Digitales Mahnmal macht Angriffe auf jüdische Friedhöfe sichtbar

Lokalzeit aus Duisburg 07.08.2025 04:02 Min. Verfügbar bis 07.08.2027 WDR Von Anke Ricklefs

Digitales Mahnmal macht Angriffe auf jüdische Friedhöfe sichtbar

Stand:

Zerstört, beschmiert, beschädigt. Die Uni Duisburg-Essen hat erstmals bundesweit Angriffe auf jüdische Friedhöfe dokumentiert.

Von Anke Ricklefs

Hakenkreuze auf Grabsteinen und Naziparolen an den Wänden – immer wieder gibt es Angriffe auf jüdische Friedhöfe. Die Uni Duisburg-Essen hat erstmals über 2.000 solcher Fälle untersucht und auf der digitalen Plattform des Projekts "Net Olam" veröffentlicht.

Es ist ein digitales Mahnmal, das Antisemitismus mit nur wenigen Klicks sichtbar macht. Denn die Karte zeigt, wann und wo es Angriffe auf jüdische Friedhöfe gegeben hat. So finden sich beispielsweise in Essen, auf dem Huttrop Parkfriedhof, gleich drei Angriffe.

30 Grabsteine in Essen-Huttrop beschmiert

2011 beschmieren dort Unbekannte mit gelb-grüner Farbe 30 Grabsteine mit Nazi-Parolen und Hakenkreuzen. Obwohl der Friedhof umzäunt und mit Stacheldraht gesichert war. Auch die Reaktion der Jüdischen Gemeinde ist auf der Plattform zu lesen. Seit 20 Jahren habe man nicht mehr einen solch massiven Angriff auf jüdische Einrichtungen in der Stadt erlebt.

Ein Klick auf die Nachbarstadt zeigt: In Gelsenkirchen Ückendorf zerstörten Unbekannte im Juni 2021 die Kapelle des jüdischen Friedhofs und beschädigten ein Fenster mit Steinen. Dieser Angriff wird rechtsextremistisch eingeordnet.

"Antisemitismus kein abgeschlossenes deutsches Kapitel"

Es sind nur einige Beispiele der über 2.000 Fälle, die das Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte an der Universität Duisburg-Essen dokumentiert hat. Auf der Plattform finden sich Angriffe auf Gräber, Gebäude und Anlagen.

"Antisemitismus ist kein abgeschlossenes Kapitel der deutschen Geschichte, sondern reicht bis in die Gegenwart. Gerade in Zeiten zunehmender antisemitischer Angriffe ist es wichtig, darauf hinzuweisen", betont Projektleiter Dr. Helge-Fabien Hertz.

Plattform soll jüdische Friedhöfe schützen

Für das digitale Mahnmal haben die Beteiligten lange in Presseartikeln und Archivbeständen recherchiert. Außerdem führten sie zahlreiche Gespräche mit jüdischen Landesverbänden und den Landeskriminalämtern, um so einen noch nie da gewesenen Datensatz zu erstellen.

"Net Olam" soll Antisemitismus sichtbar machen und auf die Friedhof-Schändungen aufmerksam machen. Die Plattform will außerdem dazu beitragen, jüdische Friedhöfe vor künftigen Angriffen zu schützen. Neue Fälle können über die folgende Email-Adresse gemeldet werden: net-olam@steinheim-institut.org.

Digitales Mahnmal macht Angriffe auf jüdische Friedhöfe sichtbar

WDR Studios NRW 30.06.2025 00:40 Min. Verfügbar bis 30.06.2027 WDR Online

Unsere Quellen:


  • Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen
  • Digitale Plattform "Net Olam"

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