Das Bild zeigt das Atomkraftwerk in Hamm-Uentrop.

Hamm: Betreiber von stillgelegtem Atomkraftwerk insolvent - wer zahlt?

Stand:

Der Betreiber des stillgelegten Atomkraftwerks THTR in Hamm-Uentrop HKG hat beim Amtsgericht Dortmund Insolvenz angemeldet. Die Betreiber sind pleite, das Geld müsse wohl der Steuerzahler aufbringen, vermutet der Landesverband Erneuerbare Energien. Der millionenschwere Rückbau soll 2030 beginnen.

Von Lars Faulenbach

Der THTR in Hamm galt mal als Hoffnungsträger der deutschen Atomwirtschaft. Mit einem innovativen Kraftwerkskonzept sollte er Strom effektiver und günstiger erzeugen als die damals herkömmlichen Leichtwasserreaktoren. Doch diese Versprechungen konnte der THTR nie einlösen, sondern machte eher durch Störungen von sich reden und durch die enormen Verluste, die er verursachte.

Reaktor war ein Kostenfresser und wurde nach 1989 wieder stillgelegt

Der Reaktor wurde deswegen 1989 nach nur etwas mehr als 400 Betriebstagen stillgelegt. Später wurden die Brennelemente entfernt und der Reaktor durch einen Betoneinschluss versiegelt. Wegen der atomaren Belastung des Geländes kann der Rückbau erst 2030 beginnen. Er soll mehr als zehn Jahre dauern und wird hohe Kosten verursachen. Ursprünglich waren die mit 347 Millionen Euro beziffert worden, Ende 2023 lagen die geschätzen Kosten schon bei 516 Millionen Euro.

Der Landesverband Erneuerbare Energien vermutet, dass der Steuerzahler für die Kosten aufkommen muss. Betreiber HKG, hinter dem RWE und einige Stadtwerke stehen, wollte Land und Bund dazu verpflichten für die Kosten aufkommen zu müssen. Sie sind jedoch mit einer entsprechenden Klage 2024 vor dem Landgericht Düsseldorf gescheitert. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte die Berufung abgelehnt. "Damit steht die HKG unverändert vor der Situation einer ungeklärten Finanzierung der Restabwicklung des einst von Bund und Land NRW initiierten Forschungsprojekts", bewertete HKG-Geschäftsführer Volker Dannert die Entscheidung. Er sieht sein Unternehmen nicht in der Pflicht.

Rückbau soll 2030 starten - wer zahlt ist nicht ganz klar

Nach dem Insolvenzantrag beim Amtsgericht Dortmund hat jetzt der Dortmunder Anwalt David Bunzel von der Kanzlei Husemann & Partner als Insolvenzverwalter das Ruder übernommen. Er soll gewährleisten, dass der sogenannte sichere Einschluss des Atommeilers fortgesetzt wird und der Rückbau des THTR 2030 starten kann.

"Zu Beginn des vorläufigen Verfahrens werden wir uns einen umfassenden Überblick zur wirtschaftlichen Gesamtsituation machen und die Stabilisierung des Geschäftsbetriebs in den Fokus rücken", erklärt David Bunzel. Danach wolle man mit allen Beteiligten nach Lösungen suchen. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten seien gesichert. Die dürfen also aufatmen. Land und Bund hingegen müssen fürchten, dass sie am Ende trotz des gewonnen Verfahrens auf den Kosten sitzen bleiben.

Betreiber von stillgelegtem Atomkraftwerk in Hamm insolvent

WDR Studios NRW 14.10.2025 00:30 Min. Verfügbar bis 14.10.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Amtsgericht Dortmund
  • Pressemitteilung Husemann & Partner
  • Gerichtsakten Oberlandesgericht Düsseldorf
  • DPA

Weitere Beiträge aus Hamm

1 / 2