Hannsjörg Frank, ein weißhaariger älterer Herr in einer blau-schwarzen Thermojacke, schaut aus dem Führerhaus einer gelben Rangierlok.

Bergbau ist seine Leidenschaft: Wittener lebt für die Muttenthalbahn

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Einen großen Teil seines Lebens widmet Hannsjörg Frank der Wittener Muttenthalbahn. Dafür hat er jetzt sogar eine ganz besondere Auszeichnung bekommen. Über ein Ehrenamt zwischen Bergbau-Liebe und Zukunftssorgen.

Von Katharina Hollstein

Hannsjörg Frank dreht den Schlüssel herum und schon springt die Lok mit einem lauten Rattern an. Aus dem Schlot dringt dichter Qualm. Hier ist Frank ganz in seinem Element. Im Gruben- und Feldbahnmuseum an der ehemaligen Zeche Theresia in Witten präsentiert er Bergbaugeschichte zum Anfassen. Sein Herzensprojekt ist die Muttenthalbahn, sie bringt Besucher bis ins benachbarte LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall. Aber auch Dutzende andere Loks und Waggons sowie historische Fotos und Unterlagen hütet Hannsjörg Frank auf dem Museumsgelände nahe der Ruhr.

Hannsjörg Frank lebt für die Muttenthalbahn

03:17 Min. Verfügbar bis 07.01.2028

Was Frank hier bewahrt, die Geschichte des Bergbaus, gehört zur DNA des Ruhrgebiets. Schon im 18. Jahrhundert wurde hier Steinkohle abgebaut. Sie spielte als Kraftstoff eine wesentliche Rolle in der Industrialisierung. Über die Jahre wurden alleine im Ruhrgebiet mehrere Milliarden Tonnen Kohle gefördert. Doch sie verlor zunehmend an Bedeutung. Ende 2018 stellte mit Prosper-Haniel in Bottrop die letzte Steinkohlezeche Deutschlands ihren Betrieb ein.

Bis zu 60 Stunden Ehrenamt pro Woche

Die Zeche Theresia, auf deren Gelände sich heute das Gruben- und Feldbahnmuseum in Witten befindet, wurde schon 1892 stillgelegt. Doch Hannsjörg Frank will die Erinnerung an den Bergbau wachhalten. Schon seit 36 Jahren engagiert er sich hier ehrenamtlich, hat das Museum mit aufgebaut. In der Hochsaison ist er bis zu 60 Stunden pro Woche rund um die Muttenthalbahn im Einsatz.

Die Liebe zum Bergbau begleitet den 63-Jährigen schon seit seiner Kindheit - auch wenn er selbst nie unter Tage gearbeitet hat. Doch rauchende Schlote, riesige Räder, all das begeistert ihn. "Mit so einer kleinen Sandkasten-Gummi-Eisenbahn und einem Rad, das sich dreht, wenn man oben Sand reinfüllt, habe ich als Vierjähriger schon meine erste eigene Zeche betrieben", erinnert sich Frank schmunzelnd an die Anfänge seiner Bergbau-Leidenschaft.

Hannsjörg Frank, lichtes weißes Haar, schwarze Brille, blaue Jacke, links dahinter sieht man die orangene Muttenthalbahn

Hannsjörg Frank war schon als Kleinkind fasziniert vom Bergbau

Aus der kindlichen Begeisterung ist eine Leidenschaft entstanden, die ihn bis heute täglich antreibt. "Es gibt natürlich manchmal Tiefschläge, wo man sich denkt: Was wäre gewesen, wenn?", erzählt Frank. "Aber nach einer Minute des Nachdenkens habe ich mich dann wieder verfestigt." Einer dieser Tiefschläge war der Starkregen im Sommer 2021. Die Hochwasserkatastrophe suchte damals viele Orte in NRW heim. Auf dem Museumsgelände in Witten drückte ein Hangrutsch die Rückwand des Lokschuppens ein. Ihn wieder aufzubauen, dauert bis heute.

Doch die Folgen des Hochwassers sind nicht Hannsjörg Franks einzige Sorge. Auch die finanzielle Zukunft der Muttenthalbahn treibt ihn um. Zudem fehlen ihm Ehrenamtliche, die bereit sind, sich "auch mal die Hände schmutzig zu machen".

Mit "Beklopptheit" zum Bundesverdienstkreuz

Als Privatier könnte Hannsjörg Frank eigentlich die Füße hochlegen. Aber daran ist nicht zu denken - weder für ihn, noch für die anderen Vereinsmitglieder der Arbeitsgemeinschaft Muttenthalbahn. Zu ihnen gehört Heinz Eberle. "Hannsjörg Frank ist eigentlich die Muttenthalbahn. So alt ist er noch nicht, aber ich würde sagen, das ist sein Lebenswerk." Erberle lacht. "Wie sage ich immer: Ein bisschen bekloppt muss man dafür sein."

Diese positive "Beklopptheit" hat Frank jetzt sogar das Bundesverdienstkreuz eingebracht. Die Verleihung habe ihn sehr gerührt, aber auch mit diesem Orden ist nicht Schluss. 32 Jahre will er noch durchhalten. "Dann bin ich 95 und das ist ein Alter, in dem ich mich in meinen noch nicht vorhandenen Ohrensessel setze und eine Zigarre rauche."

Sendung: Lokalzeit.de, Hannsjörg Frank lebt für die Muttenthalbahn, 07.01.2026, 07.03 Uhr.