuerwerkskörper zurückgeht, ist noch unklar.

In Köln im Stadtteil Weiden kam es am Abend zum Brand eines Balkons im zehnten Stock eines Hochhauses. Die Flammen schlugen auch auf den Balkon darüber aus. Das Feuer konnte zwar bald gelöscht werden, aber eine der Wohnungen ist nicht mehr bewohnbar, wie die Feuerwehr mitteilte. Ein WDR-Reporter hatte beobachtet, dass über dem Gebäude zuvor zahlreiche Feuerwerkskörper gezündet worden waren. Auch aus Herdecke und Dortmund wurden Balkon-Brände in Hochhäusern gemeldet.

In mehreren NRW-Städten kam es zu Bränden in Mehrfamilienhäusern - etwa in Bottrop oder in Lotte im Kreis Steinfurt. In Wuppertal-Cronenberg brannte eine Wohnung in der siebten Etage komplett aus. Alle 52 Bewohnerinnen und Bewohner hätten das Haus verlassen müssen, berichtete ein Polizeisprecher. In Recklinghausen löschte die Feuerwehr einen Brand in einem Einfamilienhaus. In Solingen fingen Holzpaletten neben einem Firmengebäude Feuer.

Böllerverbotszonen und viel Polizeipräsenz

Fahrzeuge der Bundespolizei stehen auf einem Parkplatz am Ausgang des Hauptbahnhofs

Silvester in Köln: Bundespolizei-Fahrzeuge am Hauptbahnhof

Mit lokalen Böllerverbotszonen und starker Polizeipräsenz hatte sich Nordrhein-Westfalen für die Silvesternacht gewappnet. Das Polizeiaufgebot war in diesem Jahr noch einmal aufgestockt worden auf landesweit 7.600 Polizistinnen und Polizisten.

Hohe Feinstaubbelastung zum Jahreswechsel in NRW

In vielen NRW-Städten ist die Feinstaubbelastung in der Silvesternacht extrem angestiegen. Die höchsten Werte stellte das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW in Duisburg und Essen fest. Untersucht wurde die Luftqualität in der Stunde nach Mitternacht. 

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen von WDR-Reportern vor Ort
  • Polizeien in NRW auf WDR-Anfrage
  • Pressemitteilungen von Polizei und Feuerwehr
  • Nachrichtenagentur dpa

Sendung: WDR 2, Nachrichten, 01.01.2026, 6 Uhr

Rettungsdienst an Silvester: "Neues Eskalationsniveau"

WDR 5 Morgenecho - Interview 31.12.2025 04:53 Min. Verfügbar bis 31.12.2026 WDR 5

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Silvester in NRW - WDR aktuell Hörfunknachrichten um 1.00 Uhr

WDR Studios NRW 01.01.2026 00:52 Min. Verfügbar bis 01.01.2028 WDR Online

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