Viele Menswchen schauen dem WDR-Stadtgespräch live zu

Vorne stehen von links nach rechts: Ralph Erdenberger (WDR 5 Moderator), Michael Kamp (Inhaber der AP-Pflegedienste), Tanja Segmüller (Professorin für Alterswissenschaften)

Lokalzeit Stadtgespräch in Unna Wie geht es mit der Pflege weiter?

Stand:

Welche Lösungen gibt es für das Pflege-Problem? Darüber hat die WDR Lokalzeit mit Betroffenen in Unna diskutiert. Wir fassen die wichtigsten Ideen zusammen.

Es war ein Schock für alle: Mitarbeitende eines Pflegeheims in Unna drohten kurz vor Ostern, ihre Arbeit niederzulegen. Weil sie unregelmäßig und zum Teil gar nicht Gehalt bekommen hatten. Viele Bewohner hatten deshalb das Heim verlassen. Der Betreiber war pleite. In letzter Sekunde kam die Rettung durch eine Firma, die das Heim übernahm.

Im betroffenen Seniorenheim in Unna-Hemmerde haben Experten im "WDR 5 Lokalzeit - Stadtgespräch" über die Zukunft der Pflege diskutiert. Mit dabei:

  • Sascha van Beek (CDU), Bundestagsabgeordneter, der selber in der Pflege gearbeitet hat
  • Michael Kamp, Geschäftsführer der AP-Pflegedienste GmbH, die das Heim in Unna übernommen hat
  • Prof. Dr. Tanja Segmüller, Hochschule Bochum, Professorin für Alterswissenschafften
Die Moderatorin Rike Ullrich im Gespräch mit einem Mann aus dem Publikum

WDR-Redakteurin Rike Ullrich im Gespräch mit Manfred Kossack, dessen Tante Hertha im Heim wohnt

"Was muss in der Pflege passieren? In der zweitältesten Gesellschaft der Welt", fragte Moderator Ralph Erdenberger zum Einstieg in die Diskussion im Seniorenzentrum am Rüschebach in Unna. Wir dokumentieren die Lösungsvorschläge, die am Abend genannt wurden.

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Besseres Management

Dass Pflegeheime pleite gehen, ist gar nicht so selten. "Wir haben in meinem Wahlkreis auch ein Beispiel", sagt Bundestagsabgeordneter Sascha van Beek aus dem Kreis Wesel. Diese Pleite sei kein Einzelfall, sagt auch Professorin Segmüller. Sie macht auch einen Grund fest: "Missmanagement". Ein Vorschlag aus dem Publikum: Es muss mehr Kontrollen der Betreiber geben.

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Anträge beschleunigen

"Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es bis zu einem halben Jahr dauert, dass Anträge für Pflege oder Wohngeld durch sind", berichtet eine Demenz-Beraterin im Publikum: "Aber der Betroffene muss ins Heim". "60 bis 80 Prozent brauchen diese Sozialleistung", bestätigt Wissenschaftlerin Segmüller: "Weil das eigene Ersparte nicht ausreicht, um die hohen Kosten zu bezahlen."

"Es dauert bis zu drei Jahren bis die Anträge durch sind", berichtet Segmüller. Die Heimbetreiber müssten in Vorkasse gehen. Das bringt Heim-Betreiber dann aber in finanzielle Schwierigkeiten: "Kleine Betreiber kann das erdrücken. Da muss die Politik dringend etwas tun".

3

Lotsen für die Menschen

Das Thema sei komplex. Pflegende Angehörige bräuchten Lotsen, die ihnen helfen, schlägt der Christdemokrat van Beek vor. Alterswissenschaftlerin Segmüller stimmt zu: "Jeder bräuchte einen Kümmerer, der bei Anträgen helfe und der den Weg durch den Pflege-Dschungel zeige."

"Wir haben solche Projekte gehabt. Pilotprojekte, die die Politik dann nicht fortgesetzt hat", kritisiert Segmüller. In Rheinland-Pfalz gebe es die "Pflegeschwester Plus", eine Mitarbeiterin, die zu Menschen über 70 nachhause käme und fragen würde, ob Hilfe gebraucht werde. In anderen Bundesländern sei es häufig so, dass es im Rathaus dafür eine halbe Stelle gebe und im schlimmsten Fall sei diese Person dauerhaft krank.

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Weniger Schreibkram - mehr KI

Pflegerin Melissa Zapf schildert, dass sie vom Ankleiden bis zum Essen alles dokumnetieren müsse. "Manchmal ist es, dass durch die Dokumentation ein ganzer Tag verloren geht. Für eine Person." Seine Heime würden von sechs bis acht Behörden geprüft, sie würden teilweise das Gleiche machen, berichtet Michael Kamp. "Das finde ich überreguliert", sagt er.

Die Digitalisierung und KI könnten bei der Dokumentation helfen, um Zeit zu sparen. Segmüller nennt als Beispiel die Spracherfassung. "Der Pfleger sagt dann Herr Müller, ich wasche Sie". Das werde dann automatisch erfasst, so dass nachher kein Bericht mehr geschrieben werden müsse: "Da ist Technik ein Gamechanger". Allerdings scheitere viel an deutscher Bürokratie und Datenschutz.

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Mehr Pflegepersonal durch Ausbildung und Zuwanderung

"Wir brauchen gut ausgebildete Pflegekräfte. Wir haben die aber kaum noch, weil alle weggelaufen sind", schildert Segmüller den Personalmangel. Die Bezahlung sei nicht das Problem. Die Mitarbeiter seien überlastet und würden deshalb aus der Branche flüchten.

Der Pflegeheimbetreiber Kamp, Politiker van Beek und Wissenschaftlerin Segmüller sind sich in dem Punkt einig: Wir brauchen mehr Zuwanderung. "Wir müssen mehr Werbung für unseren Beruf machen, zudem verlieren wir sehr viele nach der Ausbildung an Krankenhäuser". Die müssten gehalten werden.

Was läuft schief im System Pflege? Das Lokalzeit Stadtgespräch

WDR 21.05.2026 57:01 Min. Verfügbar bis 21.05.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Sascha van Beek, MdB
  • Prof. Dr. Tanja Segmüller, Alterswissenschaftlerin
  • Michael Kamp, Betreiber von Pflegeheimen
  • Publikum vom Lokalzeit Stadtgespräch

Sendung: WDR 5, Lokalzeit Stadtgespräch, 21.05.2026, 20:03 Uhr

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