RAG bildet wieder Azubis aus
Lokalzeit Ruhr. 14.01.2026. 21:33 Min.. Verfügbar bis 14.01.2028. WDR. Von Niklas Schenk.
Pia Krüger und René Schweinsberg sind schon ein eingespieltes Team. In wenigen Minuten bauen beide ihre Messanlagen auf, jeder Handgriff sitzt. Die beiden wollen Umwelttechnologen werden, haben im Herbst eine Ausbildung bei der RAG begonnen. Ein Teil ihrer Arbeit: Das Grundwasser auf ehemaligen Bergbauanlagen zu überprüfen.
"Es gibt spannendere Dinge, aber auch vieles, was nicht so spannend ist", sagt Pia ehrlich. Sie ist 20 und kommt gebürtig aus Schwerte, hat ein Studium schnell abgebrochen. "Büroarbeit ist nichts für mich, hier bin ich immer unterwegs", sagt sie. Auch René hat eine Lehre zum Finanzwirt schnell beendet: "Ich möchte mich bewegen und etwas für meine Mitmenschen tun", sagt er. Zum Beispiel für sauberes Trinkwasser sorgen.
Viele Fachkräfte bald in Rente
"Wir messen, dass die Schadstoffe im Grundwasser rausgefiltert wurden", sagt René. Denn das Grundwasser ist dort, wo jahrhundertelang Bergbau betrieben wurde, noch immer belastet - eine sogenannte Ewigkeitsaufgabe. Heute sind die beiden Azubis auf Graf Moltke in Gladbeck, einer ehemaligen Kokerei. "Wir pumpen das Grundwasser hier über vier Drainagen zur Anlage", sagt Ausbilder Levent Memişoğlu. "Es durchläuft dann vier Aktivkohlefilter und wird eingeleitet".
Später im Büro werden die Werte eingetragen - und heute passen sie zum Glück, die Kohlefilter müssen nicht gewechselt werden. Pia und René stehen für eine neue Generation im Bergbau. 2018 hatte die RAG zeitgleich zur Schließung der letzten Zeche Prosper Haniel in Bottrop die Ausbildung eingestellt. Nun läuft sie wieder an - denn es werden viele Fachkräfte gesucht. Nicht nur, weil ein Großteil der RAG-Belegschaft bald in Rente geht, sondern auch, weil es Aufgaben gibt im Bergbau bzw. Nachbergbau. Denn ehemalige Standorte sollen renaturiert oder neu genutzt werden, etwa für Solar- oder Windkraftanlagen, die dann den Strom liefern sollen für die Grubenwasserpumpen.
Erstmals: Ausbildung in Nachbergbau
"Das ist eine Riesensache für mich", freut sich Michael Scherkamp, der Fachbereichsleiter Personal bei der RAG. Er war schon 2018 in der Ausbildung tätig, als die Azubis vor allem dafür zuständig waren, die letzten Anlagen mit abzuwickeln. "Jetzt bieten wir Ausbildungen an, die viel zukunftsgerichteter sind. Nur wir machen sowas in Deutschland."
Das Interesse am Nachbergbau ist riesig, auch international. An der Technischen Hochschule Georg Agricola in Bochum gibt es ein eigenes Forschungszentrum für Nachbergbau. Viele Studierende stammen aus Afrika, so wie Nyankoye Gildas, der vor sechs Jahren aus Guinea für das Studium hergekommen ist. "Dort wird noch viel Bergbau betrieben, aber es wird wenig auf Nachhaltigkeit geachtet", sagt der 30-Jährige. Ein chinesisches Unternehmen habe vor einigen Jahren beispielsweise ein Bergbauprojekt in seiner Heimat begonnen, ohne vorher überhaupt die Umweltstandards zu überprüfen.
Ruhrgebiet als internationales Vorbild für Bergbau
Er und viele seiner Kommilitonen möchten später in die Heimat zurückkehren, um dort beispielsweise den illegalen Bergbau zu bekämpfen. Dozent Bodo Bernsdorf glaubt, dass andere Länder vieles vom Ruhrgebiet lernen können. "Wir sind im Ruhrgebiet aus der Steinkohle ausgestiegen, sind also in der Nachbergbauphase angekommen", sagt er. "Immer dann, wenn Rohstoffe entnommen worden sind, müssen wir mit der Landschaft etwas machen. Die hinterlassen wir mit Wunden und wir müssen gucken, dass wir sie heilen, dort noch leben können, sie anders nutzen können."
Es ist dieser nachhaltige Aspekt, der viele junge Menschen interessiert: Was passiert nach dem Bergbau, wie geht es weiter? Fragen, die auch Pia und René motivieren für ihre Arbeit bei der RAG. "Ich bin stolz, Teil von etwas Großem zu sein und etwas nachhaltig zu leisten", sagt Pia. Sie wird in Zukunft das, was das Ruhrgebiet (wirtschaftlich) so geprägt hat, weiterentwickeln.
Unsere Quellen:
- RAG
- Technische Hochschule Georg Agricola Bochum
- Reporter vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 14.01.2026, 19:30 Uhr