"Schnitzeljagd gegen das Vergessen" in Iserlohn
WDR. 03:15 Min.. Verfügbar bis 08.05.2028.
"Warum wurden jüdischen Familien verfolgt? Religion und Herkunft, Beruf oder Wohnort?" Louis Dahlhaus liest die Frage vom Smartphone vor. Der 17-Jährige steht mit anderen Jugendlichen mitten in der Iserlohner Fußgängerzone vor einem Juweliergeschäft. "Religion und Herkunft" antwortet die Gruppe.
Mit Hilfe des Smartphones und QR-Codes auf den Spuren der NS-Opfer
Zu den Füßen der Jugendlichen liegen vier Stolpersteine. Sie erinnern an die Ermordung von Walter und Hedwig Ehrlich und ihre beiden Söhne, die 1942 in Iserlohn von den Nazis deportiert und ermordet wurden. Im Vorbeigehen könnte man die Stolpersteine glatt übersehen. Aber das Smartphone hat die Schüler des Friederike-Fliedner-Berufskollegs genau hier hingeführt.
"Menschlichkeit beginnt dort, wo Erinnerung nicht endet." - Das ist unser Leitspruch gewesen. Gretha Ellermann (17) und Zahide Celik (21)
Aktiv erkunden statt Geschichtsbücher
"Wir dachten, dass es so viel spannender wird, rumlaufen und Fragen beantworten", erzählt die 21-jährige Zahide Celik. Sie hat die "Schnitzeljagd gegen das Vergessen" im städtischen Jugendprojekt "augen auf! für Iserlohn" mitentwickelt. Zusammen mit Gretha Ellermann und anderen Jugendlichen hat sich die Berufskollegschülerin die Fragen für die einzelnen Stationen überlegt.
Gretha Ellermann (17) und Zahide Celik (21) haben die Schnitzeljagd gegen das Vergessen mitentwickelt.
An jeder der zehn Gedenkorte scannen die Schüler und Schülerinnen mit dem Smartphone einen QR-Code. Auf dem Bildschirm zeigt ein GPS-gesteuerte Pfeil die Richtung zum nächsten Gedenkort an.
Mit anderen Augen durch die Innenstadt
"Ich leb‘ hier schon mein ganzes Leben und wusste gar nicht, dass es so viele Gedenkstellen für die Opfer des Nationalsozialismus gibt", wundert sich Fabianne Slowinski, 21 Jahre. Sie würde jetzt in Zukunft öfter an die NS-Opfer denken, wenn sie durch die Innenstadt läuft. Genau das war das Ziel des Projektes, das von Jugendlichen mit Hilfe von Mitarbeitern des Städtischen Kinder- und Jugendzentrum umgesetzt wurde: Bewusstein schaffen.
Über 300 Schüler und Schülerinnen haben die Schnitzeljagd gegen das Vergessen in dieser Woche genutzt. Passend zum Tag der Befreiung am 8. Mai, dem Gedenktag zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Mit Smartphone und Quiz haben sie sich an Opfer des Nationalsozialismus in ihrer Heimatstadt erinnert.
Unsere Quellen:
- Projekt "augen auf! für Iserlohn" vom Städtischen Kinder- und Jugendzentrum Karnacksweg Iserlohn
- Schüler Louis Dahlhaus
- Schülerin Gretha Ellermann
- Schülerin Zahide Celik
- Beobachtungen und Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Schnitzeljagd gegen das Vergessen in Iserlohn, 08.05.2026, 08:41 Uhr