Darum trifft die Führerscheinreform Ruhrgebiets-Fahrlehrer besonders
03:17 Min.. Verfügbar bis 03.02.2028.
Darum trifft die Führerscheinreform Ruhrgebiets-Fahrlehrer besonders
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Weil viele hoffen, dass der Führerschein bald günstiger wird, fehlen Fahrschulen im Moment die Schüler - vor allem im Ruhrgebiet. Hier machen sich zahlreiche Fahrschulbesitzer Sorgen um ihre Existenz und die Jobs ihrer Fahrlehrer.
50 bis 70 Prozent weniger neue Fahrschüler seit Oktober - davon berichtet ein Fahrlehrer. Er hat Angst, dass noch weniger Fahrschüler kommen, wenn er sich namentlich zitieren lässt. Seine Fahrschule hat er erst im vergangenen Jahr geöffnet, ein neuer Fahrlehrer arbeitet erst seit wenigen Monaten dort: "Wenn das so weitergeht, muss ich ihn entlassen."
An einer Dortmunder Fahrschule gab es bereits mindestens eine Kündigung, weil es nicht mehr genug Arbeit für die Fahrlehrer gibt. Ein Fahrschulinhaber, der selbst nicht vom Einbruch betroffen ist, wettert wegen der schwierigen Situation seiner Kollegen gegen die Bundespolitik: Die Ideen des Verkehrsministers seien "Quatsch", sagt er.
Weniger als halb so viele Neuanmeldungen
Im Oktober hat Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) angekündigt, den Führerschein günstiger und vielleicht sogar einfacher zu machen. Unter anderem soll der verpflichtende Theorieunterricht in Präsenz wegfallen, stattdessen sollen Lern-Apps wichtiger werden. Außerdem will der Minister Fahrstunden durch Übungen an Fahrsimulatoren ersetzen. 3400 Euro kostet der Führerschein laut Bundesverkehrsministerium momentan.
Nach der Ankündigung sind bei den Fahrschulen in NRW die Anmeldezahlen eingebrochen. 87 Prozent der Fahrschulen hatten im November und Dezember weniger Neuanmeldungen zum Führerschein als im Vergleichszeitraum letztes Jahr. Und bei den betroffenen Fahrschulen sind es gleich 56 Prozent weniger Anmeldungen, gaben sie selbst gegenüber dem Fahrlehrer-Interessensverband Moving an. Diese Zahlen decken sich mit dem, was Fahrlehrer im Ruhrgebiet dem WDR berichtet haben.
Viel ÖPNV, wenig Geld - im Ruhrgebiet warten junge Menschen erst recht
Die Fahrlehrer im Ruhrgebiet leiden nochmal stärker unter den Ankündigungen als andere Fahrschulen in NRW, sagt Raphael Morsmann vom Fahrlehrerverband Westfalen: "Bei den Rückfragen unserer Mitglieder stellen wir fest, dass das Ruhrgebiet besonders stark betroffen ist. Es trifft am häufigsten bevölkerungsdichte und finanzschwache Regionen."
Was bei den Fahrlehrern die Krise nochmal verstärkt, ist die Flexibilität von jungen Menschen im Ruhrgebiet. Denn hier könnten diese vergleichsweise gut mit Bus und Bahn von einem Ort zum anderen fahren, erklärt Kurt Bartels vom Fahrlehrerverband Nordrhein.
Dieses Jahr wohl keine Preissenkung
Dass die Fahrerlaubnis in Deutschland wirklich günstiger wird, ist noch nicht klar. Aussichten auf eine schnelle Preissenkung dämpfte Schnieder selbst im Januar. Man gehe die Reform zwar an, das dauere aber noch. Die Fahrlehrerverbände im Ruhrgebiet gehen davon aus, dass der Schwebezustand der Fahrschulen noch das ganze Jahr anhält.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Kurt Bartels, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Nordrhein
- Gespräch mit Raphael Morsmann, Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Westfalen
- Gespräche mit Fahrlehrern im Ruhrgebiet
- Pressemitteilung des Bundesverkehrsministeriums vom 16.10.2025
- ARD-Morgenmagazin (Gespräch mit Patrick Schnieder im Januar)
- Pressemitteilung des Fahrlehrer-Interessensverbands Moving
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Dortmund, 30.01.2026, 19:30 Uhr
