Solidarität mit Wagenbauer Jacques Tilly
Aktuelle Stunde . 21.12.2025. 39:18 Min.. UT. Verfügbar bis 21.12.2027. WDR. Von Piet Keusen.
An der Veranstaltung nahmen viele Düsseldorfer Karnevalisten teil. Jacques Tilly selbst war auch da. Zuvor war bekannt geworden, dass ein russisches Gericht ein Strafverfahren wegen Putin-kritischer Karnevalswagen gegen ihn einleitet. Wie auf der Seite des Moskauer Gerichts zu lesen ist, muss sich Tilly wegen Verunglimpfung der russischen Armee verantworten.
Auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat zur Solidarität aufgerufen. "Kunst und Karneval sind gelebter Ausdruck unserer demokratischen Meinungsfreiheit", sagte Wüst der "Rheinischen Post" (Samstagsausgabe). "Dass Russland jetzt gegen Jacques Tilly wegen seiner Mottowagen ein Strafverfahren eingeleitet hat, offenbart wieder einmal, dass Despoten und Autokraten Kunst immer dann fürchten, wenn sie sich nicht vereinnahmen lässt", sagte er weiter.
Studentin aus Bonn in Abwesenheit zu Gefängnisstrafe verurteilt
Wüst und Tilly (r.) bei der Verleihung des Landesverdienstordens
Schon mehrfach hat Tilly für den Düsseldorfer Rosenmontagszug Wagen entworfen, die Putin als blutrünstigen Kriegstreiber darstellen. Im Mai 2024 hatte er außerdem im Auftrag des Vereins "Freies Russland NRW" einen Pappmaché-Putin in Handschellen gebaut und die Figur nach Den Haag vor das Gebäude des Internationalen Gerichtshofs gestellt. Die erste Anhörung vor Gericht ist für den 24. Dezember angesetzt.
Ministerpräsident Wüst betonte, das Grundrecht der Kunstfreiheit sei kein Gnadenrecht, das gewährt oder verweigert werden könne. Es sei ein wichtiger und immer neu zu sichernder "Schatz einer freien Gesellschaft".
Gerade in Zeiten, in denen autoritäre Regime weltweit versuchen, Kritik zum Schweigen zu bringen, ist unsere Solidarität mit freien Künstlerinnen und Künstlern unverzichtbar. Hendrik Wüst (CDU), Ministerpräsident NRW
Warum ausgerechnet Jacques Tilly mit einer Klage belegt wird, obwohl der russische Staat ein Urteil wohl nicht vollstrecken kann? Das Vorgehen sei Teil einer Taktik, um auch hierzulande Menschen einzuschüchtern und daran zu hindern, sich gegen Russland zu solidarisieren, sagt Yuri Nikitin vom Verein "Freies Russland NRW". So sei bereits eine Studentin aus Bonn, ebenfalls Vereinsmitglied, in Abwesenheit zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Sie hatte in ihrem Telegramkanal ein kritisches Video gepostet.
Künstler gibt sich kämpferisch
Tilly selbst hatte die Nachricht äußerst entspannt aufgenommen. Angst habe er keine, sagte er dem WDR: "Es ist immer eine gefährliche Sache wenn Despoten, Demagogen und Diktatoren die Narren kurz vor Rosenmontag reizen."
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- WDR-Interview mit Yuri Nikitin vom Verein "Freies Russland NRW"
- WDR-Interview mit Jacques Tilly
- Rheinische Post
Sendung: WDR.de, Klage gegen Tilly: Despoten fürchten Kunst, sagt Hendrik Wüst, 19.12.2025, 18.00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 19.12.2025, 18.45 Uhr