Ich bin Fußball-Fan. Ich hab mich über den Schalke-Aufstieg gefreut. (Als BVB-Fan!) Ich fiebere selbst bei Kirmeskicks im Dortmunder Stadion mit. Aber auf diese WM, die gerade begonnen hat, hab ich so gar keine Lust.
Die Stimmungstöter verbergen sich hinter so klingenden Schlagzeilen wie "Einreiseverbote für Fans aus bestimmten Ländern", "an der Grenze zurückgewiesener Schiedsrichter", "mit 48 Teams größte WM aller Zeiten", "150 Euro für nen Parkplatz am Stadion (oder eine halbe Stunde Bahnfahrt, selber Preis)" oder "Spieler aus Iran müssen direkt nach einem Spiel in den USA das Land wieder verlassen". Das klingt nicht danach, als sei hier die Welt zu Gast bei Freunden.
Es heißt doch immer: Der Fußball soll unpolitisch sein. Die FIFA drohte in Katar mit Gelben Karten, wenn ein Spieler die Regenbogenbinde ("One Love") getragen hätte. Aber wenn der Chef des Ladens sich beim mächtigsten Mann der Welt mit einem eigens erfundenen Friedenspreis in Gold einschleimt, dann wird es die beste WM aller Zeiten. (War übrigens die in Katar auch schon, wo im Vorfeld keiner der Verantwortlichen was von mangelndem Arbeitsschutz auf den Stadion-Baustellen hören wollte.) Das kann doch keiner mehr ernst nehmen.
Und da haben wir noch gar nicht über das Nominierungsdesaster rund um den deutschen Torwart gesprochen. Elf Freunde? Ja sicher!
Für alle was zum Geldausgeben im Angebot
Ich bin kein Fußball-Romantiker, ich mach mir keine Illusionen darüber, dass das ganze ein Milliarden-Business ist. Dass nach jedem Hebel gesucht wird, Kasse zu machen - wie jetzt mit "dynamischen Ticketpreisen", das kannte man früher nur vom Schwarzmarkt. Teure Trikots, lizensierte Klemmbaustein-Pokale... da ist für jeden und jede zum Geldausgeben was dabei. Ja klar, auch für Sender wie meinen sind die TV-Rechte wichtig für Relevanz und Akzeptanz. Und die ganzen Storys drumrum? So haben wir immer was zu berichten. Aber der Beigeschmack wird immer schaler.
2006 war auch kein garantiertes Sommermärchen
Zur Wahrheit gehört auch: Die Kommerzialisierung des Sports beklagen wir nicht zum ersten Mal. 2006, als die WM hier im eigenen Land war, haben sich vorher viele aufgeregt: Da durften Kioske im Umfeld der Stadien, die nicht von der FIFA lizensiert waren, nix verkaufen. Es gab nur Bier von offiziellen Sponsoren. Das fanden wir damals auch nicht doll. Und am Ende wurd's das Sommermärchen.
Okay, da stellte sich später raus, dass es offenbar auch nicht ganz ohne Geldflüsse zu uns gekommen war. Aber nen Friedenspreis hat Kanzlerin Merkel (oder Kaiser Franz) immerhin auch nicht bekommen.
"Geht's raus und spielt's Fußball!"
Ich will die Hoffnung für meine eigene Stimmung noch nicht aufgeben. Vielleicht wird der Sport größer als die, die ihn verwalten. Er hat ja 104 Spiele Zeit. Wenn einfach alle das 1990er-Final-Motto der schon erwähnten, inzwischen leicht verschatteten "Lichtgestalt" Franz B. beherzigen: "Geht's raus und spielt's Fußball!"
Keine Lust auf die Fußball-WM
WDR. 13.06.2026. 02:46 Min.. Verfügbar bis 12.06.2028. WDR Online.
Sendung: WDR.de, Impuls zur Diskussion: Ich hab so gar keine Lust auf die Fußball-WM!, 13.06.2026, 6:00 Uhr
Kommentare zum Thema
Auch hier zeigt sich die Spaltung der Gesellschaft. Da , die vor der Flimmerkiste hocken, um Polymillionären ,die sich vom Durchschnittskicker nur dadurch unterscheiden, daß sie das Runde etwas gekonnter ins Rechteckige schlenzen können, beim Geld verdienen zuzuschauen und dort die , die das Kommerzpektakel völlig kalt läßt. Schade, daß der Staatsfunk so viel money für die Übertragungsrechte ausgibt und damit die Millionäre von den GEZ-Zahlern finanzieren läßt.Für das, was der Durchschnittsmichel in einem Monat verdient, würde ein durchschnittlicher Bundesligakicker noch nicht mal 15 Minuten lang in die Fangaststätte kommen. Ähnlich ist es auch bei Olympia, aber noch nicht so kraß kommerzialisiert . Das ist Alles nur mit Massenpsychose erklärbar.
Ich habe wirklich so gar keine Lust mehr auf den FIFA-Männer-Zirkus. Auf die DFB-Herren auch nicht mehr, nachdem ich diese live bei einem Fan-Training lustlos-arrogant erleben konnte -> Tausende Kinder bejubeln ihre Idole und den meisten ist das herzlichst egal. Wo ist das noch Sport für Fans? Nee, danke. Fahrt wohin auch immer ihr wollt, ich bin nicht dabei und gebe keinen Euro mehr dafür aus. Dann schaue ich mir lieber die Fussball-Frauen an, da ist so oft soviel mehr Leidenschaft zu sehen.
Tauscht den Ball gegen Kokosnuss und die Sinnhaftigkeit ist wieder hergestellt.