Phoenix Hagen: Aufstiegsparty in der Ischelandhalle
WDR. 03:15 Min.. Verfügbar bis 11.03.2037. Von Michael Bodenröder.
Christiane und Laura Kneip haben bei jedem Spiel mitgefiebert.
"Völlig überfordert, aber bereit," fasst Christiane Kneip ihre Gefühle zusammen. Neben ihr liegt ihre Tochter Laura mit leicht verweinten Augen in den Armen von Maskottchen Felix. Ihre Dauerkarten haben die beiden "seit eh und je". Laura trägt ein Trikot aus Erstligazeiten von Phoenix Hagen. "Ein Crop Top", sagt sie selbstironisch, denn sie ist ordentlich gewachsen, seit Phoenix Hagen das letzte Mal in der Basketball-Bundesliga war.
Aufstieg war Langzeitprojekt
Die Basketballmannschaft Phoenix Hagen hat am Samstagabend mit 85:65 gegen die Eisbären aus Bremerhaven gewonnen. Der Sieg markiert den dritten Sieg aus fünf Playoff-Spielen gegen Bremerhaven und damit den Einzug ins Finale dieser Playoffs. Und beide Finalteilnehmer steigen auf.
Zwangsabstieg vor fast zehn Jahren
Beim Aufstieg von Phoenix Hagen geht es nicht darum, dass ein Basketball-Team eine Saison lang eine gute Mannschaft hat. Dahinter steckt der Wiederaufbau eines Traditionsvereins, der am Boden lag. Seit Jahrzehnten gilt Hagen als Basketball-Stadt. 2016 hat der Verein Insolvenz angemeldet – und musste aus der ersten Liga zwangsabsteigen. Jahr für Jahr haben die Hagener dann neue Sponsoren an Bord geholt und die Ischelandhalle wieder mit Fans vollgemacht.
Steffi ist nach dem Aufstieg von ihren Gefühlen überwältigt.
Steffi kriegt nach dem Spielende nur noch ein "Ich bin so fertig," raus. Mal weint sie, mal jubelt sie gemeinsam mit ihrem Sohn Justus. Auch sie haben in dieser Saison bei jedem Spiel in der Hagener Ischelandhalle mitgefiebert.
"Das Spiel heute hat jeder einzelne Hagener auf der Tribüne zusammen mit der Mannschaft gewonnen!" Pascal Teske, Fangruppe Tornados
Pascal Teske von der organisierten Fangruppe Tornados findet den Moment "unbeschreiblich".
Die Ischelandhalle hat heute den Unterschied gemacht. Auf allen Plätzen lagen Flyer, die den Fans klar gemacht haben, dass sie ihre Mannschaft anfeuern müssen: "Do or Die!" stand darauf. Noch am Donnerstag hat Hagen in Bremerhaven verloren.
Maskottchen Felix heizt Fans ein
Maskottchen Felix kümmert sich um seine Fans.
Heute haben die Fans jeden einzelnen Punkt und jeden Ballgewinn ekstatisch gefeiert. Gesessen hat fast niemand in der Ischelandhalle. Wenn dann doch eine Pobacke eine Sitzschale berührt hat, war Maskottchen Felix da, um den ausgelaugten Fan mit der charmanten Aufdringlichkeit eines Maskottchens anzuweisen, wieder aufzustehen.
Fan Marco Adam sagt nach der ersten Halbzeit: "Die Stimmung war so schon heiß diese Saison, aber jetzt ist es so als ob man nochmal ein Stück Kohle draufgelegt hat."
Erst spannendes Spiel - dann große Party
Das Spiel war bis zur Halbzeit ausgeglichen, dann hatte Hagen die Oberhand. Die letzten Minuten waren nur noch eine riesige Party.
Für eine Bierdusche musste das WDR-Gespräch kurz unterbrochen werden.
"Deswegen spielen die Jungs ja in Hagen. Die wissen, was sie von der Tribüne bekommen," sagt Teske. Und das weiß Tim Uhlemann, Spieler von Phoenix Hagen, auch: "Zuhause haben wir nochmal ein anderes Spiel gemacht." Dann kippt sein Mitspieler Bjarne Kraushaar ihm ein Bier über.
Hagen ist jetzt wieder eine Basketball-Stadt, die einen Basketball-Erstligisten hat. "Wir leben den Sport einfach," sagt Christiane.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- WDR-Gespräch mit Pascal Teske, Tornados
- WDR-Gespräche mit Fans von Phoenix Hagen
- WDR-Studiogespräch mit Martin Schmidt, Geschäftsführer Phoenix Hagen, im September 2025
Sendung: WDR 2, WDR aktuell, 30.05.2026, 23 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 02.06.2026, 19.30 Uhr
