Drei Männer sitzen in einem Gerichtssaal nebeneinander. Der linke spricht mit dem Mann in der Mitte, sein Gesicht ist verpixelt. Rechts sitzt ein Anwalt in seiner Robe.

Der Beschuldigte bespricht sich mit Übersetzer und Verteidiger

In Hinterhalt gelockt Prozessstart nach tödlichen Schüssen in Lünen

Stand:

In Lünen wurde im Winter ein Mann brutal getötet. Zum Prozessauftakt waren Familienangehörige und Freunde des Opfers da.

Für den 35-jährigen Beschuldigten hat am Dienstag das Sicherungsverfahren am Landgericht Dortmund begonnen. Während er ruhig die ersten Fragen des vorsitzenden Richters beantwortet, fließen bei Familienangehörigen und Freunden des Opfers die Tränen. Viele von ihnen sind heute nach Dortmund gekommen, um den Prozessauftakt als Zuschauer zu verfolgen. Sie wirken fassungslos und wütend.

Der erste Verhandlungstag ist aber schon nach zehn Minuten vorbei, der psychiatrische Sachverständige hat heute keine Zeit. Auf ihn ist das Gericht in diesem Mordprozess angewiesen, weil es nicht um eine klassische Gefängnisstrafe gehen wird. Der Beschuldigte soll unter einer schweren paranoiden Schizophrenie leiden und zur Tatzeit schuldunfähig gewesen sein.

Neun Schüsse aus einer halbautomatischen Pistole

Ein Park bei Nacht. Auf einem Weg liegt ein Tuch, in einen größeren Radius herum iat Polizei Absperrrband, zwei Personen stehen auf dem Weg.

In diesem Park soll der Angeklagte sein Opfer getötet haben.

Die Tat hatte sich am 8. Dezember 2025 in Lünen ereignet. Mit einem Vorwand soll der 35-Jährige sein ahnungsloses Opfer aus einem Kiosk in eine nahegelegene Grünanlage gelockt haben. Es war eine Falle. In der Dunkelheit der Parkanlage feuerte der Angreifer laut Staatsanwaltschaft mit einer illegalen halbautomatischen Pistole aus kurzer Distanz los.

Neun Schüsse trafen das 35-jährige Opfer mitten in den Körper - in den Rücken, den Bauch und den Genitalbereich. Der Schütze soll die Wehrlosigkeit des Mannes ausgenutzt haben. Trotz aller Bemühungen der Notärzte starb das Opfer noch vor Ort an seinen schweren Verletzungen. Nach der Tat hatte der Beschuldigte wohl selbst die Polizei angerufen. Was genau zu der Tat führte, ist noch unklar.

Dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie droht

Der forensische Sachverständige Bernd Roggenwallner im Interview in seiner Praxis

Bernd Roggenwallner ist Facharzt für Neurologie und Psychiatrie und arbeitet regelmäßig als forensischer Sachverständiger vor Gericht.

Sollte das Gericht feststellen, dass der Beschuldigte die Tat im Zustand einer akuten Psychose begangen hat, kann er rechtlich nicht bestraft werden. "In diesem Zustand sind Menschen der Realität entrückt", erklärt Bernd Roggenwallner, der selbst als forensischer Sachverständiger arbeitet. "Sie haben dann den Eindruck, dass sie verfolgt werden oder Katastrophen passieren könnten. Man hört und sieht Dinge, die nicht da sind."

Zunächst müsse ein Sachverständiger in so einem Fall einschätzen, ob ein Beschuldigter schuldfähig ist oder nicht. Danach geht es um eine mögliche Wiederholungsgefahr. "Ist der Beschuldigte behandlungsbereit? Wie ist er sozial eingebunden? Das sind alles Fragen, die man in die Prognose mit einbezieht", sagt Roggenwallner. Die Entscheidung treffe am Ende das Gericht. Sollte es feststellen, dass der Beschuldigte gefährlich für die Allgemeinheit ist, könnte es seine dauerhafte Unterbringung in einer Psychiatrie anordnen.

Prozessstart nach tödlichen Schüssen in Lünen

WDR 09.06.2026 00:43 Min. Verfügbar bis 09.06.2028 WDR Online

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Prozessstart nach tödlichen Schüssen in Lünen

WDR 01:45 Min. Verfügbar bis 09.06.2028

Unsere Quelle:

  • Landgericht Dortmund
  • Staatsanwaltschaft Dortmund
  • Interview mit Dr. med. Bernd Roggenwallner
  • Eindrücke des WDR-Reporters aus dem Gerichtssaal

Sendung: WDR 2 Ruhrgebiet, Lokalzeit, 09.06.2026, 17:31 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Dortmund, 09.06.2026, 19:30 Uhr

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