Hamm wird Hauptstadt der Klimaschützer
WDR. 02:36 Min.. Verfügbar bis 26.05.2028.
Aufbau Klimacamp 2026 startet : Hamm wird Hauptstadt der Klimaschützer
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Am Sonntag ist der Aufbau für das Klimacamp in Hamm gestartet. Dazu und zu Demos rufen zahlreiche Umweltschutz-Organisationen bundes- und zum Teil europaweit auf. Die Veranstalter wollen nach WDR-Informationen gegen Auflagen der Polizei klagen.
Seit Sonntagmittag wird das Camp unter dem Motto "Gemeinsam gegen Gas" im Hammer Lippepark aufgebaut. Dort sollen laut Veranstalter bis zu 1.500 Menschen in Zelten unterkommen. Viele Umweltaktivisten bieten aber auch private Schlafplätze in und um Hamm an. Ab Mittwoch starten Workshops und Vorträge rund um das Motto des Camps.
"Gas macht Energie teuer, abhängig von globalen Krisen, Finanzmärkten und autoritären Regimen und zerstört das Klima." Veronika Mandel, Mitorganisatorin Hammer Klimacamp 2026
Die Veranstalter des Camps, das bis zum 2. Juni 2026 dauern soll, kritisieren, dass fossile Energieträger wie Öl und Gas die Verbraucher abhängig von Entwicklungen an internationalen Märkten machen. Die Folgen würden "viele Menschen seit Jahren durch steigende Heiz- und Stromkosten" spüren.
Klimacamp Hamm: Großdemonstration zum Gaskraftwerk geplant
Parallel zum Camp sind weitere Proteste geplant: Dazu rufen etwa die Organisationen Ende Gelände, Fridays For Future, Campact, Greenpeace und der BUND auf. Die meisten Teilnehmer werden zu einer Großdemo am 30. Mai 2026 erwartet. Dann könnten mehrere tausend Umweltaktivisten nach Hamm kommen.
Die Demonstration wird zum RWE-Gaskraftwerk Gersteinwerk in Werne ziehen. Das liegt nur wenige Kilometer vom Veranstaltungsort des Klimacamps im Hammer Stadtteil Herringen entfernt.
Klage gegen Auflagen der Polizei
Nach WDR-Informationen bereitet das Demonstrationsbündnis derzeit eine Klage gegen die Auflagen der Dortmunder Polizei für die Demo am 30. Mai vor. Die Klage soll am kommenden Dienstag (26.05.2026) beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen eingereicht werden.
Ziel der Demonstranten: das RWE-Gaskraftwerk Gerstein in Werne.
Grund für die Klage sind nach Angaben der Demo-Veranstalter Auflagen der Polizei, die die Demonstration weiter weg vom RWE-Kraftwerk halten sollen als ursprünglich vom Demobündnis angemeldet. Begründet werden diese Auflagen mit dem Schutz kritischer Infrastruktur und mit möglichen Störungen durch Dritte, das hat die Polizei Dortmund am Sonntag auf Nachfrage bestätigt.
"Wer friedlichen Protest pauschal zur Gefahr für Leib und Leben erklärt und ihn deshalb aus der Sichtweite eines Gaskraftwerks verbannen will, greift unverhältnismäßig in die Versammlungsfreiheit ein." Organisator*innen der Demonstration "Zukunft statt Gas! Energiewende verteidigen"
Schreiben der Demo-Veranstalter an NRW-Innenminister
Zur angekündigten Klage kann die Polizei aktuell nichts sagen, da diese noch nicht beim Verwaltungsgericht eingegangen ist. In einem Schreiben an den WDR fordern die Demo-Veranstalter Innenminister Herbert Reul (CDU) auf, die Verlegung der Demonstration zurückzunehmen. Aus einem Gesetz zum Schutz kritischer Infrastruktur dürfe kein Instrument werden, "um missliebige Klimaproteste auf Abstand zu halten", heißt es in dem Schreiben.
So sah das Gersteinwerk im letzten Jahr aus. Der Kamin wurde mittlerweile gesprengt.
Polizei bereitet Einsatz seit Wochen vor
Zuständig für den Einsatz ist die Polizei Dortmund. Deren Sprecher, Polizeihauptkommissar Kay Becker, hatte im WDR-Gespräch gesagt, dass die Einsatzleitung auf jedes Szenario vorbereitet sei. Die Polizei sei mit einem großen Aufgebot vor Ort. Besonderes Augenmerk gelte den geplanten Demonstrationen.
"Wer friedlich demonstriert, kann sich hundertprozentig darauf verlassen, dass die Polizei ihn bei der Ausübung seines Grundrechts unterstützen wird." Kay Becker, Sprecher Polizei Dortmund
Die Polizei Dortmund ist auf die Demonstrationen vorbereitet, sagt Sprecher Kay Becker.
Auch auf mögliche Störaktionen gegen das RWE-Gaskraftwerk oder ein Trianel-Gaskraftwerk in Hamm-Uentrop habe sich die Polizei vorbereitet und ihr Sicherheitskonzept mit den Betreibern abgestimmt, so Becker.
Im Internet kursieren unter anderem Aufrufe zu zivilem Ungehorsam oder Sitzblockaden. Wer versuche, "die Versorgungsbetriebe zu sabotieren oder lahmzulegen, begeht eine Straftat", warnt der Dortmunder Polizeisprecher.
Protest gegen Pläne der Bundesregierung
Die Bundesregierung plant im Sommer insgesamt elf Gigawatt neue Kraftwerksleistung auszuschreiben. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will so die Versorgungssicherheit in Deutschland gewährleisten, falls Wind und Sonne nicht genug Energie liefern.
Ein Teil der neuen Gaskraftwerksleistung könnte in Hamm entstehen. Etwa mit einem neuen Block im Trianel-Kraftwerk. Das Unternehmen hat bereits signalisiert, dass es am Standort Hamm-Uentrop einen Gas- und Dampfturbinen-Block mit einer Leistung von 500 Megawatt bauen möchte.
Unsere Quellen:
- Internetseite und Pressemitteilung Hammer Klimacamp 2026
- Internetseite und Pressemitteilung Ende Gelände
- WDR-Interview mit Kay Becker, Polizeisprecher Dortmund
- Schreiben der Organisator*innen der Demonstration "Zukunft statt Gas! Energiewende verteidigen"
Sendung: WDR.de, Hamm wird zur Hauptstadt der Klimaschützer, 22.05.2026, 05:01 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 26.05.2026, 19:30 Uhr
