Das Selfie nach dem Spiel: Unser Autor Christian Beisenherz mit Maskottchen Felix und WDR-Sportreporter Michael "Bodi" Bodenröder
Eigentlich geh ich zu den Heimspielen von Borussia Dortmund. In den Tempel, den sie alle noch Westfalenstadion nennen. Schon lange wollte ich aber mal selbst erleben, was ich bislang nur aus Erzählungen oder unserer Lokalzeit im Fernsehen kannte: ein Heimspiel der Basketballer von Phoenix Hagen.
Sportkollege Bodi (eigentlich Michael, aber das sagt nur seine Frau) hat das schließlich organisiert und mich mitgenommen in die Ischelandhalle.
Es geht um den Aufstieg von Phoenix Hagen in die Bundesliga
Die Karlsruhe Lions sind da, es ist Playoff-Viertelfinale. Wer von fünf Spielen drei gewinnt, kommt in die nächste Runde um den Aufstieg. Zwei Siege haben die Hagener schon geschafft, heute könnten sie also einen Riesenschritt gehen Richtung erste Liga. Deswegen ist die Halle auch mitten in der Woche ausverkauft.
3.145 Hagenerinnen und Hagener, viele in Blau und Gelb, von Oma bis Enkel, sind hier. Basketball in Hagen ist Familiensache, erzählt mir Bodi. Die Fans kennen sich, sitzen und stehen altersgemischt zusammen, bei Limo, Bier und Bratwurst.
Die intensivsten Fans stehen oben unter dem Hallendach der "Ischehölle"
Wenn es dann richtig losgeht, die Phoenix-Jungs unter dem Gepuschel der Cheerleaderinnen aufs Feld laufen, dann wird es hier richtig laut. Das ist Gänsehaut, das ist Energie, die bis zum Spielende auch nicht mehr abebben wird. So laut, so kraftvoll, dass ich fast nicht merke, dass beim BVB 25 mal mehr Fans dabei sind.
Während einer Spielunterbrechung halten die Cheerleaderinnen in der Ischelandhalle die Stimmung hoch
Die intensivsten stehen hier nicht im Süden der Halle, sondern oben unterm Hallendach: rund 500 haben auf der als "Heuboden" bekannten Fantribüne Platz. Von da oben hallen ihre Fangesänge, ihre Anfeuerungsrufe in jeden Winkel der "Ischehölle". Das Spiel läuft noch nicht lange, da hab ich verstanden, warum die Halle so genannt wird.
Hier stehen alle bis zum ersten Phoenix-Korb
Vor dem Tip-off, also dem ersten Ball, bewahrt mich Bodi vor einem peinlichen Fehler: "Aufstehen!" Denn hier stehen alle bis zum ersten Korb des Heimteams. Alles klar! Ist eh intensiver.
Läuft das Spiel, lenkt dich als Zuschauer nichts mehr ab. Es geht hin und her. Beim Basketball schieben sich nicht Abwehrspieler und Torwart langatmig die Bälle zu, bleibt der Ball nicht minutenlang im Mittelfeld hängen. Alle paar Sekunden, nach maximal 24, wechselt der Ballbesitz, ständig zappelt der Ball an einem der beiden Körbe für die nächsten Punkte.
Die Fans liefern den Soundtrack aus Vereinsgesängen und Pfiffen - je nach Ballbesitz. Und ist das Spiel kurz unterbrochen, spielen sie sofort Musik ein. Charthits zum Einpeitschen. Dann geben auch mal kurz die Cheerleaderinnen wieder eine Einlage. Und der Nachwuchs macht mit dem Wischmob das Parkett sauber. Beim Fußball holen wir uns in solchen Situationen das nächste Getränk, dafür fehlt hier die Zeit.
Feuervogel Felix heizt allen ein
Immer mittendrin: Felix. Das Maskottchen. Ein orangeroter Feuervogel, der zwar böse guckt, aber allen Spaß macht. Er turnt durch die Halle. Über die Ränge. Feuert Mannschaft und Fans an. Und hat - schon wegen seines Ganzkörperkostüms - am Ende des Abends vermutlich mindestens genauso viel geschwitzt wie die Spieler. Da ist die süße BVB-Biene Emma doch ein bisschen gemütlicher unterwegs.
Feuervogel Felix mischt sich während des Spiels auch gerne unter die Fans und heizt die Stimmung weiter an
Was Felix mit den Profis noch gemeinsam hat: Er ist nahbar. Posiert gerne und viel für Selfies – ebenso die Spieler. Nach dem Spiel wird mit den Fans abgeklatscht, die volle Ehrenrunde. Und dann verschwinden sie auch nicht einfach in der Kabine, sondern stehen noch lange zusammen. Mit den Familien, den Fans, Autogramme geben, auch gerne mit dem eigenen Kind auf dem Arm. Maskottchen Felix’ Mama ist übrigens auch mittendrin, verrät mir Bodi.
Mitte des zweiten Viertels gehen die Basketballer in Hagen in Führung
Ich mach mir zwischendurch ein bisschen Sorgen, ob das hier heute Abend mit dem Sieg klappt. Denn die Gegner aus Karlsruhe führen bis ins zweite Viertel. Doch Bodi beruhigt mich: Die werden gleich müder. Wenn sich Phoenix erstmal richtig eingeworfen hat, machen die das klar.
Machen die dann auch. Mitte des zweiten Viertels geht Phoenix in Führung, zündet damit die Fans nochmal ordentlich an – und gibt den Vorsprung auch bis zur Schluss-Sirene nicht mehr her. Endstand 79 zu 70.
Die Ischehölle wird noch etwas heißer
Nach dem entscheidenden Sieg im Playoff-Viertelfinale gegen Karlsruhe feiern die Spieler von Phoenix Hagen
Da bricht hier aber richtig der Jubel los: Die Ischehölle wird noch ein bisschen heißer. Geschafft! Am 20. Mai geht's dann hier zum ersten Mal gegen Bremerhaven, wieder "Best of Five" - also könnte (frühestens) am 26. Mai der Aufstieg in die höchste Basketball-Klasse klargemacht werden. Hier in der Ischelandhalle. Für das wirtschaftlich so gebeutelte Hagen wäre das ein großer Moment.
Verein und Fans räumen gemeinsam nach Abpfiff auf
Ich weiß nach diesem Abend: Fußballstadion macht Spaß, das können magische Momente sein. Weltstars auf dem Rasen. Millionengeschäft. Alles hochprofessionell und durchchoreografiert. Geh ich gerne wieder hin. Aber zum Basketball komm ich auch gerne wieder. Das hier ist echt, das ist Miteinander, das ist Familie.
Nach dem Spiel ist vor dem Schulsport: Verein und Fans räumen nach dem Spiel noch auf. Oben im Bild: die Stehplätze auf dem "Heuboden".
Wo der Verein und die Fans übrigens Minuten nach dem Abpfiff gemeinsam die Halle aufräumen. Denn am nächsten Morgen ist hier wieder Schulsport. Da muss dann vermutlich der eine oder andere von der Tribüne selbst aufs Parkett.
Unsere Quellen:
- Besuch unseres Reporters in der Hagener Ischelandhalle
- Beobachtungen des WDR-Sportreporters Michael Bodenröder
Sendung: WDR.de, Premiere beim Basketball: Als Fußball-Fan in der Hagener Ischehölle, 19.05.2026
