Landgericht Siegen

Mann aus dem Kreis Olpe angeklagt Betäubt, missbraucht, gefilmt?

Stand:

Am Landgericht in Siegen ist heute ein Prozess gestartet, der bereits im Vorfeld für große Aufmerksamkeit sorgte. Ein 43-jähriger Mann aus dem Kreis Olpe muss sich wegen schwerer Sexualstraftaten verantworten.

Angeklagt sind laut einer Sprecherin des Landgerichts neun Taten zwischen März 2023 und Mai 2025. Die meisten davon betreffen die damalige Ehefrau des Mannes. Bei zwei Taten soll der Angeklagte sexuelle Handlungen an seiner Ehefrau vorgenommen haben, während sie geschlafen habe oder aus anderen Gründen bewusstlos gewesen sei.

Ob sie gezielt betäubt wurde, ist bislang unklar. Das Ganze soll der Angeklagte gefilmt haben. Neben den sexuellen Handlungen soll er auch den Alltag des Paares durch installierte Kameras dokumentiert haben.

Erinnerungen an internationalen Fall

Einige Aspekte des Falls könnten an den Fall der Französin Gisèle Pelicot erinnern, der weltweit für Aufsehen und Entsetzen gesorgt hatte. Sie war über Jahre hinweg von ihrem Mann und anderen Männern vergewaltigt, betäubt und ohne ihr Wissen bei dem Missbrauch gefilmt worden.

Der Prozess gegen ihren Ex-Mann und 50 Mitangeklagte endete im Dezember 2024 mit einem Schuldspruch für die Angeklagten.

Von Ex-Frau und Freundin angezeigt

Bei weiteren Taten soll der Angeklagte versucht haben, sexuelle Handlungen an seiner Ehefrau vorzunehmen und sie dabei mit körperlicher Gewalt so angegangen zu sein, dass sie sich eine Verstauchung und eine Zerrung zugezogen habe. Seine spätere Freundin soll der Angeklagte vergewaltigt und so gewürgt haben, dass sie kaum noch Luft bekam.

Außerdem soll er seine dann Ex-Frau nach der Trennung 2023 telefonisch bedroht haben. Sie hatte ihn etwa einen Monat nach der Trennung zum ersten Mal angezeigt. Auch seine anschließende Freundin erstattete Anzeige.

Polizei fand Waffen auf dem Gelände

Auch der Verstoß gegen das Waffengesetz ist Gegenstand der Anklage. Im Zuge der Ermittlungen hatte es 2023 zwei größere Polizeieinsätze bei dem Angeklagten zu Hause gegeben. Dabei wurden auch Schusswaffen und Munition entdeckt.

Ein separates Verfahren wurde später eingestellt. Die übrigen Vorwürfe wogen deutlich schwerer, so der Verteidiger des Angeklagten Martin Kretschmer aus Bonn.

Wegen Wiederholungsgefahr in U-Haft

Laut seines Verteidigers bestreitet sein Mandant sämtliche Anschuldigungen. Er habe weder seine Ehefrau oder Freundin sexuell missbraucht, noch habe er seiner Frau Substanzen verabreicht, um sie zu betäuben. Sein Mandant wolle sich vor Gericht umfassend äußern, sagte Kretschmer im Gespräch mit dem WDR.

Gerichtsgebäude in Siegen

Insgesamt sind acht Verhandlungstage vor dem Siegener Landgericht angesetzt

Eigentlich war das für den ersten Verhandlungstag geplant, aus organisatorischen Gründen wird das jetzt erst später stattfinden. Der Angeklagte sitzt seit Oktober wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft.

Ob dieser Fall tatsächlich an den von Gisèle Pelicot erinnert, wird der Prozess zeigen. Insgesamt sind derzeit acht Verhandlungstage angesetzt.

Mann wegen schwerer Sexualstraftaten angeklagt

WDR 20.04.2026 00:46 Min. Verfügbar bis 19.04.2028

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Unsere Quellen:

  • Landgericht Siegen
  • Strafverteidiger Martin Kretschmer
  • Recherchen der WDR-Reporterin

Sendung: WDR 2 Südwestfalen, Lokalzeit, 20.04.2026, 7:31 Uhr

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